Diplomarbeit, 2008
88 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 „Reality TV“ in einer liberalen Gesellschaft
2.1 Die Begrifflichkeiten eines „jungen“ Fernsehgenres
2.1.1 Richtungsweisende Gedanken zur Funktion und Bedeutung des „Reality TV“
2.2 Die Entgrenzung von Öffentlichkeit und Privatheit durch das „Reality TV“
2.3 Das tragende Thema der „Talk Shows“
2.3.1 „Daily Talk“ als moralischer Diskurs
2.3.2 „Suffering“ und „Change“ als grundlegende Thematik der „Talk Shows“
2.4 Beziehungsshows und die öffentliche Darstellung von „Liebe“
2.4.1 Die mediale Darstellung von „Glück“
2.5 „Big Brother“ und die Darstellung von Alltäglichkeit
3 Der wissenschaftliche Diskurs der „Casting Shows“
3.1 Forschungsrelevante Anmerkungen zu den „Casting Shows“
3.2 „Casting Shows“ als Spiegel der Leistungsgesellschaft
3.3 Identifikationsangebote der „Casting Shows“ für die Rezipienten
3.4 Weitere Aspekte der „Casting Shows“
4 Forschungsdesign und Methode der Datenerhebung
4.1 Forschungsinteresse und Forschungsfrage
4.2 Qualitativer Forschungsansatz: Grounded Theory
4.2.1 Der methodische Ansatz
4.2.2 Die Adäquatheit der Grounded Theory für den Forschungsgegenstand
4.3 Die methodische Forschungsarbeit
4.3.1 Die Kernkategorien der Bewertungsszenen der „Casting Shows“
5 Die mediale Darstellung von Kritik innerhalb der „Casting Shows“
5.1 Differenzierte Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes „Casting Show“
5.2 Die Ausübung von Kritik als asymmetrische Interaktionsordnung
5.2.1 Die Disziplinierung der Körper zur Aufnahme der Kritik
5.2.2 Musik anstelle sprachlicher Reaktionen auf Kritik
5.2.3 Die Ausformung eines asymmetrischen Beziehungsgeflechts
5.3 Die Charakterisierung der sprachlichen Form der Kritik
5.4 Die performative Konstruktion von Person und Persönlichkeit
6 Diskussion: Kritik als Instrument eines Wandlungsprozesses
6.1 Wandlungsprozess ohne Steuerungsmöglichkeit durch das Selbst
6.2 Die Kritik ist der Wandel
6.3 Die Akzeptanz der Asymmetrie
6.4 Der Lerneffekt für das kommunikative Handeln in Kritiksituationen
7 Fazit: Unproblematische Form der Kritik
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die mediale Konstruktion von Kritik in „Casting Shows“ zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit diese für das kommunikative Alltagshandeln der Rezipienten relevant ist. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, welches prägende Element (Kritik) innerhalb dieser Formate sichtbar wird und welche Handlungsorientierungen dadurch für den Alltag generiert werden.
5.2.1 Die Disziplinierung der Körper zur Aufnahme der Kritik
Die Herstellung der hier vorliegenden asymmetrischen Interaktionsordnung verläuft hauptsächlich über die Körper der an der Kritiksituation teilnehmenden Akteure. Die Körper werden dabei für die Bewertung der Auftritte der Kandidaten in eine disziplinierende Position geführt, die für die Aufnahme von Kritik bestimmt ist. Die verschiedenen Aspekte dieses für die „Casting Shows“ typischen Aufbaus einer Kritiksituation sollen anhand folgender szenischer Ausschnitte eingehend verdeutlicht werden.
