Examensarbeit, 2013
101 Seiten, Note: 1,0
1 Humor der Klasse – Eine Einführung in die Soziologie des Humors für Lehrer
1.1 Einleitung
1.2 Aufbau und Fragestellungen der Arbeit
2 Humor als Untersuchungsgegenstand
2.1 Historische Perspektiven auf den Humor und das Lachen
2.1.1 Antike
2.1.2 Mittelalter
Erster Narrenspiegel: Karneval/ Fest der Narren, Narrenvereinigungen, Hofnarrentum
2.1.3 Moderne
2.2 Traditionelle Theorien des Humors
2.2.1 Überlegenheitstheorien
2.2.2 Entspannungstheorien
2.2.3 Inkongruenztheorien
2.3 Verwandte Begriffe und ihr Bezug zum Humor
2.3.1 Humor und Komik
2.3.2 Ausgewählte Formen der Komik
2.4 Lachen und Lächeln
2.4.1 Lachen
2.4.2 Lächeln
3 Konsequenzen für eine Soziologie des Humors
4 Ausgewählte Theorieelemente einer Soziologie des Humors
4.1 Theorie der Zivilisation
4.1.1 Wirkungen der Fremd- und Selbstzwänge auf Humor und Komik
4.1.2 Zivilisierter Humor und zivilisierte Komik
4.1.3 Sozialisation von zivilisierter Komik und zivilisiertem Humor
4.1.4 Sozialisationskontexte und ihre Auswirkungen auf die Zivilisierung von Humor und Komik
4.2 (Körper-)Disziplinierung und Macht
4.2.1 Humor und Komik als Elemente der Sub-Justiz
4.2.2 Humor und Komik als abweichendes Verhalten
4.2.3 Normierende Sanktionen und Humor und Komik
4.3 Theorie der Kunstwahrnehmung
4.3.1 Komikwahrnehmung als Kunstwahrnehmung
4.3.2 Sozialisation von Komikwahrnehmung als Kunstwahrnehmung
4.3.3 Sozialisationskontexte und ihre Auswirkung auf Komikrezeption und –produktion
Zweiter Narrenspiegel: Narrentum des 21. Jahrhunderts – Sinn und Stil der modernen Narretei in den Medien
5 Soziologische Perspektiven und ihre Konsequenzen für den Humor in der Schule
6 Humor und Komik in Schule und Unterricht
6.1 Schule – Ernst des Lebens?
6.2 Humor und Komik der Lehrenden und Lernenden
6.2.1 Bedeutung und Funktion des Humors für Lehrende
6.2.2 Humorentwicklung von Kindern und Jugendlichen
6.2.3 Herausforderung des Kinder- und Jugendhumors für Bildung und Erziehung
6.3 Pädagogischer Humor im Klassenzimmer
6.3.1 Pädagogischer Humor und Unterrichtsqualität
6.3.2 Pädagogischer Humor und Unterrichtsdisziplin
6.3.3 Humor als Unterrichtsgegenstand
6.4 Herausforderungen und Grenzen pädagogischen Humors
6.4.1 Herausforderungen pädagogischen Humors
6.4.2 Grenzen des pädagogischen Humors
Dritter Narrenspiegel: Klassenclown vs. Klassennarr
7 Humor im Klassenzimmer - Zwischenfazit
7.1 Pädagogischer Humor als erfolgreiches didaktisches Mittel
7.2 Negativer Humor als ungeeignetes Mittel in Bildung und Erziehung
8 Zusammenfassung und Ausblick
8.1 Zusammenfassung
8.2 Ausblick
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, den Humor als komplexes soziales Phänomen für den pädagogischen Kontext nutzbar zu machen, indem sie soziologische Erklärungsansätze für dessen Wirkung und Funktion in Schule und Unterricht systematisch aufbereitet und reflektiert.
2.1.1 Antike
Der Humor der Antike ist zwangsläufig mit der Komödie verbunden. Die Form des erheiternden Dramas geht auf den Dionysoskultus zurück. Dionysos, der Gott der Fruchtbarkeit und der Ekstase, stand für einen Bruch mit sämtlichen Konventionen des Anstandes. Der Kult um ihn wurde in dionysischen Riten konserviert, aus denen auch die frühe Komödie ihre ersten Inspirationen erhielt. Im Laufe der Antike domestiziert, wurden der „Komödie die Reißzähne gezogen“ (Berger 1998: 20). Die Komödie gefährdete zunächst die öffentliche Ordnung, da sie sich auch anmaßte, Heiliges, Hässliches und Widersprüchliches in einem lächerlichen Licht darzustellen. Die subversive Macht des Komischen wurde gefürchtet, da sie in gewisser Weise fähig war, die bestehende Gesellschaftsform zu kritisieren (vgl. Müller-Kampel 2012: 7; Räwel 2005: 206).
