Bachelorarbeit, 2011
40 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Bedeutung der Diskursanalyse
3 Machtzugang in der Diskursanalyse bei Foucault
3.1 Die Macht im Untersuchungsfeld der foucaultschen Diskursanalyse
3.2 Strategischer Zugang zur Macht
4 Machteffekte der produktiven Macht
4.1 produktive Macht statt subjektivistische Theorien
4.2 Episteme statt Erkenntnisfähigkeit
4.3 Dispositiv statt Handlungsfähigkeit
4.4 Selbsttechniken statt Identität
5 Fazit
Die Arbeit untersucht kritisch die Machteffekte, die aus der methodischen Fundierung der Diskursanalyse nach Foucault resultieren. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie bestimmte theoretische Annahmen, insbesondere die Dezentrierung des Subjekts und der Fokus auf produktive Macht, zu Inkompatibilitäten mit anderen sozialwissenschaftlichen Ansätzen führen und den Ausschluss bestimmter Fragestellungen zur Folge haben.
3.1 Die Macht im Untersuchungsfeld der foucaultschen Diskursanalyse
Foucault verfolgt nach eigener Aussage mit der Diskursanalyse den Anspruch, die Machteffekte elementarer gesellschaftlicher Beziehungen aufzudecken, um damit eine ‚Mikrophysik der Macht‘ freizulegen und zu einem feldartigen Ganzen der Geschichte zusammenzufügen (Ruoff 2007: 157). Die Diskursanalyse ist also ein Instrumentarium für die Analyse der Macht, sodass keine eindeutige Definition vorweggenommen werden könne (Foucault 1999: 23; Ruoff 2007: 152). Dennoch wird ein bestimmter produktiver Zugang zur Macht vorausgesetzt, der die Diskursanalyse in einer methodischen Entwicklung hervorgebracht hat.
Foucault geht davon aus, dass es in jedem gesellschaftlichen Zusammenleben Machtbeziehungen gibt, die maßgeblich für die gesamte Gesellschaft und ihre Entwicklung sind: „In Gesellschaft leben bedeutet: Es ist stets möglich, dass die einen auf das Handeln anderer einwirken. Eine Gesellschaft ohne Machtbeziehungen wäre nur eine Abstraktion“ (Foucault 2005a: 289).
Jede Form von Interaktion beeinflusst andere und ist entsprechend machtvoll. Interaktion beginnt bereits mit einem Kommunikationsakt. Kommunikation wird daher mehr Bedeutung beigemessen, als bloßes Instrument oder Ausdrucksform zu sein. Foucault geht dabei so weit, die Vorstellung von Kommunikation als intentionalem Akt abzulehnen und ihr umgekehrt eine Eigengesetzlichkeit zu konstatieren. Die Menschen sind in ihren Aussagen davon abhängig was normativ ‚sagbar‘ ist und sind dabei genötigt, eine lexikalisch und grammatikalische Form zu wahren. Daher strukturieren sich elementare Beziehungsformen entlang der Möglichkeit ihrer Kommunikation. Ausdrucksformen und als gültig anerkannte Wahrheiten sind Gegenstand eines umkämpften Feldes.
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Kritik des klassischen Wissensbegriffs durch die foucaultsche Diskursanalyse ein und legt die Fragestellung dar, welche Machteffekte in dieser Methode selbst eingeschrieben sind.
2 Bedeutung der Diskursanalyse: Dieses Kapitel verortet die Foucaultsche Diskursanalyse innerhalb der modernen Wissensgesellschaft und stellt ihre zentrale Rolle für den Einfluss der Diskursanalyse als Ganzes heraus.
3 Machtzugang in der Diskursanalyse bei Foucault: Das Kapitel beleuchtet den spezifischen, produktiven Machtbegriff Foucaults als strategische Gesamtwirkung und analysiert, wie diese methodische Setzung den Analyserahmen für gesellschaftliche Phänomene definiert.
4 Machteffekte der produktiven Macht: Dieser Hauptteil zeigt auf, wie die Dezentrierung des Subjekts und die methodische Fokussierung auf Machtdispositive zu Inkompatibilitäten mit subjektivistischen, erkenntnistheoretischen und handlungsorientierten Theorien führen.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kompatibilitätsprobleme kein bloßes Defizit der Diskursanalyse sind, sondern ihre spezifische Eigenheit und ihren Erkenntnisanspruch widerspiegeln, wobei jedoch vor einer unkritischen Anwendung in aktuellen sozialwissenschaftlichen Fragestellungen gewarnt wird.
Diskursanalyse, Michel Foucault, Machteffekte, produktive Macht, Subjektivierung, Episteme, Dispositiv, Handlungsfähigkeit, Wissenssoziologie, Feministische Forschung, Macht-Wissen, Identitätskritik, Governance, Sozialwissenschaften, Kompatibilitätsprobleme.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die methodische Konstruktion der foucaultschen Diskursanalyse, um aufzuzeigen, wie sie durch ihren spezifischen, produktiven Machtbegriff bestimmte Erkenntnisinteressen privilegiert und andere, insbesondere subjekt- und handlungstheoretische Zugänge, ausschließt.
Zentrale Themenfelder sind die Verbindung von Macht und Wissen, die Problematisierung des Subjektbegriffs, das Verhältnis von Diskursen zu Erkenntnis und Handlungsfähigkeit sowie die Übertragbarkeit der Diskursanalyse auf andere Disziplinen wie die Wissenssoziologie oder den Feminismus.
Das primäre Ziel ist eine methodologische Rekonstruktion der Diskursanalyse, um zu zeigen, dass sich Machteffekte nicht nur im Gegenstand der Analyse, sondern in ihrer eigenen methodischen Fundierung als Kompatibilitätsprobleme zu anderen Theorien zeigen.
Der Autor verwendet eine immanente Kritik sowie eine methodologische Rekonstruktion der Theorie Foucaults, ergänzt durch eine kritische Auseinandersetzung mit Diskursanalysen in verschiedenen sozialwissenschaftlichen Strömungen.
Im Hauptteil (Kapitel 4) werden die spezifischen Machteffekte der produktiven Macht untersucht: die Inkompatibilität zur subjektivistischen Soziologie, die Ersetzung von Erkenntnisfähigkeit durch das Konzept der Episteme, die Verdrängung von Handlungsfähigkeit durch Dispositive sowie die Identitätskritik mittels Selbsttechniken.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Diskursanalyse, produktive Macht, Machteffekte, Subjektdezentrierung, Dispositiv und Episteme charakterisiert.
Das Konzept des Dispositivs verlagert die Analyse von intentionalem menschlichem Handeln auf machtvolle Strukturen. Dadurch wird Handeln bei Foucault primär als Subjektivierungsprozess innerhalb äußerer Rahmenbedingungen begriffen, was eine eigenständige, subjektorientierte Handlungstheorie innerhalb dieses Ansatzes erschwert.
Die Identitätskritik, wie sie auch im diskursiven Feminismus Anwendung findet, zielt darauf ab, Identitäten als konstruierte Effekte zu entlarven. Dies führt jedoch dazu, dass das politische Subjekt – das für emanzipatorische Forderungen eine notwendige Grundlage bildet – dekonstruiert wird, was die politische Wirksamkeit solcher Ansätze in Frage stellt.
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