Diplomarbeit, 2003
94 Seiten, Note: 1
1 DAS ARBEITSFELD DER BERUFS- UND KARRIEREBERATUNG
1.1 QUANTITATIVE BEDARFSENTWICKLUNG
1.2 MÖGLICHKEITEN DER TECHNISCHEN UNTERSTÜTZUNG
2 ANSPRÜCHE AN DIE QUALITÄT VON BERATUNG
2.1 HERAUSFORDERUNG DURCH DIE DIN 33430
2.2 FORDERUNGEN NACH „LOGISCHER“ DIAGNOSTIK
3 EIN ANWENDUNGSBEISPIEL
3.1 VERSUCH EINER INTERNETGESTÜTZTEN KARRIEREBERATUNG
3.2 STRUKTUR DER RÜCKMELDUNG
3.2.1 ERGEBNISRÜCKMELDUNG FÜR SCHÜLER
3.2.2 ERGEBNISRÜCKMELDUNG FÜR JUNGE BERUFSTÄTIGE UND STUDENTEN
3.3 ENTWICKLUNG EINES GUTACHTENERSTELLUNGSPROGRAMMS
3.3.1 ERSTELLUNG DES SCHÜLERGUTACHTENS
3.3.2 ERSTELLUNG DER GUTACHTENS FÜR JUNGE BERUFSTÄTIGE UND STUDENTEN
4 DIE ROLLE VON EXPERTENWISSEN BEI BERATUNGSTÄTIGKEITEN
4.1 ENTSTEHUNG VON EXPERTENWISSEN
4.1.1 BEDEUTUNG DES ALLTAGSWISSENS FÜR DIE BERATUNG
4.1.2 BERATUNG AUF BASIS VON FACHWISSEN
4.1.3 LERNEN AN VORHANDENEN MODELLEN
4.1.4 BERATUNG AUF BASIS EIGENER ERFAHRUNGEN
4.2 EXPLIKATION VON ENTSCHEIDUNGSREGELN
4.2.1 WISSENSAKQUISITION MITTELS INTERVIEWTECHNIKEN
4.2.2 WISSENSERHEBUNG DURCH BEOBACHTUNG DES EXPERTEN
4.2.3 WISSENSAKQUISITION DURCH INDIREKTE ERHEBUNGSMETHODEN
5 STATISTISCHE METHODEN ZUR OPTIMIERUNG & GEWINNUNG ENTSCHEIDUNGSRELEVANTER WISSENSSTRUKTUREN
5.1 VERFAHREN
5.1.1 DISKRIMINANZANALYSE
5.1.2 ERSTELLEN VON ENTSCHEIDUNGSBÄUMEN MIT ANSWER TREE
5.2 STICHPROBE UND WAHL DES KRITERIUMS
5.3 PRÄDIKTOREN
5.4 ERGEBNISSE DER DISKRIMINANZANALYSE
5.4.1 FÜHRUNGSKRÄFTE:
5.4.2 SPEZIALISTEN
5.4.3 SELBSTÄNDIGE / FREIBERUFLER
5.4.4 TÄTIGKEIT IM VERTRIEB
5.5 ENTWICKLUNG VON ENTSCHEIDUNGSMODELLEN MIT C&RT
5.5.1 FÜHRUNGSPOSITION
5.5.2 SPEZIALISTEN
5.5.3 SELBSTÄNDIG/ FREIBERUFLICH
5.5.4 VERTRIEBLER
5.6 VALIDITÄTSABSCHÄTZUNG DER ANSWER TREE BÄUME MIT HILFE VON TAYLOR & RUSSEL TAFELN
6 DISKUSSION
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten, internetgestützte Karriereberatung durch die Systematisierung und statistische Auswertung von Expertenwissen zu optimieren. Das primäre Ziel besteht darin, Entscheidungsprozesse für Berufs- und Laufbahnentscheidungen objektivierbarer und effizienter zu gestalten, indem implizites Expertenwissen expliziert und in computerunterstützte Entscheidungshilfeprogramme integriert wird.
1.1 Quantitative Bedarfsentwicklung
Der grundlegende Charakter von Berufs- und Laufbahnentscheidungen hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entscheidend verändert. Die zunehmende Durchlässigkeit und Flexibilisierung von Ausbildungsgängen im Rahmen des Schulwesens vermindern in hohem Maße die Endgültigkeit einzelner Entscheidungen. Auch ein häufiges Wechseln von Schulformen, Ausbildungsgängen, Studienrichtungen und Arbeitsplätzen ist heutzutage eher üblich als ungewöhnlich. Die Berufswahl erhält somit den Charakter einer Kette von aufeinanderfolgenden Entscheidungen. wobei jede Einzelentscheidung aufgrund der recht hohen Korrigierbarkeit an Bedeutung verliert. Doch auch wenn die Entscheidung für einen bestimmten Lebensweg nicht unwiderruflich ist, steht der Betroffene in solchen Momenten den zahlreichen Möglichkeiten oft hilflos gegenüber. Eine berufswahlbezogene Beratung kann durch das Sammeln der für den Entscheidungsprozeß relevanten Informationen helfen, diese Unsicherheit zu reduzieren (Eckardt, 1977). Aus den Gesprächen mit den erfahrenen Beratern gewinnt der Klient ein Bild seiner Persönlichkeit und lernt, mit seinen Stärken und Schwächen umzugehen (Fischer & Weimann, 1999). Die Anzahl fachlich qualifizierter Berater, die diesen Prozess unterstützen können und die Entscheidung für einen Lebensweg somit auf eine fundierte Basis stellen, ist dabei jedoch erstaunlich gering.
