Bachelorarbeit, 2013
40 Seiten, Note: 1,0
I. Einleitung
II. Diem-Debatten im 20. Jahrhundert
1. Die erste Diem-Debatte um die Bundestagssitzung vom 23. März 1950
2. Die zweite Diem-Debatte im Vorfeld der Olympischen Spiele 1972
3. Die dritte Diem-Debatte - Mythos Carl Diem von 1987
4. Die vierte Diem-Debatte - Das Gutachten von Teichler 1996
III. Die neueste Diem-Debatte: Auslöser, Positionen, Gegenstände und Deutungen
1. Das Forschungsprojekt Leben und Werk Carl Diems
2. Schäfers Diem-Eintrag im Handbuch des Antisemitismus
3. Diskussionsgegenstände
a. Antisemitismus
b. Nationalsozialismus
c. Militarismus
4. „Kritische Historiker“ gegen "Diemologen"
IV. Geschichtspolitische Konsequenzen im Zuge der neuesten Diem-Debatte
1. Zum Verhältnis von (Sport-)Geschichtswissenschaft und (Sport-)Geschichtspolitik
2. Die Umbenennung der Carl-Diem-Plakette
3. Die Umbenennungen von Carl-Diem-Straßen, -Wegen, -Sportplätzen und -Hallen
V. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit analysiert die neueste Diem-Debatte, die etwa 2009 begann und bis in die Gegenwart anhält, und untersucht deren Auswirkungen auf die deutsche Fachöffentlichkeit sowie die daraus resultierenden geschichtspolitischen Konsequenzen.
a) Antisemitismus
Die Frage, ob Diems Denken und Handeln mit dem Begriff des Antisemitismus zu beschreiben sei, war wohl die am heftigsten diskutierte und soll daher auch als erstes durchleuchtet werden. „Wer hierzulande vom Antisemitismus spricht, tut dies meist mit Blick auf den Holocaust. Unter Antisemiten stellt man sich Fanatiker wie Julius Streicher vor, brutale SA-Schläger oder sadistische SS-Schergen, die als Propagandisten, Schreibtischtäter oder KZ-Wärter ihre Untaten begingen.“ Mit diesen Sätzen beginnt Ralf Schäfer seinen Beitrag in der dritten ZfG-Ausgabe von 2011 und bringt die Problematik eines verfremdeten Verständnisses des Begriffs Antisemitismus, wie er „hierzulande“ typisch scheint, auf den Punkt. Dabei meint er eine Interpretation zu erkennen, in der antisemitisch nur derjenige sei, der im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie judenfeindlich war. Diese Deutung stellt für ihn jedoch eine Verengung dar, denn bereits im wilhelminischen Kaiserreich waren judenfeindliche Haltungen vorhanden. Somit war Antisemitismus keine neue Idee des Nationalsozialismus, viel mehr griffen „(a)ntisemitische Einstellungen und Praktiken (...) in Bürgertum und Adel schon im Kaiserreich um sich, prägten soziale Beziehungen, kulturelles Handeln, politische und staatliche Strukturen“.
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Kontroverse um Carl Diem ein und skizziert die Fragestellung sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
II. Diem-Debatten im 20. Jahrhundert: Das Kapitel bietet einen Überblick über die vier zentralen Diem-Debatten des vergangenen Jahrhunderts, um die Genese der aktuellen Auseinandersetzung verständlich zu machen.
III. Die neueste Diem-Debatte: Auslöser, Positionen, Gegenstände und Deutungen: Hier werden die zentralen Diskussionspunkte wie Antisemitismus, Nationalsozialismus und Militarismus im Kontext des Forschungsprojekts und der Fachpublikationen eingehend untersucht.
IV. Geschichtspolitische Konsequenzen im Zuge der neuesten Diem-Debatte: Dieses Kapitel thematisiert das Spannungsfeld zwischen Sportgeschichtswissenschaft und Politik und dokumentiert die praktischen Konsequenzen, insbesondere Umbenennungen von Institutionen und Straßennamen.
V. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und reflektiert das anhaltende Fehlen eines konsensfähigen Diem-Bildes in der deutschen Sportgeschichte.
Carl Diem, Diem-Debatte, Nationalsozialismus, Antisemitismus, Militarismus, Sportgeschichte, Erinnerungskultur, Geschichtspolitik, Frank Becker, Michael Krüger, Ralf Schäfer, Sporthistorikerstreit, NS-Regime, Biographie, Umbenennungen.
Die Arbeit befasst sich mit der kontroversen Wahrnehmung und Bewertung des deutschen Sportfunktionärs Carl Diem im Kontext seiner Rolle während der NS-Zeit und darüber hinaus.
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Aufarbeitung von Diems Wirken, insbesondere unter den Aspekten Antisemitismus, Nähe zum Nationalsozialismus und Militarismus, sowie die öffentliche und politische Reaktion darauf.
Ziel ist es, die neueste Diem-Debatte seit circa 2009 zu analysieren und aufzuzeigen, wie unterschiedliche wissenschaftliche Sichtweisen zu politischen Konsequenzen wie Umbenennungen geführt haben.
Der Autor führt eine quellenkritische Analyse der aktuellen fachwissenschaftlichen Debatte durch, wobei vor allem Fachzeitschriftenartikel und die vierbändige Diem-Biographie als primäre Quellen dienen.
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der früheren Debatten, die detaillierte Untersuchung der aktuellen Kontroversen in der Sportgeschichtswissenschaft und die Analyse der daraus resultierenden Umbenennungspraxis in Kommunen und Verbänden.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Erinnerungskultur, Sportgeschichtsschreibung, Diem-Debatte und geschichtspolitische Konsequenzen geprägt.
Die „Diemologen“ werden als Forscherkreis beschrieben, der tendenziell eine apologetische Sichtweise auf Diem vertritt, während die „kritischen Historiker“ sein Wirken stärker im Kontext faschistischer Strukturen bewerten.
Teichlers Gutachten von 1996 ist ein zentraler Referenzpunkt, da es zur damaligen Zeit keine Notwendigkeit für Umbenennungen sah, eine Position, die in späteren Jahren innerhalb der Fachwelt zunehmend in Frage gestellt wurde.
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