Bachelorarbeit, 2011
25 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
1. Methodik und Ziel
2. Literaturlage und Forschungsstand
2. Historiografie und persönliche Erinnerung
3. Jossel Wassermanns Heimkehr als Beispiel für persönliche Erinnerung
1. Rolle in der Rahmen- und Binnenhandlung
2. Rolle Jossel Wassermanns
3. Beständigkeit der Erinnerung
4. Heimkehr durch Erinnerung
4. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Romans „Jossel Wassermanns Heimkehr“ von Edgar Hilsenrath, inwiefern eine „Heimkehr durch Erinnerung“ möglich ist. Dabei wird der zentrale Konflikt zwischen offizieller Geschichtsschreibung und individueller, subjektiver Erinnerung analysiert, um aufzuzeigen, wie Literatur dazu beitragen kann, das Schicksal der Opfer des Holocaust vor dem Vergessen zu bewahren.
1. Rolle in der Rahmen- und Binnenhandlung
Der Konflikt zwischen Historiografie und persönlicher Erinnerung wird durch zwei Arten von Stimmen diskutiert: die „Stimmen der Geschichtsschreibung“(31), der Historiografie also, und die „kleinen Quasselstimmen“(30), die Stimmen der persönlichen Erinnerung. Sie befinden sich zusammen mit den Pohodnajuden in einem Wagon. Die Geschichtsschreibungsstimmen sind „groß und gewichtig“ (30), sie sind also nur für die großen und wichtigen Ereignisse zuständig und langweilen sich, da der Waggon seit zwei Tagen unbewegt auf dem Gleis steht und sich somit nichts der Geschichtsschreibung hinzufügen lässt. Die sogenannten „Quasselstimmen“ auf der anderen Seite, die schon ihrem Namen nach „nur“ quasseln und nach Meinung der Geschichtsschreibungsstimmen unwichtige Dinge berichten und aufbewahren, flüstern ununterbrochen. „[D]ie Quasselstimmen erzählten, wie die Juden ihre Notdurft verrichteten, manche im Sitzen, aber die meisten im Stehen“ (31). Sie nehmen also die alltäglichsten Dinge auf, diejenigen, die für die Geschichtsschreibung völlig unwichtig sind. Die gewichtigen Stimmen wiederum fangen aufgrund von Langeweile an, wie die „Quasselstimmen“ zu „plappern“ (32) und erzählen sich so die Geschichte von Jossel Wassermann, die „aus Gründen der Zuständigkeit längst den kleinen Quasselstimmen übergeben und fast wieder vergessen“ (33) war.
Jossel Wassermanns Geschichte ist also eigentlich gar nicht wichtig und wird nur aufgrund der Umstände erzählt. Hilsenrath zeigt mithilfe der Stimmen deutlich die Gegensätzlichkeit zwischen Geschichtsschreibung und persönlicher Erinnerung. Er greift eine scheinbar unwichtige Szene in der Geschichte auf und zeigt an ihr, wie siebend und ausschließend Geschichtsschreibung arbeitet. Indem die Stimmen Jossels Geschichte nur aus Langeweile erzählen, wird gleichzeitig auch gezeigt, wie arrogant sich Geschichtsschreibung gegenüber dem persönlichen Schicksal verhält, weil sie bestimmt, welche Ereignisse es wert sind, aufgenommen zu werden und welche nicht.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Edgar Hilsenraths Werk ein und beleuchtet den zentralen Konflikt zwischen allgemeiner Historiografie und individueller Erinnerung im Kontext des Holocaust.
1. Methodik und Ziel: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, die Möglichkeit einer Heimkehr durch Erinnerung zu untersuchen, und skizziert das methodische Vorgehen.
2. Literaturlage und Forschungsstand: Hier werden relevante wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit Hilsenraths Werk sowie die Bedeutung des Motivs Bukowina in seiner Literatur analysiert.
