Examensarbeit, 1998
59 Seiten, Note: 2
1. EINLEITUNG
2. DIE ENTWICKLUNG DES MENSCHLICHES SÄUGLINGS UND KLEINKINDES AUS BIOLOGISCHER SICHT
2.1. DAS MENSCHLICHE NEUGEBORENE IM BIOLOGISCHEN VERGLEICH
2.2. REIFUNG UND ENTWICKLUNG DES SÄUGLINGS UND KLEINKINDES
2.3. SPRACHERWERB
3. ELTERN-KIND-INTERAKTIONEN IN DEN ERSTEN LEBENSJAHREN
3.1. PRÄGUNG, PRÄGUNGSÄHNLICHES LERNEN UND BINDUNG.
3.1.1. Die Phase der Prägung bei Tieren
3.1.2. Bindung und prägungsähnliches Lernen beim Menschen
3.2. FAKTISCHE ELTERNSCHAFT UND FREMDBETREUUNG
3.2.1. Verwandte, Adoptiv- und Pflegeeltern
3.2.2. Heimunterbringung und Kinderdörfer
3.2.3. Tagesmütter und Kinderkrippen
3.3. SELBSTÄNDIGWERDEN UND ERKUNDEN DER UMWELT DURCH SPIELEN UND NACHAHMEN
4. “DEPRIVATION” ALS FOLGE VON BETREUUNGSMÄNGELN
4.1. DAS ERSCHEINUNGSBILD DER “DEPRIVATION”
4.2. MAßNAHMEN ZUR VERMEIDUNG VON “DEPRIVATION”
5. KONSEQUENZEN FÜR DEN BIOLOGIEUNTERRICHT IN DER SEKUNDARSTUFE I
5.1. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN
5.2. LERNZIELE
5.3. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN IN VERBINDUNG MIT PRAKTISCHEN VORSCHLÄGEN FÜR DIE UMSETZUNG IM UNTERRICHT
6. SCHLUßBETRACHTUNG
Die Arbeit untersucht die biologischen Grundlagen der frühen kindlichen Entwicklung sowie die Bedeutung der Eltern-Kind-Bindung, um daraus didaktische Konsequenzen für den Biologieunterricht in der Sekundarstufe I abzuleiten. Sie zielt darauf ab, Jugendlichen ein Verständnis für die Bedürfnisse von Säuglingen und Kleinkindern zu vermitteln, um sie für eine verantwortungsbewusste Elternschaft zu sensibilisieren und die Folgen von Betreuungsmängeln zu verdeutlichen.
2.1. Das menschliche Neugeborene im biologischen Vergleich
Ein Blick in die Tierwelt soll helfen, das menschliche Neugeborene einem Jungentyp zuzuordnen. Die ursprünglich für Vögel geprägten Begriffe “Nestflüchter” und “Nesthocker” sind heute auch für Säugetiere gebräuchlich. Dabei ist der “Nesthocker” der stammesgeschichtliche ursprüngliche Jungentyp, d.h. es handelt sich hier also meistens um die genetisch älteren Säugetiertypen. Das können beispielsweise Insektenfresser, aber auch Nagetiere sein. Uns am meisten vertraut sind jedoch junge Hunde und Kätzchen. Bei diesen sind die Augenlider sowie die Gehörgänge nach der Geburt noch geschlossen. Viele “Nesthocker” haben nach der Geburt keinerlei Haar- oder Federkleid und verlassen ihr Nest oder ihren Bau auch nicht.
Der andere Jungtiertyp ist der “Nestflüchter”. Es handelt sich hierbei um die phylogenetisch jüngeren Säugetiere, also Huftiere (Steppenläufer wie Antilope, Rinder und Pferde) sowie Robben und Wale. Die Jungen können hören und sehen, haben ein Haarkleid und können dem Muttertier schon kurz nach der Geburt folgen, bzw. das Nest, wie z.B. der Feldhase, früh verlassen. Aus diesem Grund ist der Begriff “Nestflüchter” eigentlich nicht glücklich gewählt, weil z.B. Antilope und Wale gar kein Nest bauen. H. Schneider schlägt daher nach I. Eibl-Eibesfeldt (1984) für diese frühreifen Säugerjungen den Begriff “Mutterfolger” vor. Er unterscheidet dabei zwei Typen: einmal jene, die ihr Junges ablegen als “Ablieger”, z.B. das Reh, und solche, die auf der Mutter sitzen und sich an ihr aktiv festhalten, als “Mutterhocker”, z.B. viele Affen. B. Hassenstein (vgl. Hassenstein, 1987, S. 66 ff.) prägte einen zusätzlichen Begriff hinsichtlich des zuletzt genannten Jungentyp, den “Tragling”. Beuteltiere (z.B. der Koala), Fledermäuse und Affen passen in keine der beiden Kategorien “Nesthocker”, bzw. “Nestflüchter”. Die Jungen sind relativ weit entwickelt, was das Fell, die Augen und das Gehör betrifft, können dem Muttertier jedoch noch nicht selbständig folgen. Statt in ein Nest zu kommen, bleiben die Jungen am Körper der Mutter, beispielsweise im Beutel, oder sie halten sich aktiv am Fell der Mutter fest und werden von ihr getragen.
