Magisterarbeit, 2001
88 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
2. Die Darstellung des Platonismus der Schule von Cambridge als systematische (Re-) Konstruktion eines Denktypus
2.1 Ziel und Methode der Cassirerschen Untersuchung
2.2 Morphologisch-strukturelle und funktionale Geschichtsbetrachtung bei Cassirer
3. Der Cambridger Platonismus als eine humanistische Denktradition der Renaissance
4. Grundlegung und Verteidigung der Religion auf dem platonischen Apriori der Vernunft
4.1 Die Begründung eines modernen Begriffs der Religion auf dem Prinzip der Sittlichkeit
4.2 Die Verteidigung des Apriori der religiösen Vernunft gegenüber der empiristischen Erkenntnislehre und dem puritanischen Dogma der Gnadenwahl
4.3 Die Leistung des Cambridger Platonismus für die allgemeine Religionsgeschichte
4.3.1 Augustinus versus Pelagius: Das Problem der Freiheit im Denken des Mittelalters
4.3.2 Eros versus Erbsünde: Die Bedeutung des Platonismus für die Überwindung der Augustinischen Dogmatik im Denken des Renaissancehumanismus
4.3.3 Idealistischer versus reformistischer Freiheitsbegriff: Die Funktion des englischen Platonismus für das Problem der Freiheit
5. Die Rolle des Platonismus in der Naturphilosophie der Schule von Cambridge
6. Shaftesburys platonische Ästhetik
Diese Arbeit analysiert Ernst Cassirers Interpretation der Cambridger Platoniker des 17. Jahrhunderts unter einer systematischen Perspektive, um zu untersuchen, wie Cassirer platonische Begriffe nutzt, um den Übergang von reformatorischen zu idealistischen Freiheitskonzeptionen innerhalb der Geistesgeschichte der Moderne zu deuten.
Die Darstellung des Platonismus der Schule von Cambridge als systematische (Re-) Konstruktion eines Denktypus
Ausgangspunkt meiner Interpretation ist das Ziel und die Aufgabe, wie sie Cassirer für seine Studie über die Schule von Cambridge selbst formuliert und darin ihren systematischen Anspruch zum Ausdruck bringt.
Im vorliegenden Kapitel geht es darum, ein Vorverständnis dafür zu entwickeln, auf welche Weise die philosophische Zielsetzung und die geschichtliche Methode seiner Darstellung des englischen Platonismus ineinander greifen.
Schon aus den ersten Sätzen seiner Einleitung wird klar, unter welchem Blickwinkel Cassirer den Gegenstand der Untersuchung betrachtet: Die Cambridger Platoniker interessieren ihn im Kontext der Ausformung des modernen Denkens. Mit Metaphern wie „Bewegung“, „Wachstum“ und „Arbeit“ beschwört er den ideengeschichtlichen Prozeß der Moderne als eine quasi physikalische Dynamik, welche die „großen gedanklichen Kräfte[n]“ einer vergangenen, die geistige Kultur der Gegenwart hervorbringenden Epoche aus sich selbst heraus entfalten.
1. Einleitung: Einführung in Cassirers geistesgeschichtliche Forschungsschwerpunkte und die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit zur systematischen Interpretation der Cambridger Platoniker.
2. Die Darstellung des Platonismus der Schule von Cambridge als systematische (Re-) Konstruktion eines Denktypus: Untersuchung von Cassirers methodischem Ansatz und seinem Verständnis der "personale geschichtliche Methode" bei der Analyse von Denktraditionen.
3. Der Cambridger Platonismus als eine humanistische Denktradition der Renaissance: Analyse des Einflusses der Florentiner Akademie und der theoretischen Einbettung des Platonismus-Begriffs in den Renaissancehumanismus.
4. Grundlegung und Verteidigung der Religion auf dem platonischen Apriori der Vernunft: Erläuterung, wie die Cambridger Platoniker Sittlichkeit als Kern der Religion begründen und gegen dogmatische Strömungen verteidigen.
5. Die Rolle des Platonismus in der Naturphilosophie der Schule von Cambridge: Kritik an Cassirers Einordnung der naturphilosophischen Bemühungen der Cambridger Schule im Kontext der modernen wissenschaftlichen Revolution.
6. Shaftesburys platonische Ästhetik: Erläuterung der Wirkungsgeschichte der Cambridger Schule durch Shaftesbury und die Entwicklung einer Ästhetik basierend auf platonischen Grundmotiven.
Ernst Cassirer, Cambridger Platoniker, Platonismus, Renaissancehumanismus, Religionsphilosophie, Freiheit, Autonomie, praktische Vernunft, Erkenntnistheorie, Geistesgeschichte, Sittlichkeit, Shaftesbury, Ästhetik, Funktionalismus, Ideengeschichte
Die Arbeit untersucht Ernst Cassirers Studie „Die Platonische Renaissance in England und die Schule von Cambridge“ von 1932 und analysiert, wie Cassirer das philosophische Denken dieser Gruppe systematisch interpretiert.
Die zentralen Felder sind die Religionsphilosophie, die Naturphilosophie sowie das ästhetische Denken unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses platonischer Konzepte im 17. Jahrhundert.
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Cassirers Vorstellung von der ideengeschichtlichen Rolle des Platonismus und seiner eigenen Kulturphilosophie freizulegen, in deren Mittelpunkt die Idee der menschlichen Freiheit steht.
Die Arbeit folgt einem interpretativ-systematischen Ansatz, der Cassirers „personale geschichtliche Methode“ reflektiert und anhand einer detaillierten Erschließung des Textes die Zusammenhänge aufzeigt.
Der Hauptteil analysiert die Verteidigung der Religion gegen Empirismus und Puritanismus, die Rolle der Vernunft bei der Sinnstiftung und die Aufnahme des Platonismus in der Ästhetik von Shaftesbury.
Die wichtigsten Begriffe sind das platonische Apriori, die praktische Vernunft, die funktionale Geschichtsbetrachtung, Freiheit, Autonomie und das interesselose Wohlgefallen.
Cassirer bewertet sie als „hoffnungslos vormodern“ und unzureichend gegenüber den neuen physikalischen Anforderungen der Zeit, da die Platoniker ontologische anstatt erkenntnistheoretische Wege wählten.
Shaftesbury dient als Brücke, der die Grundüberzeugungen der Schule bewahrt und durch die Entwicklung einer Ästhetik des „interesselosen Wohlgefallens“ für die Aufklärung fruchtbar macht.
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