Magisterarbeit, 2013
75 Seiten, Note: 1,7
I. Einleitung
II. Einführung zum Tima und seinen Sprechern
II.1. Die Ethnie Tima und ihre Sprache
II.2. Grundzüge des Tima
III. Wahrnehmung und Benennung des Körpers im Tima
III.1. Die Bildung der Bezeichnungen für Körperteile
III.2. Die Benennung von Körperteilen: Universalien auf dem Prüfstand
IV. Raumwahrnehmung im Tima
IV.1. Grundzüge der Raumwahrnehmung im Tima
IV.2. Grammatikalisierung von Körperteilen: Lokative und Räumlichkeit
IV.3. Körperteile als Paten der Raumbeschreibung
IV.4. Alles dreht sich um mich? Die egozentrische Perspektive
IV.5. Wohin und woher kommst Du? Der Ventivmarker im Tima
IV.6. Es geht noch komprimierter: Sprachveredlung durch alloying
V. Mein Knochen ist heiß: Die Rolle von Körperteilen bei der Benennung von Emotionen im Tima
V.1. Vom Körper zur Emotion: Prozesse der Benennung von Emotionen
V.2. Fühlen wir alle gleich? Universalien zu Emotionen auf dem Prüfstand
VI. Lange Augen, lange Arme: Weitere sprachliche Verwendung von Körperteilen
VI. Fazit
VII. Anhang
A.Liste der auf grammatikalisierte Ableitungen ergebnislos untersuchten Körperteile und Tätigkeiten
Die vorliegende Arbeit untersucht die kognitive und perzeptive Rolle des menschlichen Körpers in der sudanesischen Sprache Tima. Dabei liegt der Fokus darauf, wie körperliche Erfahrungen nicht nur die Benennung von Körperteilen prägen, sondern auch die Grundlage für die Strukturierung von Raumwahrnehmung, Zahlenverständnis und die Benennung von Emotionen bilden.
III.1. Die Bildung der Bezeichnungen für Körperteile
Alle Menschen verfügen über den gleichen Grundkörper und somit den gleichen Referenzrahmen für die Benennung von Körperteilen. Bilden infolgedessen auch alle Sprachen ähnliche Begriffe nach dem gleichen Strickmuster? Nein, ganz im Gegenteil: Die Vielfalt, die sich auf Basis einer solch einheitlichen Grundlage entwickelte, beweist, dass weitere Faktoren die Benennung und somit die Sprache beeinflussen.
So werden im Tima zwei verschiedene Ebenen von Körperteilen sichtbar: Auf der einen Seite stehen die als besonders bewerteten, kanonischen Körperteile, die mit Monomialen benannt werden. Auf der anderen finden sich alle anderen Körperteile, die für die Tima-Sprecher weniger auffällig, also nicht-kanonisch sind und daher mit Ableitungen auf Basis der ersten Gruppe benannt werden. Dabei stützt sich diese Form der Benennung sehr stark auf der Bildung von Komposita. Es zeigen sich letztlich zwei Gruppen von Körperteilbezeichnungen:
1. Monomiale für kanonische Körperteile wie den Mund
(9) kɪŋɛ ‚Mund‘
2. aus Komposita bestehende Namen für nicht-kanonische Elemente wie einzelne Zehen
(10) kɨmʌn kɪdɪɪ kʊkwɔlɔŋ Zeh/ Finger Bein groß ‚großer Zeh‘
Der Mund ist also in den Augen der Sprecher so auffällig, bedeutend, ja einzigartig, dass er einen eigenen Namen haben muss. Dieser kann nicht in weitere Unterbedeutungen zerlegt werden.
I. Einleitung: Einführung in die sudanesische Sprache Tima und deren starke körperliche Fundierung in der Raum- und Emotionsbeschreibung.
II. Einführung zum Tima und seinen Sprechern: Vorstellung der Tima-Ethnie und der sprachlichen Charakteristika, inklusive des Einflusses durch Sprachkontakt.
III. Wahrnehmung und Benennung des Körpers im Tima: Untersuchung der Körperteilbenennung und Überprüfung von Universalien nach Andersen.
IV. Raumwahrnehmung im Tima: Analyse der räumlichen Orientierung und deren Versprachlichung durch Körpermetaphern, Lokative und den Ventivmarker.
V. Mein Knochen ist heiß: Die Rolle von Körperteilen bei der Benennung von Emotionen im Tima: Untersuchung der emotionalen Konzepte und Überprüfung von Universalien nach Wierzbicka.
VI. Lange Augen, lange Arme: Weitere sprachliche Verwendung von Körperteilen: Diskussion der Übertragung von Körperteilnamen auf weitere abstrakte Domänen wie Zahlen und Architektur.
VI. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse zur zentralen Rolle des Körpers als Schablone für sprachliche Strukturen im Tima.
Tima, Körperteile, Raumwahrnehmung, Kognitive Linguistik, Nominalklassensystem, Ventivmarker, Alloying, Emotionen, Metonymie, Metapher, Sprachökonomie, Universalien, Grammatikalisierung, Nubaberge, Sudan.
Die Arbeit analysiert, wie die sudanesische Sprache Tima den menschlichen Körper als Ausgangspunkt für verschiedene linguistische Strukturen nutzt, von der Benennung von Körperteilen bis hin zu Raumkonzepten und Emotionen.
Die zentralen Themen sind Kognition, Perzeption des Körpers, Grammatikalisierung von Körperteilen sowie die linguistische Beschreibung von Emotionen im Tima.
Das Ziel ist es, die Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen, nach denen Tima-Sprecher körperliche Erfahrungen in ihre Sprache integrieren, und die Validität bekannter sprachwissenschaftlicher Universalien im Kontext des Tima zu prüfen.
Die Autorin nutzt deskriptive linguistische Methoden und vergleicht Tima mit postulierten Universalien von Elaine Andersen und Anna Wierzbicka, gestützt auf Feldarbeitsdaten.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Körperbenennung, die räumliche Orientierung (inklusive egozentrischer Perspektive und Ventivmarkern) sowie die Verwendung von Körperteilen als Metaphern für Emotionen.
Körperlichkeit, Universalien, Raumwahrnehmung, Emotionsbenennung und Sprachökonomie (speziell durch "Alloying").
Der Knochen (kuh) fungiert im Tima als zentraler Quellkörperteil für eine Vielzahl von Emotionen und ist eine überaus produktive Basis für die Bildung von Idiomen.
Sie ist ein fundamentales Prinzip, bei dem die Position des Sprechers stets in den Referenzrahmen der Ortsangabe einbezogen wird, was sich unter anderem durch den obligatorischen Gebrauch von Ventivmarkern ausdrückt.
Alloying bezeichnet einen Prozess der Sprachökonomie im Tima, bei dem zwei Ereignisse (z. B. ein Verb und eine Bewegungsrichtung zum Sprecher hin) in einem einzigen phonologischen Wort verschmolzen werden.
Kanonische Körperteile wie Mund oder Kopf werden mit einfachen Monomialen benannt, während nicht-kanonische Körperteile meist durch komplexe Komposita aus diesen kanonischen Basen gebildet werden.
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