Beispiel 1: Beurteilung der 5. Kandidatin: (Kandidatin tritt nach dem Auftritt vor das Jurypult.) „BL: Monika. (Längere Pause.) Auch hier ganz kurz. Am Anfang, zur Technik, perfekt gesungen, keine Frage. (Kandidatin nickt mit ernstem Gesichtsausdruck.) Perfekt gesungen. Ahm. Aber jetzt mal ganz ehrlich, findest du nicht, dass du allmählich jetzt mal wirklich deine (betont „deine Identität“) Identität finden musst, dein Ding (betont „dein Ding“) machen musst, deine Interpretation (betont „deine Interpretation“) von den Songs bringen musst, (Kandidatin schaut BL aufmerksam an, wirkt nicht angespannt.) weil ich hab wirklich, also ich muss da auch wieder Dieter’s Kritik von letztem Mal Recht geben, des is wirklich, ahm, wenn da Ireen Cara gesungen wird, dann wird da Ireen Cara imitiert. Und wenn dann irgendwie der Schnuffelhase, dann machst du den Schnuffelhasen nach. Ich finde du hast gar nicht versucht, du hast gar nicht versucht Ivonne Catterfeld nachzumachen, (Buhrufe aus dem Publikum.) (Kandidatin schaut zweifelnd und ernst. Bedeutet dem Publikum ruhig zu sein.) und ich finde, ich finde, darf ich mal ganz kurz ausreden, danke schön. Ich finde, dass du ne doppelt so gute Stimme hast, wie Yvonne Catterfeld, und das solltest du einfach ausreizen, (Unterstützt Aussage mit einer Geste.) und dass du das einfach richtig machst. (Publikum jubelt.) Ich hätte an deiner Stelle den Song für mich interpretiert und nicht einfach nur nachgesungen. Aber wie gesagt, technisch super perfekt, keine Frage.“
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der „Casting Shows“ als populäres Fernsehphänomen und Darlegung der Forschungsabsicht.
2 „Reality TV“ in einer liberalen Gesellschaft: Theoretische Einordnung des Reality TV und seiner Unterkategorien sowie Erläuterung der Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatheit.
3 Der wissenschaftliche Diskurs der „Casting Shows“: Überblick über bestehende Forschungsperspektiven, insbesondere zum Leistungsprinzip und zu Identifikationsangeboten.
4 Forschungsdesign und Methode der Datenerhebung: Detaillierte Beschreibung der methodischen Anwendung der Grounded Theory zur Analyse von Bewertungsszenen.
5 Die mediale Darstellung von Kritik innerhalb der „Casting Shows“: Empirische Darstellung der Interaktionsordnungen, der sprachlichen Form der Kritik und der performativen Konstruktion authentischer Personen.
6 Diskussion: Kritik als Instrument eines Wandlungsprozesses: Synthese der empirischen Ergebnisse zur Funktion der Kritik als nicht selbst steuerbarer Wandlungsprozess.
7 Fazit: Unproblematische Form der Kritik: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Casting Shows, Reality TV, Grounded Theory, Kritik, Leistungsprinzip, Authentizität, Interaktionsordnung, Körperdisziplinierung, Mediale Darstellung, Alltagsrelevanz, Performative Konstruktion, Identitätsarbeit, Kommunikation, Sozialwissenschaften, Bewertungssituationen
Die Arbeit analysiert die mediale Darstellung von Kritik innerhalb von „Casting Shows“ und untersucht, welche kulturellen Handlungsmuster dadurch für die Rezipienten im Alltag konstruiert werden.
Zentrale Themen sind die asymmetrische Interaktionsordnung, das Leistungsprinzip, die mediale Inszenierung von „Authentizität“ sowie die Nutzung von Körperlichkeit und Musik als dramaturgische Elemente der Kritik.
Das primäre Ziel ist es, das prägende Element „Kritik“ in „Casting Shows“ zu identifizieren und zu zeigen, wie dieses als Orientierung für das kommunikative Alltagshandeln dient.
Es wird die Methode der „Grounded Theory“ angewandt, um anhand von Videoanalysen und Transkripten eine gegenstandsbegründete Theorie zu generieren.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten empirischen Analyse von Bewertungsszenen, wobei insbesondere die Rollenverteilung zwischen Jury und Kandidaten und die performative Konstruktion von Persönlichkeit beleuchtet werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Casting Shows, Grounded Theory, Leistungsprinzip, Authentizität, Interaktionsordnung und Alltagsrelevanz charakterisiert.
Der Autor argumentiert, dass Kritik in diesen Formaten nicht primär der Fehlerkorrektur dient, sondern als performatives Instrument fungiert, um Wandlungsprozesse zu initiieren und die „Seele“ der Kandidaten für den Zuschauer sichtbar zu machen.
Durch die Bewertung intransparenter Kompetenzen (wie z.B. „Seele“ oder „Glaubwürdigkeit“) fungiert die Jury als Instanz, die erst durch ihr Urteil entscheidet, ob ein Kandidat als „authentisch“ gilt, wodurch die Person auf ihre öffentliche Wahrnehmung reduziert wird.
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