Bachelorarbeit, 2012
56 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Ziele, Methoden und Aufbau
3. Literaturbericht und Forschungsstand
4. Ein kleiner Einblick in die Welt des Hörspiels
4.1. Ingeborg Bachmann „Der gute Gott von Manhattan“ ̶ Ein Hörspiel
5. Die Liebe ̶ Das Mittel zur Destruktion sozialer Ordnung
5.1. Der Schauplatz Manhattan
5.2. Die Liebe als Gefahr für Leben und Ordnung
5.3. Der Austritt aus aller Ordnung
5.3.1. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
5.4. Die Folgen der Ordnung für das Dasein der Liebenden
6. Dekonstruktion der Ordnung und des Rechts
6.1. Jacques Derrida und die Dekonstruktibilität der Rechtsordnung
6.1.1. Die Notwendigkeit von Entscheidungen
6.2. Der gute Gott ̶ Eine Figur voller Widersprüche
6.3. Die letzten drei Gerichtsszenen und ihre Bedeutungen
6.3.1. Mord als Rechtsbruch und Gefahr für die Ordnung
6.3.2. Die Liebe als Auslöser des Ausnahmezustandes
6.3.3. Das Schweigen des Richters
7. Schluss
8. Ausblick
9. Anhang
Die vorliegende Arbeit analysiert Ingeborg Bachmanns Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ unter Anwendung dekonstruktivistischer Ansätze, um die komplexen Zusammenhänge zwischen sozialer Ordnung, rechtlicher Autorität und dem destruktiven Potenzial der Liebe innerhalb der Gesellschaft zu untersuchen.
5. Die Liebe ̶ Das Mittel zur Destruktion sozialer Ordnung
„RICHTER: […] Damit ein natürliches und gesundes Empfinden ̶ GUTER GOTT: ̶ etwa zu seinem Recht kommt? Aber es ist weder natürlich noch gesund. Sie umarmten einander und dachten schon an die nächste Umarmung. Sie gaben einem Verlangen, das von der Schöpfung nicht so gedacht sein kann, mit einer Laune nach, die ernsthafter war als jeder Ernst, und schwuren sich Gegenwart und sonst nichts, […].“
Die Einstellung des guten Gottes scheint eindeutig. Die Liebe in ihrer vollkommensten und schönsten Form ist für ihn alles andere als wunderbar. Für den guten Gott stellt sie eine besonders schlimme Bedrohung für die Ordnung dar, eine furchtbare Gefahr für die Gesellschaft. Das beste Gefühl der Welt wird hier zum Gegner der Ordnung erklärt und damit auch zum Feind des guten Gottes.
Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, als hätte Ingeborg Bachmann lediglich diesen Kontrast Liebe ̶ Ordnung gewählt, um scharfe Kritik an der Welt üben zu können, an all ihren Regeln und Gesetzen. Eine Gesellschaft, in der die höchste Form von Liebe keinen Platz hat, in der Menschen, die anders denken, fühlen und handeln nicht mehr Teil der Gemeinschaft sind. Eine Ordnung, die gnadenlos ist, gegen die man sich nicht wehren kann und am Ende scheitern muss. Das Streben nach dem Unmöglichen, dem „anderen Zustand“, ist zum Untergang verdammt.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die thematische Relevanz von Ordnung und gesellschaftlichen Erschütterungen im Werk von Ingeborg Bachmann ein und verknüpft diese mit der Theorie von Jacques Derrida.
2. Ziele, Methoden und Aufbau: Dieses Kapitel definiert die analytische Vorgehensweise, insbesondere die Nutzung der Dekonstruktion zur Untersuchung der sozialen und rechtlichen Ordnung innerhalb des Hörspiels.
3. Literaturbericht und Forschungsstand: Hier wird der aktuelle Stand der Forschung zu Ingeborg Bachmanns Werk und zum Hörspielgenre in den 1950er Jahren dargelegt.
4. Ein kleiner Einblick in die Welt des Hörspiels: Das Kapitel beleuchtet die historische Bedeutung des Hörspiels im Rundfunk der 1950er Jahre und dessen Stellenwert für Ingeborg Bachmann.
5. Die Liebe ̶ Das Mittel zur Destruktion sozialer Ordnung: Hier wird die Liebe als Bedrohung für die soziale Ordnung in Manhattan analysiert und die Rolle der Liebenden innerhalb dieses Systems untersucht.
6. Dekonstruktion der Ordnung und des Rechts: Dieses Kernkapitel wendet dekonstruktive Theorien und Schmittsche Konzepte auf die Figur des guten Gottes und die juristische Gerichtsverhandlung an.
7. Schluss: Der Schluss fasst die Widersprüchlichkeit der Ordnung zusammen und betont das offene, nicht eindeutig auflösbare Ende des Hörspiels.
8. Ausblick: Der Ausblick zeigt weitere Forschungsmöglichkeiten auf, wie etwa die Anwendung der Systemtheorie nach Niklas Luhmann oder rhetorische Untersuchungen der Dialoge.
Ingeborg Bachmann, Der gute Gott von Manhattan, Soziale Ordnung, Dekonstruktion, Rechtsordnung, Liebe, Souveränität, Ausnahmezustand, Jacques Derrida, Carl Schmitt, Gesellschaftskritik, Hörspiel, Macht, Gerechtigkeit, Paradoxien.
Die Arbeit untersucht das Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“ von Ingeborg Bachmann unter dem Aspekt der ordnungspolitischen und rechtlichen Spannungsfelder, die durch die Liebe der Protagonisten aufgedeckt werden.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft, die Konstruktion von Recht und Ordnung sowie das Spannungsfeld zwischen der absoluten Liebe und der geltenden gesellschaftlichen Norm.
Ziel ist es, zu analysieren, ob die Figur des „guten Gottes“ eine legitime Ordnung verteidigt oder ob seine Handlungen (insbesondere der Mord) als reine Zerstörung zu werten sind, und ob diese im rechtlichen Sinne dekonstruiert werden können.
Die Arbeit nutzt schwerpunktmäßig die dekonstruktivistische Methode nach Jacques Derrida sowie die Theorie des Ausnahmezustands nach Carl Schmitt, um die Strukturen von Recht, Souveränität und Ordnung zu hinterfragen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung der sozialen Welt Manhattans, eine tiefgehende Analyse der Liebe als Bedrohungsfaktor und eine Anwendung dekonstruktiver sowie rechtsphilosophischer Theorien auf die Gerichtsverhandlung des Hörspiels.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Dekonstruktion, Souveränität, Ausnahmezustand, Rechtsordnung, Ordnung, Liebe und das Spannungsfeld zwischen der gesellschaftlichen Instanz und dem individuellen Freiheitsdrang.
Der „gute Gott“ fungiert als eine Autoritätsfigur, die sich außerhalb der normalen Rechtsordnung stellt; die Analyse hinterfragt, ob er als Souverän gelten kann, der aufgrund einer Notlage rechtmäßig handelt, oder ob er lediglich einen Rechtsbruch begeht.
Das Schweigen des Richters wird als ein Zeichen der Resignation oder der bewussten Toleranz einer Regelverletzung interpretiert, was die Machtlosigkeit gegenüber der höheren Autorität des „guten Gottes“ und die Fragilität der Rechtsordnung verdeutlicht.
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