Examensarbeit, 2003
108 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung – Ziel der Arbeit
2 Legasthenie – Was ist das eigentlich?
2.1 Historischer Überblick über Forschung und Begriffsverständnis
2.1.1 Somatisch-medizinischer Ansatz
2.1.2 Spezifisch-psychologischer Ansatz
2.1.3 Empirisch-pädagogischer Ansatz
2.1.4 Bildungspolitisch-administrativer Ansatz
2.1.5 Interaktional-systemischer Ansatz
2.1.6 Neurobiologisch-integrativer Ansatz
2.1.7 Linguistisch-orientierter Ansatz
2.1.8 Resümee und aktueller Stand
2.2 Ursachen der Legasthenie
2.2.1 Befunde zur Genetik
2.2.2 Befunde zur auditiven Wahrnehmung
2.2.3 Befunde zur visuellen Wahrnehmung
2.2.4 Resümee
2.3 Symptomatik der Legasthenie
2.3.1 Kategorielle Symptome der Legasthenie
2.3.1.1 Lesen
2.3.1.2 Rechtschreibung
2.3.1.3 Gesprochene Sprache
2.3.1.4 Merkfähigkeit
2.3.1.5 Motorik
2.3.1.6 Verhaltensauffälligkeiten
2.3.2 Beispielhafte Erscheinungsbilder von Legasthenikern
2.3.2.1 Fallbeispiel Peter (1. Klasse)
2.3.2.2 Fallbeispiel Tim (1. Klasse)
2.3.2.3 Fallbeispiel Felix (2. Klasse)
2.3.3 Resümee
3 Der Schriftspracherwerb und die damit verbundenen Schwierigkeiten
3.1 Was geschieht beim Lesen und Schreiben?
3.1.1 Zwei-Wege-Modell des Lesens von COLTHEART
3.1.2 Rechtschreibmodell von SIMON & SIMON
3.1.3 Resümee
3.2 Modelle des Lesen- und Schreibenlernens
3.2.1 Das 5-phasige Entwicklungsmodell von GÜNTHER
3.2.2 Modell für die Lese- und Schreibentwicklung von VALTIN
3.2.3 Erwerb des orthographischen Monitors nach MAAS
3.2.4 Resümee
3.3 Alphabetisches Prinzip als Hürde zum Erfolg
3.3.1 Entwicklung des alphabetischen Schriftsystems
3.3.2 Warum verursacht das alphabetische Prinzip Schwierigkeiten?
3.3.2.1 Phon/Phonem und Graph/Graphem
3.3.2.2 Phonem-Graphem-Korrespondenz
3.3.3 Resümee
3.4 Voraussetzungen für den Schriftspracherwerb
3.4.1 Allgemeine kognitive Fertigkeiten
3.4.2 Spezielle visuelle Fertigkeiten
3.4.3 Gedächtnisfertigkeiten
3.4.4 Sprachliche Fertigkeiten
3.4.4.1 Allgemeine sprachliche Fertigkeiten
3.4.4.2 Phonologische Informationsverarbeitung
3.4.4.2.1 Phonologische Bewusstheit
3.4.4.2.2 Phonologische Rekodierung beim Zugriff auf das semantische Lexikon
3.4.4.2.3 Phonetische Rekodierung im Arbeitsgedächtnis
3.4.5 Abhängigkeitsverhältnisse und Auswirkungen der Voraussetzungen
3.4.5.1 Leseverständnis als Kriterium
3.4.5.2 Rechtschreiben als Kriterium
3.4.6 Resümee
4 Überprüfung der phonologischen Bewusstheit
4.1 Notwendigkeit, Schwierigkeiten und Grenzen einer frühen Identifikation von Risikokindern
4.2 Bielefelder Screening-Verfahren (BISC) zur Identifikation von LRS-Risikokindern
4.2.1 Testbereiche und ihre Aufgaben
4.2.2 Durchführung und Auswertung
4.2.3 Zuverlässigkeit und Gültigkeit
4.3 Spezielle Aufgaben zur Überprüfung der phonologischen Bewusstheit
4.4 Resümee
5 Förderung phonologischer Bewusstheit im Vorschul- und Grundschulalter
5.1 Erkenntnisse der skandinavischen Forschergruppe um LUNDBERG
5.2 Trainingsprogramme von SCHNEIDER et al.
5.2.1 Grundprinzip der Fördermaßnahmen
5.2.2 Die Trainingsprogramme und ihr Einsatz
5.2.2.1 Würzburger Trainingsprogramm (WüT)
5.2.2.1.1 Gruppentraining nach dem Arbeitsbuch „Hören, lauschen, lernen“
5.2.2.1.2 Multimediaprogramme
5.2.2.2 Sprachprogramm zur Buchstaben-Laut-Verknüpfung
5.2.2.2.1 Einführungsspiele ohne Computer
5.2.2.2.2 Weiterführende Multimediaspiele
5.2.2.3 Kombiniertes Training der phonologischen Bewusstheit und der Buchstaben-Laut-Verknüpfung
5.2.3 Wissenschaftliche Überprüfung der Wirksamkeit
5.2.3.1 Erste Trainingsstudie zur phonologischen Bewusstheit
5.2.3.2 Zweite Trainingsstudie zur phonologischen Bewusstheit
5.2.3.3 Trainingsstudie zur phonologischen Verknüpfungshypothese
5.3 Fördephon: Förderkonzept in Schleswig-Holstein
5.4 Resümee
6 Abschließendes Resümee
Die vorliegende Arbeit analysiert Legasthenie schwerpunktmäßig aus einer linguistischen Perspektive. Ziel ist es, den Schriftspracherwerb theoretisch zu durchdringen, die mit diesem Prozess verbundenen kognitiven und sprachlichen Anforderungen zu identifizieren und auf dieser Basis Ursachen sowie Symptomatiken von Legasthenie als Lernverzögerung zu erörtern, um daraus Ansätze zur frühzeitigen Diagnose und präventiven Förderung abzuleiten.
