Masterarbeit, 2013
107 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Forschungs- und Erkenntnisinteresse
1.3. Forschungsstand
1.4. Methodik
2. Kritische Infrastrukturen
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Sektoreneinteilung
2.3. Besondere Eigenschaften
2.4. Kritische Infrastrukturen als soziotechnische Systeme
3. Die menschlichen Faktoren (Human Factors)
3.1. Soziotechnische Systeme
3.2. Geschichte der Human-Factors-Forschung
3.2.1. Scientific Management
3.2.2. Soziale Systemgestaltung: die Human-Relation-Bewegung
3.2.3. Soziotechnische Systemgestaltung
3.3. Ziele und Grundlagen der Human Factors
3.4. SHELL – Konzeptionelles Human Factors Modell
3.5. Aktuelle Strömungen
4. Theorie der Hochzuverlässigkeitsorganisationen
4.1. Die fünf Merkmale der Hochzuverlässigkeitsorganisationen
4.2. Zusammenfassung
5. Sicherheitskultur in Organisationen
5.1. Sicherheit, Safety- und Security-Kultur
5.2. Sicherheitskulturkonzepte
5.2.1. Organisationskultur
5.2.2. Sicherheitskulturkonzept der INSAG
5.2.3. Kompetenzförderliche Sicherheitskultur
5.2.4. Indikatorenmodelle zur Sicherheitskultur
5.3. Messbarkeit von Sicherheitskultur
5.4. Positive Beeinflussung von Sicherheitskultur
5.5. Zusammenfassung
6. Das Organisationale Lernen
6.1. Individuelles Lernen
6.2. Organisationales Lernen
6.2.1. Adaptives Lernen (Single Loop Learning)
6.2.2. Generatives Lernen (Double Loop Learning)
6.2.3. Lernen durch doppelte Reflexion (Deutero Learning)
6.2.4. Lernen aus Betriebserfahrung
7. Fehler, Zwischenfälle und Unfälle
7.1. Bestimmung des Fehlerbegriffs
7.2. Fehler und Unfälle
7.3. Unsichere Handlungen
7.4. Zusammenhang zwischen Fehlern, Zwischenfällen, Unfällen
7.5. Ursachen menschlicher Fehler
7.5.1. „Dirty Dozen“-Modell von Dupont (1994)
7.5.2. Nicht-technische Fähigkeiten als Unfallursache
7.6. Zusammenfassung
8. Das Incident Reporting System
8.1. Ursprung des Incident Reporting System
8.2. IRS Anwendungsbereiche
8.2.1. Incident Reporting Systeme in der Luftfahrt
8.2.2. Incident Reporting Systeme in der Kernenergie
8.2.3. Incident Reporting Systeme im Gesundheitswesen
8.3. Incident Reporting Analyse
8.4. Zusammenfassung
9. Rahmenbedingungen und Grundsätze des IRS
9.1. Fehlerkultur
9.2. Grundsätze bei der Gestaltung
9.3. Charakteristika erfolgreicher IRS
9.4. Grenzen des IRS
9.5. Incident Reporting Systeme und Whistleblowing
10. Empirische Untersuchung
10.1. Zielsetzung
10.2. Auswahl der Untersuchungsmethoden
10.3. Das leitfadengestützte Experteninterview
10.3.1. Methodische Vorgehensweise
10.3.2. Aufbau und Inhalt des Interviewleitfadens
10.3.3. Vorbereitung und Durchführung des Interviews
10.3.4. Kernaussagen des Interviews
10.4. Datenbefunde zum IRS aus dem Gesundheitswesen
10.4.1. Medizinische Hochschule Hannover
10.4.2. Kantonsspital St. Gallen (Schweiz)
11. Zusammenfassende Auswertung
11.1. Sicherheit und Sicherheitskultur
11.1.1. Fehlerkultur als Voraussetzung
11.2. Charakteristika als kritische Erfolgsfaktoren
11.3. Organisationales Lernen und Sicherheitskultur
12. Schlussbetrachtung
12.1. Ergebnisse
12.2. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial von Incident Reporting Systemen (IRS) als proaktives Instrument zur Verbesserung der Sicherheitskultur und zur Förderung organisationalen Lernens innerhalb kritischer Infrastrukturen, wobei ein besonderer Fokus auf den Sektoren Luftfahrt, Kernenergie und Gesundheitswesen liegt.
3.4. SHELL – Konzeptionelles Human Factors Modell
Das vereinfachte Konzeptmodell nach Edwards in der weiterentwickelten Form von Hawkins (2008) eignet sich besonders, um die Forschungsdisziplin der Human Factors zu visualisieren und die Komponenten darzustellen, mit denen der Mensch im soziotechnischen System interagiert (Abbildung 2). Im Zentrum des Modells befindet sich das Individuum (Liveware). Dieses interagiert mit allen anderen sich aus dem Arbeitsumfeld ergebenden Komponenten.
Interaktion Software und Liveware: Unter diesem Aspekt sind die kognitiven Anforderungen an die Liveware gemeint, die aus den Arbeitsmitteln hervorgehen. Darunter zählen alle nicht physikalischen Aspekte wie Regeln, Bedienungsanleitungen, Verfahren und Symbole hinsichtlich ihrer Verständlichkeit und hinreichenden Klarheit aber auch die Gebrauchstauglichkeit von tatsächlicher Computersoftware.