1. EINLEITUNG: Darstellung der persönlichen Motivation und der Relevanz des Themas im Rahmen der Allgemeinbildung und zur Vorbereitung auf zukünftige Elternrollen.
2. DIE ENTWICKLUNG DES MENSCHLICHES SÄUGLINGS UND KLEINKINDES AUS BIOLOGISCHER SICHT: Biologische Einordnung des Menschen, Reifungsprozesse und die Grundlagen der Sprachentwicklung.
3. ELTERN-KIND-INTERAKTIONEN IN DEN ERSTEN LEBENSJAHREN: Untersuchung der Bindungsprozesse, der faktischen Elternschaft und der Herausforderungen durch Fremdbetreuung.
4. “DEPRIVATION” ALS FOLGE VON BETREUUNGSMÄNGELN: Analyse der Erscheinungsformen, Ursachen und Präventionsmöglichkeiten bei Deprivationserscheinungen durch Kontaktmangel.
5. KONSEQUENZEN FÜR DEN BIOLOGIEUNTERRICHT IN DER SEKUNDARSTUFE I: Didaktische und methodische Überlegungen zur Umsetzung des Themas im schulischen Kontext.
6. SCHLUßBETRACHTUNG: Zusammenfassende Reflexion über die Bedeutung der frühkindlichen Phase für die spätere Entwicklung und die Rolle der Erziehung.
Säuglingsentwicklung, Kleinkindverhalten, Eltern-Kind-Bindung, Verhaltensbiologie, Prägung, Deprivation, Hospitalismus, Fremdbetreuung, Sprachentwicklung, Biologieunterricht, Sekundarstufe I, Lernziele, Nestflüchter, Nesthocker, Tragling.
Die Examensarbeit befasst sich mit der Entwicklung von Säuglingen und Kleinkindern aus einer verhaltensbiologischen Perspektive und leitet daraus notwendige Konsequenzen für den Biologieunterricht in der Sekundarstufe I ab.
Zentrale Themen sind die biologische Reifung, der Spracherwerb, die Eltern-Kind-Bindung sowie die Auswirkungen von Betreuungsmängeln, wie sie bei Deprivation oder Hospitalismus auftreten.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass biologisches Wissen über die frühen Lebensjahre zur Allgemeinbildung gehört und Schülerinnen und Schüler als potenzielle Eltern befähigen soll, verantwortungsbewusst mit Kindern umzugehen.
Die Arbeit basiert auf einer verhaltensbiologischen Analyse, die Fachliteratur (insb. B. Hassenstein) heranzieht und diese in einen pädagogisch-didaktischen Kontext für den Biologieunterricht überträgt.
Der Hauptteil gliedert sich in die biologische Einordnung der kindlichen Entwicklung, die Bedeutung der Bindungsphase, die Risiken der Fremdbetreuung (z.B. in Krippen oder Heimen) sowie die theoretischen Erklärungsmodelle für Deprivationsschäden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bindung, Deprivation, verhaltensbiologische Grundlagen, Prägung, kindliche Entwicklung und biologischer Unterricht definiert.
Er verdeutlicht, dass menschliche Neugeborene biologisch gesehen eine Sonderstellung einnehmen und über angeborene Reflexe wie den Greifreflex verfügen, die darauf hindeuten, dass der Mensch ursprünglich auf körperliche Nähe zu einer Bezugsperson angewiesen war.
Die Autorin steht der „offenen Adoption“ aus verhaltensbiologischer Sicht kritisch gegenüber, da sie das Bedürfnis des Kindes nach Sicherheit und einer klaren Zuordnung zu seinen Adoptiveltern betont, die für das Kind die „richtigen“ Eltern darstellen sollten.
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