Diplomarbeit, 2010
112 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Zins und Zinsdeterminierung
2.1. Nominaler und Realer Zins
2.2. Determination des Zinssatzes
2.2.1. Die Loanable Funds - Theorie
2.2.2. Die Liquidity Preference - Theorie
2.2.3. Ein gemeinsamer Ansatz aus LFT und LPT
3. Die Zinsstrukturkurve
3.1. Die Berechnung des Zinssatzes
3.1.1. Anleihen und Anleihemärkte
3.1.2. Bepreisung von Vermögenswerten
3.1.3. Spot Rates
3.1.4. Rendite bis zur Fälligkeit (Yield to Maturity)
3.1.5. Rendite für eine gehaltene Periode (Holding Period Return) und Forward Rates
3.2. Erklärung der Zinsstrukturkurve
3.2.1. Die Erwartungshypothese
3.2.2. Die Liquiditätshypothese
3.2.3. Die Marktsegmentierungs-Hypothese
3.3. Die erweiterte Erwartungshypothese im ökonometrischen Test
3.3.1. Unterschiedliche ökonometrische Methoden
3.3.1.1. Single-Equation Tests
3.3.1.2. Vektor-Autoregressiver-Ansatz
3.3.2. Tests und Ergebnisse der erweiterten Erwartungshypothese
3.3.2.1. Modell von Cochrane/Piazessi
4. Moderne Ansätze der Zinsstrukturkurve: arbitragefreie Faktoren-Modelle und empirische Makro-Modelle
4.1. Finanzwirtschaftliche Ansätze
4.1.1. Arbitrage und die Arbitragefreie Bepreisungs-Theorie (APT)
4.1.2. Faktoren-Modelle
4.1.2.1. Affine Zins-Modelle
4.1.2.2. Ein-Faktoren Modelle
4.1.2.3. Zwei-Faktoren Modelle
4.2. Empirische Makro-Modelle
4.2.1. Geldpolitische Wirkung auf den Zins
5. Ein Modell der arbitragefreien Zinsstruktur mit makroökonomischen Erklärungsfaktoren
5.1. Die Symbiose aus finanzwirtschaftlicher und makroökonomischer Perspektive
5.1.1. Nicht-technische Zusammenfassung
5.1.2. Die formale Darstellung des Affinen Zinsstrukturmodells
5.1.2.1. Der Marktpreis des Risikos (market price of risk)
5.1.2.1. Der stochastische Diskontfaktor
5.1.2.3. Die Makro-Faktoren
5.1.2.4. Verbindung zur Bepreisung der Anleihe
5.2. Daten und Datenaufbereitung
5.2.1. Zins -und Zinsstrukturdaten
5.2.2. Makroökonomische Daten
5.2.2.1. Zeitreihenanalyse
5.2.3. Daten für das Makro-Modell: Inflation
5.2.4. Daten für das Makro-Modell: Reale Aktivität
5.3. Das Schätzverfahren und Modellspezifikationen
5.4. Ergebnisse und Einordnung in die Literatur
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bestimmungsgründe der Zinsstrukturkurve, indem sie klassische mikroökonomische Theorien mit modernen finanzwirtschaftlichen Modellen und makroökonomischen Erklärungsfaktoren kombiniert, um deren Bewegungen exakt abzubilden.
3.1.2. Bepreisung von Vermögenswerten
Zuerst führt man zwei fundamentale Begriffe ein: den Cashflow und den Present Value. Als Cashflow wird der Zahlungsstrom bezeichnet, der durch eine Anlage generiert wird. Das Present Value (PV) Konzept besagt, ein ausbezahlter Euro morgen ist weniger Wert als ein Euro heute. Denn einen Euro heute könnte man gewinnbringend anlegen und würde morgen mehr als einen Euro bekommen (vgl. Mishkin 2008, S. 67f). Formal erhält man:
PV = Σn t=1 CFt / (1+i)t (3.1)
Dieser einfache Zusammenhang erlaubt es den heutigen Preis eines Schuldtitels zu bestimmen, in dem man simpel die zukünftigen Auszahlungen aneinander reiht.
NPV = -P + Σn t=1 CFt / (1+i)t (3.2)
Der in Gleichung (3.2) dargestellte Net Present Value (NPV) geht einen Schritt weiter und schließt nicht nur investitionstheoretisch die ausbezahlten Cash Flows in die Überlegung mit ein, sondern ebenfalls den für den Vermögenswert bezahlten Preis. Anhand dieser Formel kann man abwägen, ob eine Investition sinnvoll ist. Erst bei einem NPV ≥ 0 sind Investoren bereit, Vermögenswerte zu erwerben.