Interaktion Environment und Liveware: Unter diesem Punkt ist die Interaktion des menschlichen Akteurs mit den internen und externen Umgebungsvariablen gemeint. Besonders in der Luftfahrt wurde dieser Aspekt vorangetrieben, indem beispielsweise spezielle Anzüge und Helme Schutz gegen Kälte, Lärm, Höhenluft oder auch Beschleunigungskräfte bieten.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz kritischer Infrastrukturen und führt in die Thematik der Human Factors sowie des Incident Reporting Systems (IRS) ein.
2. Kritische Infrastrukturen: Dieses Kapitel definiert kritische Infrastrukturen und betrachtet deren besondere Eigenschaften sowie ihre Abhängigkeiten als soziotechnische Systeme.
3. Die menschlichen Faktoren (Human Factors): Hier wird die interdisziplinäre Wissenschaft der Human Factors analysiert, inklusive ihrer geschichtlichen Entwicklung und verschiedener Modellansätze wie dem SHELL-Modell.
4. Theorie der Hochzuverlässigkeitsorganisationen: Das Kapitel stellt die "high reliability theory" vor und erläutert die Prinzipien der Achtsamkeit in Organisationen, die weit unter der durchschnittlichen Unfallrate operieren.
5. Sicherheitskultur in Organisationen: Diese Einheit befasst sich mit der Definition und Messbarkeit von Sicherheitskultur sowie verschiedenen Konzepten zu ihrer positiven Beeinflussung.
6. Das Organisationale Lernen: Hier werden Theorien des individuellen und organisationalen Lernens, insbesondere Single Loop und Double Loop Learning, im Kontext betrieblicher Erfahrung dargestellt.
7. Fehler, Zwischenfälle und Unfälle: Dieses Kapitel widmet sich der Fehlerforschung, der Differenzierung von Unfallursachen und der Klassifikation menschlicher Fehler.
8. Das Incident Reporting System: Hier steht die methodische Basis und der Ursprung des IRS sowie dessen Anwendungsgebiete in verschiedenen Hochrisikobranchen im Mittelpunkt.
9. Rahmenbedingungen und Grundsätze des IRS: Dieses Kapitel beschreibt die essenziellen Voraussetzungen für ein funktionierendes Berichtswesen, wie eine gelebte Fehlerkultur und notwendige Gestaltungsgrundsätze.
10. Empirische Untersuchung: Dieser Teil beschreibt die methodische Vorgehensweise sowie die Erkenntnisse aus der praktischen Anwendung des IRS im Gesundheitswesen.
11. Zusammenfassende Auswertung: Das Kapitel führt die theoretischen Erkenntnisse mit den Ergebnissen der empirischen Untersuchung zusammen und validiert den Nutzen des IRS.
12. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der zentralen Ergebnisse und einem Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der Sicherheitskultur.
Incident Reporting System, Sicherheitskultur, Human Factors, Organisationales Lernen, Kritische Infrastrukturen, Fehlerkultur, Hochzuverlässigkeitsorganisationen, Patientensicherheit, Risikoanalyse, Soziotechnische Systeme, Fehlerprävention, Berichtsmanagement, Qualitätsmanagement, Fehlermanagement, Organisationspsychologie
Die Arbeit untersucht, wie Incident Reporting Systeme (IRS) als Instrumente eingesetzt werden können, um sicherheitsrelevante Ereignisse ohne Schadenseintritt systematisch zu erfassen und daraus zu lernen, um letztlich die Sicherheitskultur in kritischen Infrastrukturen zu stärken.
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Human Factors, Theorien zu Hochzuverlässigkeitsorganisationen, Konzepte der Sicherheitskultur sowie Methoden des organisationalen Lernens und der Fehleranalyse.
Die Forschungsfrage lautet: Welchen Beitrag leistet ein Incident Reporting System zum organisationalen Lernen und zur Erhöhung der Sicherheitskultur in einer Organisation der kritischen Infrastrukturen?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus einer umfassenden Literaturrecherche in verschiedenen Disziplinen (Human Factors, Organisationsentwicklung) und einer empirischen Untersuchung in Form eines leitfadengestützten Experteninterviews mit einem Geschäftsführer einer Unternehmensberatung im Gesundheitswesen.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Exkurse zu Systemen, Fehlern und Sicherheitskultur sowie eine empirische Untersuchung, in der Datenbefunde und Expertenwissen insbesondere aus dem Gesundheitswesen analysiert werden.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Incident Reporting System, Sicherheitskultur, Human Factors, Organisationales Lernen, Fehlerkultur und kritische Infrastrukturen charakterisieren.
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine destruktive "Blame Culture" (Schuldkultur) die Nutzung von IRS behindert. Eine konstruktive Fehlerkultur, die auf Vertrauen und Sanktionsfreiheit basiert, ist die zwingende Voraussetzung für den Erfolg eines Berichtssystems.
Anonymität wird als kritischer Erfolgsfaktor eingestuft, um die Angst der Mitarbeiter vor Sanktionen zu mindern. Dennoch zeigt die Praxis, dass mit zunehmendem Vertrauen in die Organisation auch nicht-anonyme Meldungen als Indikator für eine gelebte Sicherheitskultur fungieren können.
Das "Dirty Dozen"-Modell dient der praktischen Klassifikation von menschlichen Fehlerursachen und hilft dabei, Fehlhandlungen in organisatorische, kollektive und individuelle Verantwortungsebenen einzuordnen, um gezielte Verbesserungsmaßnahmen abzuleiten.
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