Diplomarbeit, 2003
141 Seiten, Note: gut
1. Vorwort
2. Begriffsklärungen
2.1. „Droge“
2.1.1. Die Drogen Heroin und Methadon
2.1.1.1. Heroin
2.1.1.2. Methadon
2.2. „Drogengebrauch“ und „Drogenmißbrauch“
2.3. „Sucht“ und „Abhängigkeit“
3. Wissenschaftliche Theorien der Entstehung von Sucht und Drogen abhängigkeit
3.1. Psychoanalytischer Ansatz
3.2. Medizinisch-psychiatrischer Ansatz
3.3. Lerntheoretischer Ansatz
3.4. Das „Karriere-Modell“
3.5. Fazit
4. Drogenpolitische Hintergründe
4.1. Maßnahmen und Zielsetzungen bundesdeutscher Drogenpolitik
4.2. Wichtige betäubungsmittelrechtliche Vorschriften
4.3. Prävention
5. Die Situation der Heroinkonsumenten in Deutschland
5.1. Verbreitung des Heroinkonsums
5.2. Erscheinungsformen und Begleitfolgen des Gebrauchs von Heroin unter den Bedingungen der Prohibition
5.2.1. Einfluß des Drogenverbots auf die Möglichkeit eines kontrollierten Heroinkonsums
5.2. Auswirkungen der Prohibition auf die Konsumformen von Heroin gebrauchern
5.2.3. Einfluß der Repression auf selbstinitiierte Ausstiegsprozesse aus der Drogenabhängigkeit
5.2.4. Gesundheitliche und soziale Folgen
5.2.4.1. HIV und Hepatitis
5.2.4.2. Soziale Ausgrenzung und Marginalisierung
5.2.4.3. Drogentodesfälle
5.3. Kritische Betrachtung repressiver Drogenpolitik
6. Einordnung der kontrollierten Heroinvergabe in das bestehende Drogen hilfesystem
6.1. Zur historischen Entwicklung des Hilfesystems für Abhängige illegaler Drogen
6.1.2. Die Therapeutische Kette
6.2. Grundlagen und Zielsetzungen akzeptanzorientierter Drogenhilfe
6.3. Praktische Ausrichtung akzeptierender Drogenhilfe
6.4. Akzeptanzorientierte Drogenhilfe im Spannungsverhältnis zwischen normativen Ansprüchen und faktischen Bedingungen
6.4.1. Medizinalisierung der Drogenhilfe
6.4.2. Die Vitalität kultureller Mythen
6.4.3. Akzeptanzorientierte Drogenhilfe im Paradoxon von Prohibition und Akzeptanz
6.5. Fazit
7. Wege zu einer „Normalisierung“
8. Möglichkeiten und Grenzen einer Liberalisierung der Drogenpolitik
8.1. Totallegalisierung
8.2. Partiallegalisierung
8.2.1. Staatlich kontrollierte Partiallegalisierung
8.2.2. Medizinisch indizierte Heroinabgabe (Medizinalisierungsmodell)
9. Projekt zur Verschreibung von Betäubungsmitteln (PROVE) in der Schweiz
9.1. Zur Entstehung von PROVE
9.2. Rechtsgrundlage des PROVE:
9.3. Zielgruppe und Aufnahmekriterien von PROVE
9.4. Zielsetzung von PROVE
9.5. Forschungsfragen
9.6. Forschungsplan
9.7. Psychosoziale Begleitbetreuung
9.8. Ergebnisse der Pilotphase
9.8.1. Substanzbezogene Ergebnisse
9.8.2. Patientenbezogene Ergebnisse
9.8.3. Projektbezogene Ergebnisse
9.8.4. Vergleich mit Befunden aus stationären Abstinenzbehandlungen und Substitutionsbehandlungen mit Methadon
9.9. Schlußfolgerungen
9.10. Die heroingestützte Behandlung HeGeBe
9.11. Kritische Betrachtung des Schweizer Projektes zur Verschreibung von Betäubungsmitteln (PROVE)
9.12. Trends in der internationalen Forschung
10. Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger – eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie
10.1. Entstehung und Entwicklung des bundesdeutschen Modellprojekts
10.2. Rahmenbedingungen und Durchführungsmodalitäten des Forschungs projektes
10.2.1. Begründung zur Durchführung der Studie
10.2.2. Zielgruppen
10.2.3. Ein- und Ausschlußkriterien
10.2.3.1. Studieneinschluß
10.2.3.2. Ausschlußkriterien
10.2.4. Rechtliche Rahmenbedingungen des Projekts
10.2.5. Zielsetzung der Studie und Hypothesen
10.2.6. Forschungsfragen und Teilhypothesen
10.2.7. Zusätzliche Spezialstudien
10.2.8. Zeitlicher Rahmen und Durchführung des Projekts
10.2.9. Finanzierung und Kosten der Studie
