Bachelorarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Erster Hauptteil: theoretische Gedanken über das Genie
2.1 Der Genie-Gedanke vor dem Sturm und Drang
2.2 Shakespeare als Vorbild
2.3 Merkmale des Genies im Sturm und Drang nach Herder und Goethe
2.3.1 Geschichtlichkeit
2.3.2 Schöpferkraft und Größe
2.3.3 Die Ordnungsleistung und das Produkt der Ordnungsleistung: das ’Ganze’
2.4 Kurze Zusammenfassung des theoretischen Teils
3 Zweiter Hauptteil: Die Theorie in der Praxis: Analyse von Goethes Prometheus
4 Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht den Genie-Gedanken der Sturm-und-Drang-Epoche, wobei das Ziel darin besteht, die theoretischen Konzepte von Herder und Goethe zu erfassen und deren praktische Anwendung anhand von Goethes Hymne "Prometheus" nachzuweisen.
2.3.1. Geschichtlichkeit
Einer der wichtigsten Gedanken in Herders Aufsatz ist die Geschichtlichkeit, die er strikt gegen jedes normative Denken anwendet und durch welche er den „Schritt von der normativen Poetik zur Ästhetik” vollends durchführt und rechtfertigt. Geschichtlichkeit bedeutet für Herder, dass das Genie sein Werk aus seiner eigenen Zeit heraus schaffen soll und sich nicht an antiken orientieren. Herder sieht sich nicht mehr wie zeitgleiche Theoretiker genötigt, Shakespeare eine innere Übereinstimmung mit dem Wesentlichen an den griechischen Mustern und der aus ihnen abgeleiteten Poetik des Aristoteles zuzuschreiben. Dazu schreibt er: „In Griechenland entstand das Drama, wie es in Norden nicht entstehen konnte. In Griechenland war’s, was es in Norden nicht sein kann. In Norden ist’s also nicht und darf nicht sein, was es in Griechenland gewesen”.
Auf diese Art interpretiert er die Regeln der Antike historisch. Vor Herder hatten andere, unter ihnen Lessing, immer wieder mit sich gerungen, um Shakespeares Genie zu erklären. Auf der einen Seite war Shakespeares Genie anerkannt, aber die Aristotelischen Regeln waren nicht außer Kraft gesetzt, was bedeutete, dass Shakespeare und seine Werke zur gleichen Zeit herber Kritik ausgesetzt waren. Als Grund für die Geschichtlichkeit nennt Herder die äußeren Bedingungen der Zeit, die sich fortwährend verändern: „Weltverfassung, Sitten, Stand der Republikken, Tradition der Heldenzeit, Glaube…“. Was in der Antike ‚natürlich‘ war, ist es zu der Zeit Herders nicht mehr und wirkt ‚künstlich‘ auf den Menschen des 18. Jahrhunderts. Daraus folgt, dass was von den Menschen zu der Zeit Herders als ‚natürlich‘ empfunden wurde, ist das Ergebnis der Geschichte, wie sie sich bis dahin ereignet hat. Wie eine Pflanze wurzelt der Künstler im geschichtlichen Boden seines Volkes und seines Kulturzustandes. Seine Dichtung ist, genau wie seine Person, ein einmaliger Ausdruck von Geschichte und Nationalidentität.
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Genie als autonomen Künstler und skizziert das Ziel der Arbeit, die theoretischen Grundlagen des Sturm und Drang durch die Analyse von Herder, Goethe und der Prometheus-Hymne zu erarbeiten.
2 Erster Hauptteil: theoretische Gedanken über das Genie: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung des Geniebegriffs vor dem Sturm und Drang, die Bedeutung Shakespeares als Vorbild sowie die zentralen Merkmale der Genie-Ästhetik wie Geschichtlichkeit, Schöpferkraft und Ordnungsleistung.
3 Zweiter Hauptteil: Die Theorie in der Praxis: Analyse von Goethes Prometheus: Hier wird untersucht, wie Goethe die im theoretischen Teil identifizierten Charakteristiken des Genies in seiner Hymne "Prometheus" literarisch umsetzt.
4 Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die theoretischen Konzepte des Sturm und Drang in der literarischen Praxis, insbesondere im "Prometheus", erfolgreich Anwendung fanden.
Genie, Sturm und Drang, Geschichtlichkeit, Schöpferkraft, Shakespeare, Goethe, Herder, Prometheus, Ästhetik, Autonomie, Regelpoetik, Aufklärung, Kunstwerk, Individualität, Ordnungsleistung
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Genie-Gedanken der Epoche des Sturm und Drang und analysiert, wie sich das Verständnis des Künstlers als autonomes, schöpferisches Genie gegenüber der Aufklärung wandelte.
Die zentralen Themen sind der Wandel der Ästhetik, die Ablehnung antiker Regelpoetiken, die Bedeutung des historischen Kontextes (Geschichtlichkeit) und die Selbstkonzeption des Genies als gottgleicher Schöpfer.
Das Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen der Genie-Ästhetik bei Herder und Goethe aufzuarbeiten und durch eine Werkanalyse von Goethes "Prometheus" deren praktische Umsetzung in der Literatur zu belegen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die theoretische Primärtexte des Sturm und Drang mit einer textnahen Interpretation von Goethes "Prometheus" vergleicht.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst werden die theoretischen Konzepte (Geschichtlichkeit, Schöpferkraft, Ordnungsleistung) dargelegt, anschließend wird Goethes "Prometheus" als praktisches Exempel der Genie-Ästhetik analysiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Genie, Sturm und Drang, Geschichtlichkeit, Schöpferkraft, Autonomie und das Prinzip des ’Ganzen’.
Shakespeare galt als Inbegriff des freien, regelungebundenen Genies, das nicht durch aristotelische Regeln eingeengt wurde, und diente daher als Leitfigur für die Abkehr von der aufklärerischen Regelpoetik.
Da das Genie keine äußeren Regeln befolgt, muss es eine innere, subjektive Ordnung schaffen. Diese „Ordnungsleistung“ führt zur Bildung eines „Ganzen“, das die Welt in ihrer ganzen Komplexität widerspiegelt.
Prometheus agiert in der griechischen Mythologie als schöpferischer Titan. Im Sturm und Drang wird er zum Sinnbild des Künstlers, der sich von göttlichen und menschlichen Autoritäten loslöst und seine eigene Welt erschafft.
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