Bachelorarbeit, 2013
45 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Physiognomik
2.1 Antike Physiognomik
2.2 Die Tradierung antiker Physiognomiken ins Mittelalter
3. Konrad von Mengenberg und das Buch der Natur
4. Formale und inhaltliche Analyse „von den zaichen der natürlicheen siten“
4.1 Übersetzung ausgewählter physiognomischer Charakterportraits
4.2 Der Autoritätenverweis als Legitimationsmethode
4.3 Methodische Verfahren und Begründungszusammenhänge
4.3.1 Humoralpathologische Primärqualitäten als Bindeglied zwischen Affekt und Merkmal
4.3.2 Geschlechter-Differenzierung
4.3.3 Tieranomalien
4.4 Das zugrundeliegende Idealbild
4.4.1 rehte mâze – ästhetisches und ethisches Maß
4.4.2 Der physiognomische Idealtypus des ‚schönen Guten und guten Schönen‘
5. Die Rolle der Physiognomik in der höfischen Gesellschaft des Mittelalters
6. Resümee und Ausblick
Diese Arbeit analysiert die physiognomischen Ausführungen im „Buch der Natur“ von Konrad von Mengenberg, um die mittelalterliche Praxis der Charakterdeutung sowie deren zugrundeliegende methodische Verfahren und moralische Idealbilder zu ergründen.
4.1 Übersetzung ausgewählter physiognomischer Charakterportraits
(a) Der Kühne
Derjenige ist kühn, der kräftiges und hartes Haar hat und eine aufrechte Körperhaltung und kräftige Beine und dessen Hände und Füße und die Brust und der Bauch und die Achseln stark sind sowie der Hals stark und groß und nicht zu fleischig. Ebenso ist auch der Mensch kühn, der einen beweglichen Brustkorb hat mit großem Bewegungsspielraum und dessen Lenden klein sind und dessen Waden sich nach unten senken und dessen Haut und Fleisch eher trocken sind und dem die Adern auf der Stirn durchscheinen und dessen Stirn weder gerunzelt ist noch vollkommen glatt. Es sind auch die kühn, die nicht zu viel und nicht zu wenig Fleisch haben, die einen aufrechten Körper haben und deren Glieder knotig und deren Finger stark sind, deren Bauch und die Lenden klein oder gänzlich unscheinbar und die viel Platz zwischen den Schultern haben und deren Augenbrauen gerade sind und deren Stirn nicht gerunzelt ist und die zudem zornig sind und deren Zorn lange anhält und die auf ihrer Brust und auf ihren Achseln rau sind.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Relevanz der Physiognomik ein und definiert den Untersuchungsgegenstand, Konrad von Mungenbergs „Buch der Natur“.
2. Physiognomik: Das Kapitel definiert den Begriff der Physiognomik und unterscheidet zwischen der deskriptiven und der mantischen Vorgehensweise.
2.1 Antike Physiognomik: Hier werden die antiken Ursprünge der Lehre sowie die Bedeutung der Viersäftelehre und Humoralpathologie dargelegt.
2.2 Die Tradierung antiker Physiognomiken ins Mittelalter: Dieses Kapitel behandelt die Rezeption der antiken Quellen durch arabische und lateinische Gelehrte sowie die mittelalterliche Adaption.
3. Konrad von Mengenberg und das Buch der Natur: Vorstellung des Autors und seines Werkes als populärwissenschaftliche Enzyklopädie im 14. Jahrhundert.
4. Formale und inhaltliche Analyse „von den zaichen der natürlicheen siten“: Detaillierte Untersuchung der physiognomischen Aussagen Mengenbergs und ihrer methodischen Struktur.
4.1 Übersetzung ausgewählter physiognomischer Charakterportraits: Wiedergabe und Analyse spezifischer Charakterbeschreibungen aus dem Originalwerk.
4.2 Der Autoritätenverweis als Legitimationsmethode: Analyse der Rolle von Quellenverweisen wie „Rasis“ zur inhaltlichen Beglaubigung der physiognomischen Thesen.
