Masterarbeit, 2012
133 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Familie - Definitionen und Vorstellungen
3. Was ist Gender?
4. Die Theorie des Neo-Institutionalismus
4.1. Drei Richtungen des Neo-Institutionalismus
4.2. Woher kommen Leitideen? Der akteurszentrierte Institutionalismus nach Mayntz/Scharpf
5. Theoretische Überlegungen zur Konzeption von Geschlechterrollen
5.1. Wie entsteht der Wandel von Geschlechterrollen?
5.2. Geschichte und gesellschaftlicher Einfluss des Feminismus auf die Familienpolitik aus länderübergreifender Perspektive
6. Das egalitäre Doppelversorgermodell Schwedens
6.1.Leitbild und staatliche Anreize
6.1.1. Geschichte der schwedischen Familienpolitik
6.1.2. Steuermodell
6.1.3. Elternversicherung
6.1.4. Kinderbetreuungssituation
6.2.Gesellschaftliche Einflüsse
6.2.1. Länderspezifische Eigenheiten
6.2.2. gesellschaftliche Rollenvorstellungen
6.3.Vereinbarkeit von Familie und Beruf
6.3.1. Vätermonate
6.3.2. Frauenerwerbstätigkeit
6.3.3. Exkurs: Frauenquote
6.4.Zwischenfazit: maßgebliche Akteure der schwedischen Familienpolitik
7. Die familienpolitische Situation in Deutschland
7.1.Leitbild und staatliche Anreize
7.1.1. Geschichte der deutschen Familienpolitik
7.1.2. Steuermodell
7.1.3. Elternzeit und Elterngeld
7.1.4. Kinderbetreuungssituation
7.1.5. Diskussion um das Betreuungsgeld
7.2. Gesellschaftliche Einflüsse
7.2.1. Länderspezifische Eigenheiten
7.2.2. Gesellschaftliche Rollenvorstellungen
7.3.Vereinbarkeit von Familie und Beruf
7.3.1. Frauenerwerbstätigkeit
7.3.2. Exkurs: Frauenquote
7.4.Zwischenfazit: maßgebliche Akteure der deutschen Familienpolitik
8. Frankreich - Wahlfreiheit als Leitbild
8.1. Leitbild und staatliche Anreize
8.1.1 Geschichte der französischen Familienpolitik
8.1.2. Steuermodell
8.1.3. Leistungsgerechtigkeit und Wahlfreiheit
8.1.4. Kinderbetreuungssituation
8.2. Gesellschaftliche Einflüsse
8.2.1. Länderspezifische Eigenheiten
8.2.2. Gesellschaftliche Rollenvorstellungen
8.3. Vereinbarkeit von Familie und Beruf
8.3.1. Frauenerwerbstätigkeit
8.3.2. Exkurs: Frauenquote
8.4. Zwischenfazit: maßgebliche Akteure der französischen Familienpolitik
9. Das Wechselverhältnis von Rollenvorstellungen und familienpolitischen Leitideen in Deutschland, Schweden und Frankreich im Vergleich – ein Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Wechselverhältnis zwischen familienpolitischen Leitbildern und gesellschaftlichen Rollenverständnissen in einem komparativen Drei-Länder-Vergleich (Deutschland, Schweden und Frankreich). Die Forschungsfrage zielt darauf ab zu klären, inwiefern staatliche Leitideen zur Herausbildung geschlechtlicher Rollenbilder beitragen und wie umgekehrt vorherrschende Rollenvorstellungen die Annahme und Umsetzung familienpolitischer Maßnahmen beeinflussen.
1. Einleitung
In Frankreich kommt die Quote – in Deutschland das Betreuungsgeld. Bis zum Jahr 2017 sollen in Frankreich 40 Prozent der Vorstandsmitglieder größerer Unternehmen weiblich sein. Das hat die damals konservative Regierung im Jahr 2011 beschlossen. Einen ersten Schritt in diese Richtung liefert die Zielvorgabe die Frauenquote bis 2014 auf 20 Prozent anzuheben. In Deutschland hingegen wird über die Einführung einer solchen Frauenquote für Unternehmensvorstände noch immer debattiert. Eine Einigung konnte bislang nicht erzielt werden. Dafür hat das CDU/CSU-geführte Bundeskabinett im Juni dieses Jahres einen Gesetzesentwurf zur Einführung eines Betreuungsgeldes für Kinder unter drei Jahren beschlossen. Ab 2013 sollen Eltern, die ihre Kinder nicht in eine Kita schicken sondern zu Hause betreuen vom Staat eine monatliche Unterstützung in Höhe von 100 bis 150 Euro erhalten. Laut einer Umfrage des Magazins Stern und des Fernsehsenders RTL sind 60 Prozent der Deutschen gegen diese neue familienpolitische Leistung, da sie diese als einen Anreiz zur Erhaltung tradierter Rollenmodelle auffassen (vgl. Hildebrandt/Niejahr 2012: 2). Von Kritikern wird diese Maßnahme deshalb auch abschätzig als „Herdprämie“ bezeichnet.
