Bachelorarbeit, 2012
43 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Spuren von Homerkenntnissen beim Stricker
1.1. Die Homer-Rezeption im Mittelalter
1.2. Strickers mögliche Bezüge zu Homers Epen
2. Textanalyse I: Die List
3. Textanalyse II: Fabelwesen und magische Gegenstände
3.1. Die Fabelwesen
3.2. Die magischen Gegenstände
Schluss
Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht die Quellen des Artusromans 'Daniel von dem blühenden Tal' von dem Stricker, insbesondere im Hinblick auf homerische Motive und deren Funktion. Es wird analysiert, wie der Autor antike und mythologische Stoffe in sein Werk integriert, um das Ideal des listigen Helden zu legitimieren und gattungsspezifische Neuerungen zu etablieren.
Die List
Im späten 12. und im 13. Jahrhundert gab es eine Neuerung in der zeitgenössischen Literatur. Es traten immer mehr Heldenfiguren auf, die sich durch eine Charakteristik besonders hervorhoben: die List. Zunächst kannte man die listigen bzw. intellektuellen Helden aus der Spielmannsepik. Im Laufe des 13. Jahrhunderts fand man sie auch in gehobener, höfischer Dichtung wie der Gattung des deutschen Schwankromans, die der Stricker selbst mit seinem 'Pfaffen Amis' konstituierte. Strickers 'Daniel' stellt besonders in Bezug auf die Artusepik eine Neuerung dar. War der ursprüngliche ideale Held stark und tapfer, so steht bei Daniel der Intellekt im Vordergrund. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass das mittelhochdeutsche Wort list nicht die gleiche Bedeutung wie das entsprechende neuhochdeutsche Wort hat. Die Gebrüder Grimm definierten es folgendermaßen:
List, das was man kann, Kenntnis einer Sache und Fertigkeit sie anzuwenden; mit dem alten Kunst [herv. d. Verfasser] identisch und namentlich auch in der Bedeutung der heutigen Wissenschaft gebraucht. [...] List, in engerem Sinne, der einzelne Kunstgriff, kluge Anschlag, die kluge Maßregel [...] List, die Klugheit, Weisheit selbst, auch die göttliche [...] häufig aber die Schlauheit, das hinterhältige rechnen zu Gunsten eines eigenen Vorteils, eine Bedeutung, die schon in der alten Sprache Boden gewinnt.
Somit erfuhr der Begriff eine Bedeutungsverengung. Heute konnotiert man mit List ein eher negatives Attribut, auf das die Brüder Grimm im letzten Satz eingehen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist also, dass mit list Klugheit, Weisheit und Kunst gemeint ist, die eine gewisse Art von Hinterlist miteinschließt. Dadurch, dass Daniel über Stärke und Intellekt verfügt, wird er zu einer neuen Art von idealem Ritter. In Strickers 'Daniel' ist dieses neue Ideal jedoch nicht exklusiv auf Daniel ausgerichtet. Auch die anderen Ritter zeigen listige Züge wie etwa Gawein, als er die Ritter darauf hinweist, dass sie dem Riesen die Augen ausstechen sollten. Damit schuf der Stricker eine Neuerung in der Gattung des Artusromans. Ingeborg Hendersen schrieb 1976 in ihrer Interpretation zum 'Daniel':
Die Art, in der er Schlüsselinhalte des klassischen Artusromans ändert, weisen ihn über jedes Epigonentum im Sinne unkritischer Nachahmung hinaus, denn sie offenbaren Auseinandersetzung mit der arthurischen Wertewelt und Stellungnahme zu zeitgenössischer Problematik.
Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der homerischen Stoffe in der mittelalterlichen Literatur ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Herkunft und Funktion der Motive im 'Daniel'.
1. Spuren von Homerkenntnissen beim Stricker: Dieses Kapitel beleuchtet die Rezeption der antiken Epik im Mittelalter und untersucht, auf welchen Wegen der Stricker mit den Stoffen Homers in Kontakt gekommen sein könnte.
2. Textanalyse I: Die List: Der Fokus liegt hier auf der innovativen Verwendung der List als zentrale Heldencharakteristik und deren Legitimierung durch intertextuelle Bezüge zu bekannten antiken Figuren.
3. Textanalyse II: Fabelwesen und magische Gegenstände: In diesem Hauptteil werden die im Roman auftretenden fantastischen Elemente analysiert und ihre stoffliche Herkunft aus der griechischen Mythologie aufgezeigt.
Schluss: Die Schlussbemerkung fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Stricker antike Motive bewusst und gelehrt in sein Werk integriert hat.
Daniel von dem blühenden Tal, der Stricker, Artusroman, homerische Epen, Odyssee, List, Fabelwesen, magische Gegenstände, Mittelalter, Rezeptionsgeschichte, griechische Mythologie, Gattungsinnovation, mittelalterliche Epik, Intertextualität, antike Stoffe.
Die Arbeit analysiert den mittelalterlichen Artusroman 'Daniel von dem blühenden Tal' des Strickers und untersucht, welche Quellen der Autor für sein Werk nutzte, insbesondere im Hinblick auf homerische Motive.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Rezeption antiker Literatur im Mittelalter, die Funktion des neuartigen Heldenideals der List sowie die Bedeutung und Herkunft der im Roman enthaltenen Fabelwesen und magischen Gegenstände.
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, aus welchen Quellen der Stricker schöpfte und welche erzählerische Funktion die übernommenen Motive innerhalb des Romans erfüllen.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf dem Vergleich von Primärtexten (Strickers 'Daniel') mit antiken Vorlagen (Homers Epen) und weiteren mittelalterlichen Bearbeitungen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der Homer-Rezeption, eine Analyse des List-Motivs sowie eine detaillierte Auswertung der Fabelwesen und magischen Gegenstände als Gattungsinnovation.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen 'Daniel von dem blühenden Tal', 'der Stricker', 'Artusroman', 'List', 'homerische Epen' sowie 'Fabelwesen'.
Die List ist für Daniel eine essenzielle Fähigkeit, die ihn vom traditionellen, rein auf Stärke fokussierten Artusritter abhebt und ihn befähigt, die für ihn ungewohnten Gefahren der Welt 'Cluse' zu meistern.
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Stricker über ein fundiertes Wissen verfügte und antike Motive nicht nur übernahm, sondern gezielt und innovativ in den Artusroman integrierte, um eine spezifische literarische Absicht zu verfolgen.
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