4.3 Methodische Verfahren und Begründungszusammenhänge: Untersuchung der internen Logik, nach der körperliche Merkmale bestimmten Charakteren zugewiesen werden.
4.3.1 Humoralpathologische Primärqualitäten als Bindeglied zwischen Affekt und Merkmal: Erklärung der Verbindung zwischen den Elementen (warm/kalt/trocken/feucht) und menschlichen Temperamenten.
4.3.2 Geschlechter-Differenzierung: Analyse der Zuordnung von Merkmalen basierend auf Geschlechterrollen und der moralischen Bewertung des Weiblichen.
4.3.3 Tieranomalien: Untersuchung der Verwendung von Tiervergleichen zur Identifizierung menschlicher Charakterzüge im kulturellen Kontext.
4.4 Das zugrundeliegende Idealbild: Darstellung des moralischen Rahmens, innerhalb dessen die Charakterportraits bewertet werden.
4.4.1 rehte mâze – ästhetisches und ethisches Maß: Erläuterung des mittelalterlichen Konzepts des rechten Maßes als erstrebenswerter Mitte.
4.4.2 Der physiognomische Idealtypus des ‚schönen Guten und guten Schönen‘: Zusammenfassung der physiognomischen Idealtypen als Einheit von innerer Güte und äußerer Form.
5. Die Rolle der Physiognomik in der höfischen Gesellschaft des Mittelalters: Analyse der gesellschaftlichen Funktion physiognomischen Wissens zur Kommunikation und Selbstdarstellung am Hof.
6. Resümee und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und ein Ausblick auf die Gefahren physiognomischer Klassifizierung in der Moderne.
Physiognomik, Konrad von Mengenberg, Buch der Natur, Mittelalter, Humoralpathologie, Charakterportraits, Viersäftelehre, rehte mâze, Idealtypus, Körperlichkeit, Geschlechter-Differenzierung, höfische Gesellschaft, Legitimationsmethode, antike Tradition, Körperzeichen.
Die Bachelorarbeit untersucht, wie im mittelalterlichen Werk „Buch der Natur“ von Konrad von Mengenberg Menschen anhand ihrer äußeren Erscheinungsmerkmale charakterlich eingeschätzt wurden.
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung der Physiognomik, die methodische Einbettung in die Humoralpathologie sowie die soziokulturelle Bedeutung dieses Wissens für die höfische Gesellschaft des 14. Jahrhunderts.
Es wird analysiert, welche methodischen Verfahren Mengenberg nutzte, um physiognomische Deutungen zu begründen und welches Menschenbild bzw. Idealbild (rehte mâze) diesen Beschreibungen zugrunde liegt.
Die Arbeit stützt sich auf eine formale und inhaltliche Analyse der Quellentexte aus dem „Buch der Natur“ unter Einbeziehung relevanter fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur mittelalterlichen Literaturgeschichte.
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Analyse der Charakterportraits, die Untersuchung der Legitimationsstrategien durch Autoritäten und die Analyse des moralischen Idealbildes des „schönen Guten“.
Zentrale Begriffe sind Physiognomik, Humoralpathologie, rehte mâze, Charakterportraits, mittelalterliche Anthropologie und die höfische Gesellschaft.
Das „rehte mâze“ wird als ethisches und ästhetisches Ideal verstanden, das Extreme vermeidet und sowohl körperliche als auch moralische Harmonie als erstrebenswerte Mitte definiert.
Die Humoralpathologie dient als naturwissenschaftliche Grundlage, um Zusammenhänge zwischen den vier Körpersäften, den Affekten und den sichtbaren körperlichen Merkmalen logisch zu verknüpfen.
Die Autorin schließt, dass die Physiognomik im Mittelalter vor allem dazu diente, Eindeutigkeit in einem sozialen Kontext zu schaffen, in dem man auf die Deutung von sichtbaren Zeichen angewiesen war, um den Charakter des Gegenübers einschätzen zu können.
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