Bachelorarbeit, 2012
43 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Europäische Öffentlichkeit
2.1 Begriffs- und Funktionsbestimmung
2.2 Triebkräfte europäischer Öffentlichkeit
2.2.1 Paneuropäische Medien
2.2.2 Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten
2.3 Europa in den nationalen Medien
2.3.1 Perspektive der Mediennutzer
2.3.2 Europäisierung des Fernsehens
2.3.3 Europäisierung der Presse
2.4 Hypothesen
3 Methode
3.1 Fernsehprogrammforschung der ALM
3.2 Stichproben und Ereignislagen
3.3 Datenanalyse
4 Ergebnisse
4.1 Gipfel- und Routineperioden
4.2 Veränderungen im Längsschnitt
4.3 Öffentlich-rechtliche und private Fernsehprogramme
5 Schlussbemerkungen
5.1 Fazit
5.2 Kritik und Ausblick
Diese Arbeit untersucht den Grad der Europäisierung in der politischen Berichterstattung deutscher Fernsehnachrichten im Zeitraum von 2004 bis 2011, um die Existenz einer funktionalen europäischen Öffentlichkeit zu hinterfragen.
2.1 BEGRIFFS- UND FUNKTIONSBESTIMMUNG
Der Öffentlichkeitsbegriff wurde von zwei grundlegend verschiedenen Perspektiven betrachtet. In einer systemtheoretischen Perspektive gilt Öffentlichkeit als ein „Spiegel“ der Gesellschaft im Sinne eines Beobachtungssystems (vgl. Marcinkowski 1993: 113ff.). Diese rein funktionale Beschreibung als Selbstbeobachtungsmöglichkeit der Gesellschaft steht dem Verständnis von Öffentlichkeit als intermediärem Kommunikationssystem nach Habermas gegenüber. In seinem normativen Modell ist die politische Öffentlichkeit ein vermittelndes Kommunikationssystem zwischen dem politischen System und der Zivilgesellschaft (vgl. Habermas 2008: 164). Durch den „kommunikativen Kreislauf zwischen Zentrum und Peripherie sollen – als Eigenprodukte der Öffentlichkeit – reflektierte öffentliche Meinungen“ hervorgehen (ebd.: 167; Kursivsetzung im Original). Auch wenn diese Ansätze auf nationalstaatliche Öffentlichkeiten bezogen sind, können sie für eine mögliche europäische Öffentlichkeit richtungsweisend sein.
Aus rein deskriptiver Perspektive kann man laut Brüggemann et al. transnationalisierte Öffentlichkeiten als „Räume der Verdichtung von Prozessen öffentlicher, medial vermittelter politischer Kommunikation begreifen, die den nationalen Bezugsraum übersteigen“ (2009: 395; Kursivsetzung im Original). Damit vermeiden die Autoren eine Festlegung auf funktionale oder normative Aspekte. Ferner ergibt sich, dass nationale und transnationale Öffentlichkeiten synchron existieren können. Dabei konstituieren die transnationalen Elemente in nationalen Öffentlichkeiten „eine über die nationalen Verdichtungen gelagerte zusätzliche Ebene von Kommunikation“, die dann „empirisch als Transnationalisierung nationaler Öffentlichkeit greifbar“ wird (ebd.: 395f.) Wenn dann in verschiedenen Ländern die gleichen transnationalen kommunikativen Prozesse auftauchen, könne man von einer transnationalen Öffentlichkeit sprechen (vgl. ebd.: 396).
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der europäischen Öffentlichkeit und Darlegung der Fragestellung bezüglich der Europäisierung deutscher Fernsehnachrichten.
2 Europäische Öffentlichkeit: Theoretische Herleitung des Begriffs der europäischen Öffentlichkeit sowie Darstellung von Triebkräften und Dimensionen der Europäisierung in nationalen Medien.
3 Methode: Beschreibung des methodischen Vorgehens, insbesondere der Sekundäranalyse von Daten der Fernsehprogrammforschung sowie der Definition von Stichproben und Variablen.
4 Ergebnisse: Präsentation und statistische Auswertung der Daten hinsichtlich des Einflusses von Gipfelperioden und der Unterschiede zwischen verschiedenen Senderserien.
5 Schlussbemerkungen: Synthese der Ergebnisse sowie kritische Auseinandersetzung mit der methodischen Anlage und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Europäisierung, Politische Öffentlichkeit, Fernsehnachrichten, Inhaltsanalyse, Europäische Union, Medienwirkungsforschung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Private Sender, Transnationalisierung, Politische Kommunikation, Medien Tenor, Sekundäranalyse, Politische Berichterstattung.
Die Arbeit untersucht, inwieweit das deutsche Fernsehen über europäische Themen berichtet und ob sich somit eine europäische Öffentlichkeit konstituiert.
Im Fokus stehen die Europäisierung der Politikberichterstattung, die Sichtbarkeit der EU-Institutionen sowie der Vergleich zwischen verschiedenen Fernsehanbietern.
Die Forschungsfrage ist, wie stark die deutsche Fernsehpolitikberichterstattung europäisiert ist und ob sich in den Jahren 2004 bis 2011 eine zunehmende Europäisierungstendenz feststellen lässt.
Der Autor nutzt eine quantitative Sekundäranalyse von Daten der kontinuierlichen Fernsehprogrammforschung der Landesmedienanstalten (ALM).
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, methodische Vorgehensweisen und die empirische Ergebnisanalyse, unterteilt in Gipfel- versus Routineperioden sowie Sendergruppen.
Wichtige Begriffe sind Europäisierung, politische Öffentlichkeit, Fernsehnachrichten, Inhaltsanalyse und EU-Berichterstattung.
Ja, die Arbeit weist nach, dass sich der Anteil europäisierter Berichterstattung während Gipfelperioden signifikant erhöht, insbesondere im supranationalen Bereich.
Ja, die Analyse zeigt, dass öffentlich-rechtliche Sender absolut gesehen deutlich präsenter über europäische Themen berichten als ihre privaten Pendants.
Nein, aufgrund der starken Schwankungen in den Stichproben konnte kein stetiger Anstieg des Europäisierungsniveaus im Zeitverlauf nachgewiesen werden.
Der Autor konstatiert ein fortbestehendes Defizit an europäischer Öffentlichkeit im deutschen Fernsehen, da die Berichterstattung meist auf nationale Perspektiven beschränkt bleibt.
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