Bachelorarbeit, 2012
61 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Martin Luther: biographischer Abriss
3 Luther ad fontes
4 Luthers eigene Aussagen zu seiner Übersetzungstätigkeit
4.1 Luthers Hauptziel: „rein vnd klar teutsch geben“
4.2 Sinn für Sinn/ „die wort faren lassen“
4.3 Wort für Wort/ „stracks den worten nach gedolmetscht“
5 Luthers Übersetzungsstrategien
5.1 Literarisierung
5.1.1 Metaphernverstärkung
5.1.2 Klangfiguren: Alliteration
5.1.3 Epanalepse
5.1.4 Figura etymologica
5.2 Wortneuschöpfungen
5.3 Anpassung an die gesprochene Sprache
5.3.1 Grußformeln und Anreden
5.3.2 Modalpartikel
5.4 Idiomatik
5.4.1 Idiomatik im griechischen Text
5.4.2 Idiomatik im deutschen Text
5.5 Rücksicht auf die Schicklichkeit
5.6 Kulturelle Eigenheiten
5.7 Exegese
6 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht Luthers Übersetzungsstrategien bei der Verdeutschung des Neuen Testaments aus dem Altgriechischen, wobei insbesondere beleuchtet wird, wie Luther durch literarische Mittel, sprachliche Anpassungen und theologische Exegese den griechischen Text in ein verständliches und lebendiges Deutsch überführte, um sein Ziel „dem Volk aufs Maul zu sehen“ zu erreichen.
5.1.1 Metaphernverstärkung
Die Metaphernverstärkung ist eine Übersetzungsstrategie, die Luther im Neuen Testament recht häufig verwendet. Dies ergibt sich sicherlich aus seinem Bestreben, sich möglichst eingängig und anschaulich auszudrücken: Dieses Bestreben zeichnet nicht nur seine Bibelübersetzung sondern auch Luthers eigene Schriften, in denen sich zahlreiche Metaphern, Vergleiche etc. finden.
Zunächst möchte ich ein (in seiner deutschen Übersetzung sehr bekanntes) Beispiel aus der Bergpredigt geben:
Mt 6,26
ἐμβλέψατε εἰς τὰ πετεινὰ τοῦ οὐρανοῦ [...]
Sehet die Vogel vnter dem Himmel [...]
Mt 6,28
καταμάθετε τὰ κρίνα τοῦ ἀγροῦ
Schawet die Lilien auff dem felde
In beiden Fällen hat Luther das griechische Genitivattribut durch eine deutsche Präpositionalphrase aufgelöst: Die hierbei verwendeten Präpositionen „auff“ und „vnter“ verstärken die Opposition Himmel / Erde, die im Griechischen „nur“ durch die beiden Substantive ausgedrückt wird: τοῦ οὐρανοῦ / τοῦ ἀγροῦ. Das bloße „Sehen“ erhält somit zwei konkrete Blickrichtungen: zunächst nach oben, „unter den Himmel“, dann nach unten, „auf das Feld“. Eine wörtliche Übersetzung hingegen hätte (zumindest im heutigen Deutsch) eher nach biologischer Klassifikation, denn nach poetischem Gleichnis geklungen: „die Vögel des Himmels“ im Gegensatz zu den Vögeln des Wassers oder den Vögeln des Landes, „die Lilien des Feldes“ im Gegensatz zu den Lilien des Waldes oder den Lilien des Gebirges. Anstatt in solch nüchternen Kategorien zu übersetzen, hat Luther hier also die Metapher verstärkt und ergänzt.
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments anhand des griechischen Urtextes kritisch zu vergleichen und seine sprachlichen Strategien zu hinterfragen.
2 Martin Luther: biographischer Abriss: Dieser Abschnitt bietet einen kurzen Überblick über Luthers Lebensweg, seine Ausbildung und die historischen Ereignisse, die zu seiner Bibelübersetzung führten.
3 Luther ad fontes: Hier wird Luthers Bezugnahme auf die griechischen Originaltexte (nach Erasmus von Rotterdam) und sein humanistisches Ideal „ad fontes“ thematisiert.
4 Luthers eigene Aussagen zu seiner Übersetzungstätigkeit: Das Kapitel analysiert Luthers theoretische Grundlagen, insbesondere seinen Wunsch nach einer verständlichen deutschen Sprache und das Spannungsfeld zwischen „Sinn für Sinn“- und „Wort für Wort“-Übersetzung.
5 Luthers Übersetzungsstrategien: In diesem Hauptteil werden konkrete Verfahren wie Literarisierung, Wortneuschöpfungen, idiomatische Anpassungen und die Berücksichtigung von Schicklichkeit detailliert untersucht.
6 Zusammenfassung: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und Luthers Arbeitsweise als eine inkonsequente, aber durch eine menschliche und auf das Volk ausgerichtete Perspektive geprägte Praxis bewertet.
Martin Luther, Bibelübersetzung, Neues Testament, Altgriechisch, Übersetzungsstrategien, Sprachgeschichte, Literarisierung, Wortneuschöpfung, Idiomatik, Exegese, Septuaginta, Vulgata, Sendbrief vom Dolmetschen, Reformation, deutsche Sprache
Die Arbeit untersucht, wie Martin Luther bei der Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Altgriechischen vorging und welche Strategien er anwandte, um den Text für seine Zeitgenossen verständlich und wirkungsvoll zu gestalten.
Zentrale Themen sind Luthers Sprachverständnis, seine methodischen Ansätze bei der Wortwahl, der Einsatz literarischer Stilmittel, die Anpassung an die Lebenswelt des 16. Jahrhunderts sowie der Einfluss seiner theologischen Überzeugungen auf die Übersetzung.
Das Ziel ist es, Luthers Übersetzungspraxis anhand ausgewählter Textstellen mit dem griechischen Original zu vergleichen und zu prüfen, inwieweit Luther sein Ideal verfolgte, „dem Volk aufs Maul zu schauen“.
Es handelt sich um eine vergleichende Textanalyse, bei der Luther-Zitate dem griechischen Urtext und dem humanistischen Kenntnisstand der Zeit gegenübergestellt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene strategische Bereiche, darunter die literarische Gestaltung, Neuschöpfung von Begriffen, die Anpassung an mündliche Sprachgewohnheiten, den Umgang mit griechischer Idiomatik und die theologische Exegese.
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Luther, Bibelübersetzung, Übersetzungsstrategien, Altgriechisch, Reformation und Sprachgeschichte charakterisieren.
Die Hinzufügung des Wortes „alleine“ zum Begriff „Glaube“ provozierte scharfe Kritik, da sie theologisch als eigenmächtige Interpretation wahrgenommen wurde, obwohl Luther sie mit dem „Sinn“ des Paulus begründete.
Das Ideal „ad fontes“ (zu den Quellen) bedeutet für Luther die Rückbesinnung auf den griechischen und hebräischen Urtext, um sich von einer rein an der lateinischen Vulgata orientierten Auslegung zu lösen.
Luther wählte oft Umschreibungen für Begriffe, die er als zu derb oder anstößig empfand, um den Text für seine Leser zugänglicher und „schicklicher“ zu machen, ohne den theologischen Kern zu verlieren.
Der Autor stellt fest, dass Luther nicht nach einem starren System verfuhr, sondern an manchen Stellen wörtlich übersetzte, während er an anderen Stellen frei und interpretierend eingriff, was in der Gesamtschau ein nicht völlig einheitliches, aber sehr „menschliches“ Übersetzungswerk ergibt.
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