2. Historiografie und persönliche Erinnerung: Dieses Kapitel arbeitet die theoretischen Unterschiede zwischen einer „Geschichte von oben“ (Historiografie) und einer „Geschichte von unten“ (individuelle Erinnerung) heraus.
3. Jossel Wassermanns Heimkehr als Beispiel für persönliche Erinnerung: Der Roman wird als literarisches Zeugnis analysiert, das durch Alltagsepisoden und subjektive Schilderungen das Leben vor der Zerstörung lebendig hält.
1. Rolle in der Rahmen- und Binnenhandlung: Es wird untersucht, wie durch die Gegenüberstellung von „Stimmen der Geschichtsschreibung“ und „Quasselstimmen“ die Arroganz der offiziellen Geschichtsschreibung dekonstruiert wird.
2. Rolle Jossel Wassermanns: Dieses Kapitel beleuchtet Jossel Wassermann als zentralen Erzähler und Retter der Geschichte, der die Funktion eines Messias für die Gemeinschaft der Pohodnajuden einnimmt.
3. Beständigkeit der Erinnerung: Die narrativen Strategien Hilsenraths, insbesondere die „zweite Lesart“, werden daraufhin untersucht, wie sie den Leser zur nachhaltigen Erinnerung bewegen.
4. Heimkehr durch Erinnerung: Das letzte inhaltliche Kapitel erörtert die kontroverse Frage, ob die „Heimkehr“ im Titel physisch oder als mentale Rückkehr durch das Erzählen zu verstehen ist.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Rekapitulation der wichtigsten Ergebnisse und bekräftigt die Bedeutung der persönlichen Erinnerung als Akt der Bewahrung.
5. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Edgar Hilsenrath, Jossel Wassermanns Heimkehr, Holocaust, persönliche Erinnerung, Historiografie, Bukowina, jüdische Kulturtradition, Überlieferung, mentale Heimkehr, narrative Strategien, Geschichtsbewusstsein, Identität, Zeitzeugenschaft, mündliche Erzähltradition, kulturelles Gedächtnis
Die Arbeit befasst sich mit dem Roman „Jossel Wassermanns Heimkehr“ und analysiert den Spannungsfeld zwischen offizieller Geschichtsschreibung und der Bedeutung individueller, subjektiver Erinnerungen im Kontext der Judenvernichtung.
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktion des Erzählens als Mittel gegen das Vergessen, der Bedeutung von Details und Alltagskultur sowie der kritischen Auseinandersetzung mit der heroisierenden oder sterilen Darstellung historischer Ereignisse.
Ziel ist es, zu ergründen, ob und wie durch den Prozess des Erinnerns und des schriftlichen Festhaltens eine „Heimkehr“ möglich ist, auch wenn die physische Heimat durch den Holocaust vernichtet wurde.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, die den Roman im Licht theoretischer Ansätze zum kulturellen Gedächtnis und zur Geschichtsschreibung (unter Bezugnahme auf Begriffe wie „Geschichte von unten“) interpretiert.
Der Hauptteil analysiert die narrative Struktur des Romans, die Rolle des Erzählers Jossel Wassermann als Messiasfigur sowie die Wirkung der sogenannten „zweiten Lesart“, die den Leser zur intensiven Anteilnahme zwingt.
Wichtige Begriffe sind Holocaust, persönliche Erinnerung, Historiografie, mentale Heimkehr, kulturelles Gedächtnis und narrative Bewahrungsstrategien.
Während die Historiografie oft mit abstrakten Zahlen und einer Vogelperspektive arbeitet, die Details und Gefühle vernachlässigt, fokussiert die „Geschichte von unten“ auf das individuelle Schicksal, Alltagsdetails und die menschliche Stimme, wodurch die Opfer aus der Anonymität geholt werden.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Heimkehr nicht im physischen Sinne erfolgt, sondern als eine mentale und kulturelle Rückkehr durch den Prozess der Erinnerung und des Verschriftlichens zu verstehen ist, wodurch die verlorene Welt im Gedächtnis fortbesteht.
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