Am Beispiel der berufswahlunterstützenden Diagnostik zeigen Wottawa und Hossiep (1997) den enormen Bedarf an qualifizierter psychologischer Beratung auf. Wenn jeder Mensch im Alter zwischen 15 und 45 Jahren nur zweimal vor einer beruflichen Neuorientierung stünde, wären das in Deutschland allein 2,2 Millionen Entscheidungen pro Jahr. Einem konservativ kalkuliertem Bedarf von 4000 Psychologen stehen jedoch nur etwa 420 bei der Bundesanstalt für Arbeit beschäftigte Psychologen gegenüber. Aktuelle Statistiken des Arbeitsamtes weisen z.Zt. ca. 230 000 Beratungsfälle bei 425 beschäftigten Psychologen pro Jahr aus (BA,2002). Dabei machen die Ratsuchenden bis 25 Jahre einen Anteil von 72% der Fälle aus.
1 DAS ARBEITSFELD DER BERUFS- UND KARRIEREBERATUNG: Dieses Kapitel thematisiert die steigende Bedeutung qualitativer Karriereberatung angesichts sich wandelnder Laufbahnstrukturen und eines mangelnden Angebots an professioneller Unterstützung.
2 ANSPRÜCHE AN DIE QUALITÄT VON BERATUNG: Hier werden Qualitätsstandards wie die DIN 33430 und normative Modelle diagnostischer Urteilsbildung erläutert, die eine formalisierte Entscheidungsfindung fordern.
3 EIN ANWENDUNGSBEISPIEL: Dieses Kapitel stellt ein konkretes Projekt zur Entwicklung eines internetgestützten Beratungssystems für Schüler und Berufstätige vor.
4 DIE ROLLE VON EXPERTENWISSEN BEI BERATUNGSTÄTIGKEITEN: Hier wird untersucht, wie Expertenwissen entsteht, welche Probleme implizites Wissen birgt und wie man dieses Wissen explizieren kann.
5 STATISTISCHE METHODEN ZUR OPTIMIERUNG & GEWINNUNG ENTSCHEIDUNGSRELEVANTER WISSENSSTRUKTUREN: Dieses Kapitel erprobt Diskriminanzanalysen und Entscheidungsbäume (C&RT), um Daten aus Beratungssystemen strukturiert auszuwerten.
6 DISKUSSION: Die Ergebnisse der statistischen Verfahren werden kritisch gegenübergestellt und bewertet, wobei die Eignung der Methoden für die Praxis der Karriereberatung im Vordergrund steht.
Karriereberatung, Eignungsdiagnostik, Expertenwissen, Explikation, Internetgestützte Diagnostik, DIN 33430, Diskriminanzanalyse, C&RT Algorithmus, Entscheidungsbäume, Laufbahnentscheidung, Berufsberatung, Wissensakquisition, Validität, Taylor & Russell Tafeln, Beratungsqualität
Die Arbeit untersucht Möglichkeiten, die Qualität und Effizienz internetgestützter Karriereberatung zu steigern, indem menschliches Expertenwissen mittels statistischer Analysemethoden formalisiert und systematisierbar gemacht wird.
Die zentralen Felder umfassen die Eignungsdiagnostik unter Berücksichtigung von Qualitätsnormen, die Erhebung und Explikation von Expertenwissen sowie die statistische Modellierung von Karriereentscheidungsprozessen.
Ziel ist es, ein System zu entwickeln, das trotz knapper personeller Ressourcen eine fundierte, fachpsychologische Beratung ermöglicht, indem es automatisch Empfehlungen auf Basis von Persönlichkeits- und Leistungsprofilen generiert.
Zur Analyse der Daten werden primär die Diskriminanzanalyse und der C&RT-Algorithmus zur Erstellung von Entscheidungsbäumen eingesetzt, ergänzt durch Verfahren zur Wissensakquisition wie das laute Denken oder die Heidelberger Strukturlegetechnik.
Der Hauptteil analysiert, wie Experten zu Urteilen gelangen, dokumentiert die technische Umsetzung eines Gutachtenerstellungsprogramms und vergleicht die statistische Leistungsfähigkeit verschiedener Entscheidungsmodelle.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Karriereberatung, Eignungsdiagnostik, Expertenwissen, Diskriminanzanalyse, Entscheidungsbäume und Qualitätssicherung in der Psychologie charakterisieren.
Die DIN 33430 fungiert als Prozessnorm, die verbindliche Kriterien für die psychologische Diagnostik vorgibt und damit die Notwendigkeit unterstreicht, Entscheidungsregeln zu explizieren und dokumentierbar zu machen.
Durch den Einsatz statistischer Verfahren wie der C&RT-Analyse werden Entscheidungsregeln expliziert, wodurch sie für Außenstehende nachvollziehbar, evaluierbar und objektiv prüfbar werden.
Da unterschiedliche Zielgruppen differierende Anforderungen und Bedarfe haben, wurden für beide Gruppen maßgeschneiderte Testverfahren entwickelt, die spezifische Dimensionen und interessenbasierte Entscheidungshilfen beinhalten.
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