„Sie musste unter Kontrolle gebracht und in eine Art Freigehege gesperrt werden. Man könnte sagen, dass die Komödie auf dem Theater schon eine solche Eingrenzung des komischen Erlebens ist, eine Ritualisierung in gesellschaftlich akzeptablen Formen innerhalb der Grenzen der Bühne. Die Zuschauer lachen, und das mag sie davon abhalten, im Bezirk der Religion und des Staates (und über diese) zu lachen“ (Berger 1998: 20f.).
Innerhalb der differenzierten Gesellschaftsform zur Zeit der Antike wurde jegliche Art abweichenden Verhaltens kritisiert, zu dem auch das Lachen zählte. Die Darstellung von abweichendem Verhalten in Form der Komödie und das dadurch ausgelöste Lachen waren deshalb stark negativ konnotiert: Lachen, Humor und Moral waren eng miteinander verknüpft. Lachen wurde als ein Spiel mit Überlegenheit interpretiert und dementsprechend als moralisch verwerflich beurteilt (vgl. Räwel 2005: 204). Die Komik bestand in der Herabsetzung und Demütigung jener, die nicht normkonform galten und in der Sprache von Aristoteles und Platon das Hässliche repräsentierten. Die Interpretationen der griechischen Philosophen finden sich zu einem späteren Zeitpunkt dieser Arbeit als Überlegenheitstheorien des Humors wieder. Neben der Instrumentalisierung in Bezug auf die Moral hat es jedoch auch zur Zeit der Antike schon spielerische Formen des Humors gegeben.
1 Humor der Klasse – Eine Einführung in die Soziologie des Humors für Lehrer: Einführung in die soziale Relevanz von Humor und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2 Humor als Untersuchungsgegenstand: Historischer Überblick über die Entwicklung von Humor und Komik sowie Darstellung der klassischen Humortheorien.
3 Konsequenzen für eine Soziologie des Humors: Zusammenfassende Betrachtung der Humorkonzepte als Vorbereitung für den soziologischen Transfer.
4 Ausgewählte Theorieelemente einer Soziologie des Humors: Theoretische Fundierung durch Elias' Zivilisationstheorie, Foucaults Machtanalyse und Bourdieus Kunsttheorie.
5 Soziologische Perspektiven und ihre Konsequenzen für den Humor in der Schule: Verbindung der theoretischen Ansätze mit dem schulischen Umfeld.
6 Humor und Komik in Schule und Unterricht: Detaillierte pädagogische Analyse der Anwendung und Funktion von Humor im schulischen Alltag.
7 Humor im Klassenzimmer - Zwischenfazit: Reflektion über den didaktischen Nutzen und die Grenzen von pädagogischem Humor.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Resümee der theoretischen Ergebnisse und Diskussion zukünftiger Forschungsfragen im Bereich Humor und Bildung.
Humor, Komik, Soziologie, Lachen, Schule, Unterricht, Pädagogik, Zivilisation, Macht, Sozialisation, Narrentum, Interaktion, Kommunikation, Kunstwahrnehmung, Unterrichtsqualität
Die Arbeit untersucht das soziale Phänomen Humor aus einer soziologischen Perspektive, um dessen Funktionen und Auswirkungen auf die gesellschaftliche Interaktion und speziell den pädagogischen Schulalltag zu ergründen.
Die zentralen Themenfelder umfassen die historische Entwicklung des Humors, klassische und moderne Humortheorien sowie die soziologische Analyse von Humor als Element von Macht, Disziplin und Sozialisation.
Das Ziel ist es, Humor als „Mixtum Compositum“ soziologisch greifbar zu machen und zu klären, wie dieses Potenzial konstruktiv in Bildung und Erziehung eingesetzt werden kann, ohne dabei die professionellen Rollengrenzen in der Schule zu gefährden.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der primär soziologische Theorieelemente (insb. Norbert Elias, Michel Foucault und Pierre Bourdieu) auf das Phänomen Humor überträgt und durch pädagogische Erkenntnisse sowie kulturwissenschaftliche Vergleiche stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung soziologischer Begriffe des Humors und deren Transfer in den schulischen Bereich, wobei insbesondere der „pädagogische Humor“ als Mittel zur Unterrichtsgestaltung und Stressbewältigung analysiert wird.
Die wichtigsten Begriffe sind Humor, Soziologie, Sozialisation, Zivilisierung, Schule, Pädagogik, Macht/Disziplin und Kunstwahrnehmung.
Während der „Klassenclown“ oft als Störenfried mit ichbezogenem Verhalten stigmatisiert wird, zeichnet sich der vom Autor favorisierte „Klassennarr“ durch sozialbezogenen Humor aus, der die Gruppendynamik bereichert und aktiv zur Unterrichtsatmosphäre beiträgt.
Das Internet fungiert als neuer Raum für komische Produktionen, die oft gesellschaftliche Tabus oder Katastrophen thematisieren, und verdeutlicht die Verlagerung des Humors aus dem öffentlichen in den privaten Bereich sowie dessen globale Verbreitung.
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