Ein Land, das diese „Herdprämie“ bereits seit vier Jahren in seine Familienpolitik integriert hat und dennoch als Vorreiter in Sachen Geschlechtergerechtigkeit gilt ist Schweden. Dort wurde der so genannte „vårdnadsbidrag”, wie das Betreuungsgeld auf Schwedisch bezeichnet wird, von der konservativ-bürgerlichen Koalitionsregierung mit dem Argument, Familien die Entscheidungsfreiheit bei der Kinderbetreuung zu ermöglichen, eingeführt. Frankreich hat dieses Element der Wahlfreiheit sogar als einen Grundpfeiler in seiner Familienpolitik verankert. Eltern sollen dort selbstbestimmt zwischen familiärer und außerhäuslicher Kinderbetreuung wählen können um sich somit zwischen unterschiedlichen familiären Rollenmodellen zu entscheiden (vgl. Salles 2009: 3-8.).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, indem sie aktuelle familienpolitische Debatten in Deutschland, Frankreich und Schweden gegenüberstellt und die Forschungsfrage zur Wechselwirkung zwischen Leitbildern und Rollenbildern formuliert.
2. Familie - Definitionen und Vorstellungen: Das Kapitel erläutert, dass es in der Wissenschaft keine allgemeingültige Definition von Familie gibt, und begründet die gewählte Arbeitsdefinition der „modernen Kleinfamilie“ für die weitere Analyse.
3. Was ist Gender?: Hier wird der Begriff Gender als sozial konstruierte Geschlechtsidentität definiert und von der biologischen Kategorie 'sex' abgegrenzt, wobei Konzepte wie 'Doing Gender' und 'Gender Mainstreaming' eingeführt werden.
4. Die Theorie des Neo-Institutionalismus: Dieses Kapitel stellt die politikwissenschaftlichen Grundlagen des Neo-Institutionalismus vor, um den Einfluss von Institutionen und Leitideen auf das Handeln von Akteuren zu erklären.
5. Theoretische Überlegungen zur Konzeption von Geschlechterrollen: Hier werden soziologische Theorien zur Entstehung und zum Wandel von Geschlechterrollen beleuchtet sowie der Einfluss feministischer Bewegungen auf Familienpolitik erörtert.
6. Das egalitäre Doppelversorgermodell Schwedens: Das Kapitel untersucht das schwedische Familienmodell, das durch hohe Frauenerwerbstätigkeit, Vätermonate und staatliche Kinderbetreuung auf Geschlechtergleichheit ausgerichtet ist.
7. Die familienpolitische Situation in Deutschland: Es wird die deutsche Familienpolitik analysiert, die sich in einem Transformationsprozess zwischen traditionellen Versorgermodellen und neuen Vereinbarkeitszielen befindet.
8. Frankreich - Wahlfreiheit als Leitbild: Dieses Kapitel betrachtet das französische System, das durch eine pro-natalistische Ausrichtung und das Prinzip der Wahlfreiheit bei der Kinderbetreuung geprägt ist.
9. Das Wechselverhältnis von Rollenvorstellungen und familienpolitischen Leitideen in Deutschland, Schweden und Frankreich im Vergleich - ein Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Ländervergleiche zusammen und synthetisiert das Wechselspiel zwischen institutionellen Anreizen und gesellschaftlichen Rollenbildern.
Familienpolitik, Gender, Geschlechterrollen, Neo-Institutionalismus, Doppelversorgermodell, Deutschland, Schweden, Frankreich, Vereinbarkeit, Frauenquote, Rollenverständnis, Wohlfahrtsstaat, Betreuungsgeld, Emanzipation, Arbeitsmarkt
Die Arbeit untersucht das Wechselverhältnis zwischen familienpolitischen Leitbildern und gesellschaftlichen Rollenverständnissen in Deutschland, Schweden und Frankreich.
Zentrale Themen sind die Ausgestaltung wohlfahrtsstaatlicher Modelle, die Bedeutung von Gender-Perspektiven in der Politik sowie der Einfluss historischer und institutioneller Rahmenbedingungen auf familienpolitische Entscheidungen.
Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern haben familienpolitische Leitbilder zur Herausbildung von unterschiedlichen geschlechtlichen Rollenverständnissen beigetragen und welche Bedeutung hat dabei das Rollenverständnis auf die Umsetzung und Annahme familienpolitischer Maßnahmen?
Es handelt sich um einen komparativen Drei-Länder-Vergleich, der auf der politikwissenschaftlichen Theorie des Neo-Institutionalismus basiert, um Institutionen und Akteurskonstellationen zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Neo-Institutionalismus, Rollenbegriff) und eine detaillierte Analyse der familienpolitischen Situation, Akteure und gesellschaftlichen Einflussfaktoren in den drei Vergleichsländern.
Die wichtigsten Schlagworte sind Familienpolitik, Gender, Doppelversorgermodell, Vereinbarkeit, Wohlfahrtsstaat und geschlechtliche Rollenvorstellungen.
Schweden verfolgt ein stark institutionalisiertes, staatlich gefördertes Doppelversorgermodell mit breitem Rechtsanspruch, während das deutsche System historisch stärker auf eine familiale Eigenverantwortung und monetäre Transferleistungen setzte.
Frankreich bietet durch ein ausdifferenziertes System an Betreuungsmöglichkeiten und das Familiensplitting den Eltern eine breite Palette an Optionen, um zwischen privater und staatlicher Kinderbetreuung zu wählen, ohne das Ziel der Erwerbstätigkeit auszuschließen.
Das Ehegattensplitting wird in der Arbeit als ein institutioneller Anreiz identifiziert, der das traditionelle Ernährermodell stützt und die Erwerbsbeteiligung von Müttern durch steuerliche Anreize eher hemmt.
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