10.3. Die psychosoziale Begleitung
10.3.1. Case Management mit integrierter Motivierender Gesprächsführung
10.3.2. Psychoedukation und Drogenberatung
10.4. Das bundesdeutsche Modellprojekt in der Stadt Bonn
10.4.1. Städtewahl
10.4.2.Organisation des Bonner Vergabeprojektes
10.4.2.1. Trägerschaft
10.4.2.2. Räumlichkeiten
10.4.2.3. Teilnahme am Bonner Heroinprojekt
10.4.2.4. Personal
10.4.2.5. Erste Eindrücke der Heroinbehandlung
11. Kritische Betrachtung des bundesdeutschen Modellprojekts zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger
11.1. Konzeptionelle Kritik im Vergleich zum Schweizer Modell
11.2. Kritische Betrachtung der psychosozialen Begleitung
11.2.1. Case Management mit integrierter Motivierender Gesprächsführung versus Psychoedukation und Drogenberatung
11.2.2. Kritische Betrachtung der Rahmenbedingungen psychosozialer Be gleitung im bundesdeutschen Modellprojekt
11.3. Heroinverschreibung in Deutschland – ein Weg zur Normalisierung?
12. Ausblick
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen repressiver Drogenpolitik und neuen Ansätzen in der Drogenhilfe, insbesondere der heroingestützten Behandlung in Deutschland. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob die kontrollierte Heroinvergabe als notwendiger Schritt in Richtung einer „Normalisierung“ betrachtet werden kann, um die gesundheitlichen und sozialen Risiken von Abhängigen zu minimieren, und wie effektiv das bundesdeutsche Modellprojekt im Vergleich zu Schweizer Erfahrungen ist.
3.1. Psychoanalytischer Ansatz
Nach den psychoanalytischen Theorien liegt die Ursache von Sucht einer Störung der eng mit dem familiären Sozialisationsprozeß verknüpften Persönlichkeitsentwicklung zu Grunde. Dabei steht vor allem der Konflikt zwischen dem triebgesteuerten Kind und der triebeinschränkenden Umwelt im Mittelpunkt.
Die klassische Psychoanalyse unterteilt die Entwicklung der Persönlichkeit in eine Abfolge von Phasen. In der ersten, sogenannten oralen Phase, steht das Bedürfnis nach oraler Befriedigung im Vordergrund. Erlebt das Kind mangelnde Bedürfnisbefriedigung oder ein starkes Verlustgefühl, kann es zu einer Fixierung auf die orale Phase kommen. Dabei wird vom „oralen Charakter“ gesprochen, „[…] als einer charakterlichen Abweichung, die auf den ungelösten Konflikten dieser Phase basiert.“ ERIKSON betont, daß diese oralen Tendenzen nicht zwangsläufig pathologisch werden, sondern daß es davon abhängt, inwieweit diese in die Gesamtpersönlichkeit eingefügt und kulturell integriert werden können. Doch vermutet er, „[…] daß die Bildung eines Grundgefühls von Vertrauen in frühester Kindheit den Erwachsenen gegen die milden oder schweren Formen von Sucht, Selbsttäuschung und gieriger Besitzergreifung feit.“
Drogenkonsum wird in diesem Kontext aufgefaßt als Ausgleich eines Mangels oraler Bedürfnisse, der das ausgeprägte Bedürfnis nach „Lust- Erleben“ des „Süchtigen“ stillt.
1. Vorwort: Dieses Kapitel erläutert die Umbruchsphase in der deutschen Drogenhilfe von der reinen Abstinenzorientierung hin zu schadensminimierenden Ansätzen und führt in die Thematik der kontrollierten Heroinvergabe ein.
2. Begriffsklärungen: Hier werden zentrale Termini wie „Droge“, „Drogengebrauch“, „Sucht“ und „Drogenabhängigkeit“ definiert, um eine fundierte Basis für die weitere wissenschaftliche Diskussion zu schaffen.
3. Wissenschaftliche Theorien der Entstehung von Sucht und Drogenabhängigkeit: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über verschiedene psychologische und soziologische Erklärungsmodelle für Sucht, von psychoanalytischen Ansätzen bis zum Karriere-Modell.
