Masterarbeit, 2013
107 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. John Cage: Zeitkonzepte seiner Musik
1.1. Philosophische Verortung: Amerikanischer Transzendentalismus und Zen-Buddhismus
1.2. Augenblick und Klang
1.3. Unbestimmtheit
1.4. Zufall
1.5. Stille, Dauer und Gleichzeitigkeit
1.6. Prozesshaftigkeit: Evolution und Dekomposition
1.7. Wiederholung als Variation
1.8. Verräumlichte Zeit
2. ORGAN²/ASLSP: Eine Komposition – viele Komponisten
2.1. Zeitaspekte der Originalkomposition für Klavier und der Fassung für Orgel
2.2. Zeitebenen des John-Cage-Orgel-Kunst-Projektes Halberstadt
2.2.1. Die Spieldauer: 639 Jahre
2.2.1.1. Die historische Verankerung
2.2.1.2. Entschleunigung und Spiritualität
2.2.2. Chronos und Kairos: Aufhebung und Verdichtung von Zeiterfahrung
2.2.2.1. Zeitphilosophische Verortung
2.2.2.2. Das menschliche Erleben von Chronos und Kairos in der Musik
2.2.2.3. Der Klangwechsel als musikalisches Ereignis
2.2.3. Die Eigenexistenz des Klanges
2.2.4. Der Atem der Orgel: Möglichkeiten des Instruments
3. Räumliche Aspekte des John-Cage-Orgel-Kunst-Projektes Halberstadt
3.1. Der topische Raum: Der Klangraum, die Klangskulptur und die Klanginstallation
3.2. Der innermusikalische Raum: Eliminierung von Zeit durch totale räumliche Organisation
3.3. Der offene Raum
Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetischen Konzepte hinter dem John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt in Halberstadt, insbesondere im Hinblick auf die Verzeitlichung von Raum und die Verräumlichung von Zeit, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten, wie John Cages Zeitkonzepte in die Aufführungssituation dieses Langzeitprojektes eingebettet und transformiert werden.
1.2. Augenblick und Klang
Daniel Charles: „Sie wollen also den westlichen Menschen zu einer Zeitdimension des Augenblicks bekehren? Riskieren Sie nicht, alles zu vergessen, was der Westen – in seiner Musik und in seinem Zeitverständnis – hinsichtlich der Dauer und der Zukunft repräsentiert?“
John Cage: „Der Augenblick ist doch immer auch eine Wiedergeburt – nicht wahr?“
D.C.: „Aber könnte man Sie denn nicht […] beschuldigen, einen Wert, der für die klassische Musik des Abendlands unentbehrlich ist, nämlich die Dauer, zu opfern?“
J.C.: „Wollen Sie damit andeuten, es gäbe einen Grund etwas zu bewahren?“
DC: „Sie setzen vollkommen auf den Augenblick; aber Zeit ist eine Summe von Augenblicken, nicht wahr?“
JC: „Die Zeit, an die Sie denken, ist immer noch ein Konstrukt, eine intellektuelle Organisation. Wir müssen damit aufhören.“
1. John Cage: Zeitkonzepte seiner Musik: Dieses Kapitel verortet Cages philosophische Grundlagen, insbesondere seinen Bezug zum amerikanischen Transzendentalismus und Zen-Buddhismus, und diskutiert zentrale Konzepte wie Unbestimmtheit, Stille und die Auflösung traditioneller musikalischer Zusammenhänge.
2. ORGAN²/ASLSP: Eine Komposition – viele Komponisten: Das Kapitel analysiert das spezifische Werk, die kontroversen Interpretationsansätze von Musikern wie Gerd Zacher und Christoph Bossert sowie die komplexen Zeitordnungen, die das Halberstädter Projekt prägen.
3. Räumliche Aspekte des John-Cage-Orgel-Kunst-Projektes Halberstadt: Hier werden die räumlichen Dimensionen des Burchardi-Klosters, die Funktion des Raums als Klanginstallation und Klangskulptur sowie die philosophische Auseinandersetzung mit Raum- und Zeitwahrnehmung untersucht.
John Cage, ORGAN²/ASLSP, Halberstadt, Zeiterfahrung, Augenblick, Stille, Unbestimmtheit, Klangskulptur, Klanginstallation, Zen-Buddhismus, Transzendentalismus, Burchardi-Kloster, Prozessualität, Dekomposition, Raumwahrnehmung.
Die Arbeit analysiert das John-Cage-Orgel-Kunst-Projekt in Halberstadt unter besonderer Berücksichtigung der von Cage entwickelten Zeitkonzepte und deren Anwendung in einer auf 639 Jahre angelegten Aufführung.
Zentrale Themen sind die Philosophie von John Cage, die Ästhetik des Projekts in Halberstadt, die Wahrnehmung von Zeit und Raum sowie die spirituellen und sozialen Dimensionen des Projekts.
Das Ziel ist es, das Zusammenspiel zwischen Cages ursprünglicher Kompositionsidee und der spezifischen, historisch verankerten Aufführungssituation in Halberstadt zu erforschen und die Wirkung auf das Zeitempfinden der Hörer zu analysieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der musikwissenschaftlichen Fachliteratur, philosophischer Texte zu Raum und Zeit sowie auf Interviews mit den Initiatoren und beteiligten Künstlern des Projekts.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Cages Denken, eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Komposition ORGAN²/ASLSP und eine Untersuchung der räumlichen Aspekte im Burchardi-Kloster.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zeitkonzepte, Unbestimmtheit, Klangskulptur, Verräumlichung, Zen-Buddhismus und ästhetische Situation charakterisieren.
Der Ort dient als geschichtsträchtiger, aber profaner Raum, der durch seine Architektur und Geschichte eine einzigartige Projektionsfläche bietet, die den musikalischen Prozess des Projektes spirituell und räumlich rahmt.
Obwohl das Projekt installative Züge trägt, wird durch die kontinuierlichen Klangwechsel und die menschliche Mitwirkung an der Orgel ein prozessualer, aufführungsnaher Charakter gewahrt, der eine bloße dauerhafte Beschallung vermeidet.
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