Magisterarbeit, 2003
143 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Konzeptuelle Rahmung des Forschungsgegenstands
2.1 Demokratietheoretische Überlegungen in Bezug auf die Transformationsforschung
2.1.1 Frühere Ansätze: Modernisierungs- und Dependenztheorien
2.1.2 Gegenwärtigen Ansätze in der Entwicklungssoziologie und der Transformationsforschung
2.2 Zur Bedeutung von ‚Demokratie’ im afrikanischen Kontext
2.2.1 Demokratisierungswelle Afrikas: Ein Resultat des endenden Ost-West Antagonismus
2.2.2 Ein neuerlicher ‚Afro-Pessimismus’: Demokratisierung der Machtlosigkeit
2.3 Verschiedene Ansätze der Transformationsforschung
2.3.1 Nie endender Antagonismus? Die zwei Soziologien: Systemtheorie vs. Akteurtheorie
2.3.2 Systemtheoretische Überlegen
2.3.3 Akteurtheoretische Überlegungen
2.3.4 Zur Kritik an systemtheoretischen und akteurtheoretischen Ansätzen
2.4 Weiterführende Überlegungen zu Akteurkonstellationen
2.4.1 Zu den Überlegen von Norbert Elias’ Spielmodellen
2.4.2 Akteur-Struktur-Dynamiken von Uwe Schimank
3. Eine akteurtheoretische Herangehensweise: Das Konzept der strategischen Gruppen
3.1 Von der Gruppe zur ‚strategischen Gruppe’
3.2 Die Gruppe – eine Figuration
3.2 Der Bielefelder Ansatz: Ein Elitenkonzept
3.3 Zur Charakteristik strategischer Gruppen
3.4 Zu den Grundlagen des Bielefelder Ansatzes: Strategie und strategisches Handeln
3.5 Zur Kritik am Konzept der ‚strategischen Gruppen’
3.6 Kategorie der ‚Konfliktfähigkeit’ als Grundlage des SKOG-Konzepts
3.7 Verschiedene strategische Gruppen und ihre Appropriationsmöglichkeiten
3.7.1 Persönliche Aneignungsweise
3.7.2 Kollektive Aneignungsweise
3.7.3 Korporative Aneignungsweise
4. Der Staat Namibia
4.1 Zur Entstehung des Namibia-Konflikts
4.2 Gegenüberstellung verschiedener Konfliktlösungsvorschläge
4.2.1 Südafrikas ‚interne Lösung I: Turnhalle’ vs. ‚westliche Kontaktgruppe’
4.2.2 UN-Resolution 435 und das Scheitern der ‚westlichen Kontaktgruppe’
4.2.3 Südafrikas ‚Totale Nationale Strategie’
4.2.4 Zum US-amerikanischen ‚constructive engagement’ und ‚cuban linkage’
4.2.5 Der Durchbruch zu Verhandlungen
4.3 Die Transition vom autoritären zum demokratischen System
4.3.1 Modell eines idealtypischen Transitionsverlaufs
4.3.2 Namibia – kein idealtypischer Transitionsverlauf
4.4 Zur gegenwärtigen Entwicklung der Demokratie in Namibia
5. Namibia als Untersuchungsgegenstand des strategischen Gruppen-Konzepts
5.1 Die SWAPO: Ausgangspunkt des Entstehens einer politischen Elite
5.2 Faktoren für die herausragende Position der ‚strategischen Elite’
5.3 Weitere strategische Gruppen in Namibia
5.3.1 Staatsbeamte
5.3.2 Das Militär
5.3.3 Wirtschaftliche Unternehmer
5.3.4 Die Rolle der Professionals
5.3.5 Traditionelle Führungsstrukturen
5.3.5 Religiöse Spezialisten in Namibia
5.4 Handlungsmuster strategischer Gruppen
5.4.1 ‚Politisierte Ethnizität’ im Kolonialstaat und im heutigen Namibia
5.4.2 Neopatrimonialismus
5.4.3 Klientelismus und Patronagebeziehungen
6. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, die postkoloniale Entwicklung Namibias unter Anwendung des theoretischen Konzepts der "strategischen Gruppen" zu analysieren. Dabei wird untersucht, wie politische Eliten und andere Akteursgruppen nach der Unabhängigkeit ihre Machtpositionen sicherten und welche Mechanismen der Interessenwahrung (wie Klientelismus und Patronage) das politische System prägen.
Die Rolle der Professionals
Professionals bilden wichtige strategisch handelnde Akteure im postkolonialen Namibia. Hierbei muss man zwischen kooptierten und freien Professionals unterscheiden. Beide verfügen über Information und Wissen in ihrem Sachgebiet. Je nach ihrer Interessenausrichtung und Koalitionseinbindung streben sie es an, die eigene (identische Person eines Entwicklungsmaklers als traditioneller Führer) als auch die Herrschaft der gegenwärtigen politischen Elite entweder zu legitimieren und zur Effektivierung von Staatsfunktionen beizutragen, oder aber die Delegitimierung anderer strategischer Gruppen, z.B. der politischen Elite, im Ausland zu intensivieren und den Aufbau und die Führung von oppositionellen Organisationen voranzutreiben.
