Magisterarbeit, 2012
84 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Zur Toposforschung
1.2 Rousseau und der Entfremdungsdiskurs im 18. Jhd.
1.3 Rousseau und die Unsichtbare Loge
2. Narrative Spiegelungen: Jean Paul und „Jean Paul“
3. Tugend und Ökonomie
3.1 Geldwirtschaft: Kommerzien-Agent von Röper
3.2 Verstand-Wirtschaft: Professor Hoppedizel
3.3 Ego-Wirtschaft: Der geheime Legationsrat Oefel
4. Vernunft und Gefühl
4.1 Der hohe Mensch
4.2 Nihilismus: Ottomar
5. Leib und Seele
5.1 Jean Pauls Ganzheitstraum: Das familiäre Diner
5.2 Leib und Seele im aristokratischen Souper
5.3 Leidenschaft und Ohnmacht: Beata, Residentin, Ministerin
6. Entfremdung und Pädagogik
6.1 Schönheit und Moral: Die Erziehungs-Maximen
6.2 Topik der Vollkommenheit: Genius
7. Schluss
Die Arbeit untersucht das Erstlingswerk Jean Pauls, Die unsichtbare Loge, unter Berücksichtigung einer anthropologischen Topik. Dabei wird analysiert, wie Jean Paul seine Romanfiguren nach anthropologischen Gesichtspunkten arrangiert und inwiefern der Entfremdungsdiskurs Rousseaus zur Erhellung der literarischen Qualität und der pädagogischen Konzepte des Romans beitragen kann.
1. Einleitung
Angesichts einer kaum noch zu überblickenden Forschungslage scheint sich am Vorabend des 250. Dichter-Geburtstages eine Frage immer mehr in den Vordergrund zu drängen: Gibt es überhaupt noch Zugänge zum Werk, mit denen sich neues Erkenntnis-Terrain erschließen lässt?
Der Verfasser möchte das im Bezug auf Jean Pauls Erstlings-Werk Die unsichtbare Loge bejahen. Denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt stellt sich bei genauerem Hinsehen heraus, dass die textimmanente Forschung bislang bei weitem den Tiefgang vermissen lässt, der zur Erhellung der literarischen Qualität dieses Romans notwendig wäre. Dabei haben sich die meisten Beiträge auf das sogenannte "unterirdische Pädagogium" spezialisiert, jedoch ohne dass es bislang zu einer plausiblen Darstellung der Zusammenhänge von Erziehung und Charaktertopik gekommen wäre.
Gerade was die einzelnen Romanfiguren betrifft, wurden einige kompositorische Aspekte, figur-anthropologische und sozial-topographische Anordnungen, in der mir zugänglichen Literatur nicht ausreichend expliziert. So stellt Gerd Ueding in seiner Darstellung zum unterirdischen Pädagogium fest:
„Überhaupt entfaltet sich die Geschichte Gustavs, nachdem er Auenthal, das Paradies seiner Kindheit, verlassen hat und in die Residenz Scheerau gekommen ist, zunehmend als die Geschichte einer Entfremdung […]. Ihren Höhepunkt können wir leicht ausmachen, nämlich die Verführung Gustavs durch die Regentin Bouse […]“.
1. Einleitung: Einführung in die Forschungslage zum Erstlingswerk Jean Pauls und Darlegung des anthropologischen Zugangs unter Einbeziehung Rousseaus.
2. Narrative Spiegelungen: Jean Paul und „Jean Paul“: Analyse der Rolle des Erzählers als Alter-Ego und des humoristisch-digressiven Erzählstils.
3. Tugend und Ökonomie: Untersuchung der ökonomischen Dimension von Charakterzügen anhand der Figuren von Röper, Hoppedizel und Oefel.
4. Vernunft und Gefühl: Erörterung des „hohen Menschen“ und der nihilistischen Tendenzen am Beispiel Ottomars.
5. Leib und Seele: Gegenüberstellung von kleinbürgerlichem Familien-Idyll und aristokratischem Hofleben anhand von Essszenen.
6. Entfremdung und Pädagogik: Auseinandersetzung mit den Erziehungskonzepten in der Unsichtbaren Loge und der Rolle des Genius.
7. Schluss: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse zur anthropologischen Topik und den Bezügen zu Rousseau.
Jean Paul, Die unsichtbare Loge, Anthropologische Topik, Rousseau, Entfremdung, Pädagogik, Unterirdisches Pädagogium, Charaktertopik, Vernunft, Gefühl, Ökonomie, Narrativik, Literaturwissenschaft, Menschenbild, Aufklärung.
Die Arbeit analysiert Jean Pauls Roman Die unsichtbare Loge, wobei sie das Werk primär unter anthropologischen Gesichtspunkten betrachtet und die literarische Charakterzeichnung in Bezug zur zeitgenössischen Philosophie setzt.
Zu den Schwerpunkten gehören das Verhältnis von Vernunft und Gefühl, die Bedeutung ökonomischer Kategorien in der Charaktergestaltung sowie die pädagogischen Konzepte innerhalb der Romanhandlung.
Das Ziel ist es, neue Zugänge zum Werk zu erschließen, indem die fehlende Verbindung zwischen der Charaktertopik und dem Erziehungsdiskurs in Jean Pauls Roman herausgearbeitet und mit den Theorien Rousseaus kontrastiert wird.
Die Arbeit nutzt einen anthropologischen Zugang, um die intertextuellen Bezüge zu den Schriften Rousseaus zu untersuchen und die Figurenkonstellationen im Roman topisch einzuordnen.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den narrativen Strukturen, den wirtschaftlichen Interessen der Romanfiguren, dem Dualismus von Vernunft und Gefühl sowie einer detaillierten Betrachtung des pädagogischen Experiments im „unterirdischen Pädagogium“.
Zu den prägenden Begriffen zählen Jean Paul, Entfremdung, Anthropologische Topik, Rousseau, Pädagogik und Charaktertopik.
Das Spiegelmotiv fungiert als zentrales Symbol für Eitelkeit und die Vervielfältigung des Ichs in einer entfremdeten Gesellschaft, wodurch Jean Paul die innere Zerrissenheit seiner Figuren offenlegt.
Das Rousseau-Verständnis dient als theoretisches Korrektiv, um die Entwicklung der Romanfiguren vom natürlichen Zustand hin zur entfremdeten „Sozialmaschine“ zu deuten und die Kritik an zeitgenössischen Erziehungsidealen zu schärfen.
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