4. Drogenpolitische Hintergründe: Hier werden die historischen und rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und die verschiedenen Säulen der deutschen Drogenpolitik, analysiert.
5. Die Situation der Heroinkonsumenten in Deutschland: Dieses Kapitel beleuchtet die Verbreitung des Konsums sowie die prekären sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen der repressiven Drogenpolitik auf die Betroffenen.
6. Einordnung der kontrollierten Heroinvergabe in das bestehende Drogenhilfesystem: Hier wird der historische Kontext der Drogenhilfe von der „Therapeutischen Kette“ bis hin zu aktuellen akzeptanzorientierten Konzepten dargestellt.
7. Wege zu einer „Normalisierung“: Dieses Kapitel diskutiert den Begriff der Normalisierung als drogenpolitische Zielvorgabe und fordert einen Wandel im Umgang mit Drogenkonsumenten.
8. Möglichkeiten und Grenzen einer Liberalisierung der Drogenpolitik: Hier werden verschiedene Szenarien, von der Totallegalisierung bis zu partiellen Ansätzen, kritisch bewertet.
9. Projekt zur Verschreibung von Betäubungsmitteln (PROVE) in der Schweiz: Dieses Kapitel präsentiert die Schweizer Pilotprojekte als wissenschaftliches Fundament für spätere vergleichbare Ansätze.
10. Das bundesdeutsche Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger – eine multizentrische, randomisierte, kontrollierte Therapiestudie: Diese zentrale Sektion beschreibt detailliert die Konzeption, Zielsetzung und praktische Durchführung des deutschen Modellprojekts.
11. Kritische Betrachtung des bundesdeutschen Modellprojekts zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger: In diesem Kapitel erfolgt eine konzeptionelle Kritik des Projekts, insbesondere im Vergleich zum Schweizer Modell und hinsichtlich der psychosozialen Begleitung.
12. Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und formuliert weiterführende politische Anforderungen für eine menschwürdige Drogenpolitik.
Drogenpolitik, Heroinvergabe, Sucht, Drogenabhängigkeit, Schadensminimierung, Normalisierung, Prohibition, akzeptanzorientierte Drogenhilfe, Modellprojekt, Substitution, psychosoziale Begleitung, Kriminalisierung, Drogenkarriere, Betäubungsmittelgesetz, PROVE
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Heroinkonsumenten in Deutschland unter den Bedingungen der bestehenden Drogenprohibition und untersucht kritisch, inwiefern die kontrollierte Heroinvergabe als Modellprojekt einen Beitrag zu einer humaneren Drogenpolitik leisten kann.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Drogenhilfe, der Analyse verschiedener wissenschaftlicher Theorien zur Suchtentstehung, der Darstellung der Schweizer Heroinprojekte (PROVE) und der ausführlichen Konzeption und kritischen Evaluation des bundesdeutschen Modellprojekts zur heroingestützten Behandlung.
Das primäre Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen einer kontrollierten Verschreibung von Heroin zu untersuchen und zu bewerten, ob und wie diese als Weg zur „Normalisierung“ des Drogenproblems in Deutschland dienen kann.
Die Arbeit basiert auf einem tiefgehenden Literaturstudium, das aktuelle Forschungsergebnisse, rechtliche Rahmenbedingungen und sozialwissenschaftliche Diskursanalysen zusammenführt, um eine fundierte Bewertung der praktischen Drogenhilfeansätze zu ermöglichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung der Sucht, die Analyse der Drogenpolitik, die kritische Würdigung der Schweizer Studien sowie die detaillierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem bundesdeutschen Modellprojekt, inklusive dessen methodischer Stärken und konzeptioneller Schwächen.
Drogenpolitik, Heroinvergabe, Sucht, Drogenabhängigkeit, Schadensminimierung, Normalisierung, akzeptanzorientierte Drogenhilfe und Kriminalisierung.
Der Autor übt kritische Distanz zur obligatorischen Teilnahme an der psychosozialen Begleitung. Er bemängelt, dass Zwangstherapie die Eigenverantwortung einschränkt und dem Prinzip der Freiwilligkeit entgegensteht, welches für eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung unerlässlich ist.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die kontrollierte Heroinvergabe zwar eine begrüßenswerte Erweiterung des Hilfesystems darstellt, jedoch in der „Logik der Prohibition“ verhaftet bleibt. Eine echte Normalisierung erfordere langfristig eine weitergehende Entkriminalisierung und eine Orientierung an den tatsächlichen Bedürfnissen der Drogenkonsumenten statt an einer rein medizinisch-pathologischen Sichtweise.
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