3.1.1 Zwei-Wege-Modell des Lesens von COLTHEART
Unter dem Begriff „Lesen“ versteht man einen „Analyse-Synthese-Prozeß der interpretativen Umsetzung schriftlicher Zeichen(ketten) in Informationen.“45 Ein klassisches Modell, das diese Umsetzung beschreibt, ist das Zwei-Wege-Modell des Lesens von COLTHEART (1978):
Hierbei gibt es einen direkten und einen indirekten Weg, wie man von einem geschriebenen Wort zu dessen Aussprache und Bedeutung gelangen kann. Identifiziert die visuelle Analyse ein bekanntes Wort, so kann ein direkter Zugriff auf das orthographische Lexikon im Gedächtnis erfolgen. Dort sind sämtliche orthographische, semantische und phonologische Informationen, mit denen man zur Aussprache und Bedeutung des Wortes gelangt, gespeichert und sofort abrufbar. Erfahrene Leser können diesen Weg öfter einschlagen als Leseanfänger, da ihr Lexikon bereits eine gewisse Bandbreite verfügt. Leseanfängern bleibt auf Grund ihres noch gering ausgestatteten Lexikons meist nur der indirekte Weg übrig, den übrigens auch die erfahrenen Leser nutzen, wenn sie unbekannten Wörtern begegnen. Bei diesem indirekten Weg muss jeder einzelne Buchstabe (Graphem) zunächst in den entsprechenden Laut (Phonem) übersetzt werden, bevor diese Einzellaute schließlich zu einem ganzen Wort zusammengezogen werden. Nach dieser Leistung, die das Kurzzeit-Gedächtnis in Anspruch nimmt, kann der Leser das Wort aussprechen und somit seine Bedeutung entschlüsseln. Hierbei handelt es sich zunächst um einen sehr umständlichen und zeitintensiven Prozess, dessen Geschwindigkeit aber durch regelmäßiges Üben gesteigert werden kann, was insbesondere in der Grundschulzeit zu beobachten ist.
1 Einleitung – Ziel der Arbeit: Diese Einführung definiert die linguistische Herangehensweise an das Thema Legasthenie und skizziert den Aufbau der Analyse, die von historischen Begriffsdefinitionen bis hin zur modernen, an Voraussetzungen orientierten Forschung führt.
2 Legasthenie – Was ist das eigentlich?: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Wandel des Legasthenie-Begriffs durch verschiedene wissenschaftliche Disziplinen und grenzt das Störungsbild von anderen Lernproblemen ab.
3 Der Schriftspracherwerb und die damit verbundenen Schwierigkeiten: Es werden kognitive Funktionsmodelle des Lesens und Schreibens sowie verschiedene Entwicklungsstufen des Schriftspracherwerbs erläutert, wobei die zentrale Rolle der phonologischen Bewusstheit hervorgehoben wird.
4 Überprüfung der phonologischen Bewusstheit: Dieser Abschnitt beschreibt diagnostische Möglichkeiten, insbesondere das Bielefelder Screening-Verfahren, um Risikokinder frühzeitig zu identifizieren.
5 Förderung phonologischer Bewusstheit im Vorschul- und Grundschulalter: Hier werden wissenschaftlich fundierte Trainingsprogramme wie das Würzburger Trainingsprogramm und deren praktische Umsetzung in Förderkonzepten detailliert vorgestellt.
6 Abschließendes Resümee: Das Fazit fasst die linguistischen Erkenntnisse über Legasthenie zusammen und plädiert für eine verbindliche, frühzeitige präventive Förderung im Vorschulbereich.
Legasthenie, Linguistik, Phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten, Phonologische Informationsverarbeitung, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Frühdiagnose, Würzburger Trainingsprogramm, Prävention, Bielefelder Screening-Verfahren, Leseleistung, Rechtschreibleistung, Sprachwahrnehmung, Lernverzögerung.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Legasthenie aus einer linguistischen Perspektive, um die zugrunde liegenden Prozesse des Schriftspracherwerbs und deren Störungen besser zu verstehen.
Im Zentrum stehen die historische Entwicklung des Legasthenie-Begriffs, kognitive Modelle des Lese- und Schreiblernens, die Rolle der phonologischen Bewusstheit sowie Möglichkeiten der frühzeitigen Identifikation und Förderung.
Ziel ist es, die notwendigen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb zu definieren, um daraus gezielte präventive Fördermaßnahmen für Kinder mit Legasthenie-Risiko abzuleiten.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender kognitiver Informationsverarbeitungsmodelle sowie der Auswertung empirischer Studien zur Wirksamkeit phonologischer Trainingsprogramme.
Der Hauptteil analysiert, warum das alphabetische Prinzip eine Hürde darstellt, welche kognitiven Fertigkeiten für das Lesen und Schreiben unerlässlich sind und wie phonologische Defizite bereits im Vorschulalter gezielt gefördert werden können.
Wichtige Begriffe sind Legasthenie, Phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, LRS, Graphem-Phonem-Korrespondenz und Präventionsprogramme.
Das BISC dient als ein wissenschaftlich validiertes Instrument, um bereits im Vorschulalter Kinder mit einem Risiko für Lese-Rechtschreibschwierigkeiten frühzeitig zu identifizieren.
Sie gilt als entscheidende linguistische Vorläuferfertigkeit für den späteren Erfolg beim Lesen- und Schreibenlernen, da sie die Basis für die korrekte Verarbeitung von Lautstrukturen bildet.
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