Ich möchte mich in diesem Abschnitt vorrangig auf Entwicklungsexperten beziehen, die der Gruppe der Professionals zugerechnet werden. Sie können aufgrund ihrer Verfügungsgewalt über Informationen und Wissen als eine strategische Gruppe, und zwar auf nationaler wie auch internationaler Ebene, betrachtet werden274. Sie entwickeln in „gegenseitiger Abstimmung Strategien, nach denen die Einflussmöglichkeiten auf den Entwicklungsprozess optimiert werden“ (Evers 2001:171). Für Evers ist die Strukturanpassungspolitik der Weltbank, auf die sich auch andere Organisationen verständigt haben, nicht nur ein sinnvolles Instrument weltmarktorientierter Entwicklungspolitik, sondern auch als Strategie einer internationalen Expertengruppe, ihr Expertenwissen als allgemein gültig durchzusetzen und sich damit auch langfristig unentbehrlich zu machen, zu bewerten.
Strategische Ressourcen, nach deren Aneignung strategische Gruppen trachten, können äußerst vielfältig sein. In vielen Entwicklungsländern scheint der Zugang zu ausländischen Entwicklungsinstitutionen und der von ihnen bereitgestellten Mittel eine hervorragende Bedeutung als strategische Ressource eingenommen zu haben. Welche Personenkreise als counterparts, als Verwalter, Verteiler oder Nutznießer der Entwicklungsgelder gelten dürfen, wird häufig hart umkämpft und die Sieger in dieser Konkurrenzsituation werden oft nicht von den Geberländern, sondern von der Positionierung der konkurrierenden strategischen Gruppen bestimmt.
1. Einleitung: Zusammenfassung der theoretischen Herangehensweise und Begründung der Relevanz der Transformations- und Entwicklungsforschung im afrikanischen Kontext.
2. Konzeptuelle Rahmung des Forschungsgegenstands: Diskussion der theoretischen Grundlagen (Modernisierungstheorie, Dependenztheorie) und Abgrenzung verschiedener Transformationsmodelle.
3. Eine akteurtheoretische Herangehensweise: Das Konzept der strategischen Gruppen: Detaillierte Einführung in das Konzept der strategischen Gruppen, dessen Kritiken sowie Erweiterungen durch das SKOG-Konzept.
4. Der Staat Namibia: Historische Aufarbeitung des Konflikts und Analyse des Transitionsverlaufs von der Kolonialherrschaft zur demokratischen Unabhängigkeit.
5. Namibia als Untersuchungsgegenstand des strategischen Gruppen-Konzepts: Konkrete Anwendung des Konzepts auf die namibische Elite (SWAPO) sowie weitere Gruppen unter Berücksichtigung von Patronage und Klientelismus.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur postkolonialen Entwicklung Namibias und Ausblick auf die Rolle strategischer Gruppen in Demokratien.
Namibia, Strategische Gruppen, Transformation, Postkolonialismus, SWAPO, Demokratisierung, Elitenansatz, Neopatrimonialismus, Klientelismus, Patronage, Ethnizität, Entwicklungshilfe, Staat, Politische Macht, Transition
Die Arbeit untersucht die postkoloniale Entwicklung Namibias unter Anwendung eines akteurtheoretischen Ansatzes, speziell des Konzepts der „strategischen Gruppen“.
Im Zentrum stehen der Transformationsprozess vom autoritären Kolonialstaat zur Demokratie, die Rolle der politischen Elite (SWAPO) sowie die Mechanismen der Machtausübung durch klientelistische Netzwerke.
Das Ziel ist es, das Handeln der Akteure in Namibia zu analysieren, um zu erklären, wie diese ihre Positionen sichern und warum sich die Demokratie trotz der formalen Verfassung in einer schwierigen Lage befindet.
Der Autor nutzt eine akteurtheoretische Herangehensweise und stützt sich dabei auf den "Bielefelder Ansatz" der Entwicklungssoziologie sowie auf Konzepte der Transitionsforschung.
Der Hauptteil analysiert die historische Entstehung Namibias, die theoretischen Grundlagen des Konzepts strategischer Gruppen und wendet diese schließlich auf spezifische Gruppen wie das Militär, Staatsbeamte und religiöse Akteure an.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Namibia, Strategische Gruppen, SWAPO, Demokratisierung, Patronage, Klientelismus und Neopatrimonialismus.
Die SWAPO als Befreiungsbewegung hat nach der Unabhängigkeit sämtliche wichtigen Staatsämter besetzt und damit die "strategische Allianz" geformt, die bis heute das politische System dominiert.
Der Autor nutzt das Konzept der Entwicklungsmakler, um zu erklären, wie bestimmte Akteure durch ihr Wissen über ausländische Hilfsgelder eine strategische Ressource kontrollieren und so ihre eigene politische Rolle stärken.
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