Der vierte zentrale Begriff ist der Diskontfaktor. In Gleichung (3.1) und (3.2) besteht dieser aus dem Nenner (1 + i)t. Dadurch versucht man die Zukunft bzw. die zukünftigen Zahlungsströme in heutigen Werten darzustellen. Unter der Annahme, dass sich der Zins i über die Zeit nicht ändert, kann man bspw. bei einem Zahlungsstrom der m‘ten Periode für t = m den Cash Flow für diese Periode abdiskontieren. „A discount factor dt8 is equivalent to the present value of $1 to be received t years in the future […]” (Sharp et. al 1998, S. 92).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Zinsen für die mikro- und makroökonomische Ebene ein und skizziert das Ziel, die Zinsstrukturkurve durch die Kombination aus Arbitragefreiheit und makroökonomischen Faktoren zu erklären.
2. Zins und Zinsdeterminierung: Dieses Kapitel definiert grundlegende Zinsbegriffe wie den nominalen und realen Zins und stellt die Loanable Funds- sowie die Liquidity Preference-Theorie als gegensätzliche Ansätze der Zinsbestimmung gegenüber.
3. Die Zinsstrukturkurve: Hier werden die mathematische Berechnung von Zinssätzen (Anleihen, Spot Rates, Renditen) sowie die klassischen Hypothesen zur Zinsstruktur und deren ökonometrische Testmöglichkeiten detailliert analysiert.
4. Moderne Ansätze der Zinsstrukturkurve: arbitragefreie Faktoren-Modelle und empirische Makro-Modelle: Dieses Kapitel erläutert fortgeschrittene Ansätze wie die Arbitragefreie Bepreisung (APT) und affine Zinsmodelle, die eine präzisere Modellierung durch Zustandsvariablen ermöglichen.
5. Ein Modell der arbitragefreien Zinsstruktur mit makroökonomischen Erklärungsfaktoren: Der Hauptteil des Modells synthetisiert finanzwirtschaftliche Arbitragefreiheit mit makroökonomischen Daten wie Inflation und Industrieproduktion, um ein empirisch fundiertes Erklärungsmodell zu entwickeln.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Modellierung zusammen und reflektiert über die Leistungsfähigkeit des Ansatzes bei der Erklärung der Zinsstruktur, unter Berücksichtigung der Grenzen durch komplexe Phänomene wie das „Bond Conundrum“.
Zins, Zinsstrukturkurve, Erwartungshypothese, Liquiditätshypothese, Marktsegmentierung, Arbitragefreiheit, Affine Zinsmodelle, Makroökonomische Faktoren, Inflation, Industrieproduktion, Taylor Regel, Geldpolitik, Zeitreihenanalyse, ADF-Test, Anleihepreis.
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Bestimmungsgründen der Zinsstrukturkurve. Dabei werden traditionelle ökonomische Theorien mit modernen, arbitragefreien Finanzmarktmodellen verknüpft, um zu untersuchen, wie makroökonomische Faktoren die Zinsbildung über verschiedene Laufzeiten hinweg beeinflussen.
Zu den Kernbereichen gehören die Zinsdeterminierung, die Berechnung und Erklärung von Zinsstrukturkurven mittels verschiedener Hypothesen sowie die Entwicklung und empirische Schätzung affiner Zinsstrukturmodelle, die um makroökonomische Variablen wie Inflation und Produktion erweitert wurden.
Das Ziel ist es, ein Modell zu entwickeln, das Bewegungen der Zinsstrukturkurve exakt abbildet, indem es die Theorie der Arbitragefreiheit mit realen makroökonomischen Daten kombiniert, anstatt sich lediglich auf rein finanzmathematische Faktoren zu stützen.
Die Autorin verwendet ökonometrische Verfahren, insbesondere autoregressive Modelle (VAR), den Augmented Dickey-Fuller-Test (ADF) zur Prüfung der Stationarität von Zeitreihen sowie die Maximum Likelihood Estimation (MLE) zur Schätzung der Modellparameter.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion klassischer Theorien, die Einführung in die moderne Modellwelt der affinen Zinsstrukturmodelle sowie die praktische Anwendung durch die Symbiose aus finanzwirtschaftlichen und makroökonomischen Erklärungsfaktoren anhand von deutschen Marktdaten.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Arbitragefreiheit, Zinsstruktur, Affine Modelle, Laufzeitprämie, makroökonomische Faktoren und ökonometrische Schätzverfahren aus.
Während klassische Hypothesen wie die Erwartungshypothese oft widersprüchliche empirische Ergebnisse liefern, zielt der hier verfolgte, moderne Ansatz darauf ab, durch die Integration von externen Makro-Faktoren eine konsistentere Erklärung für die Dynamik der Zinskurve zu liefern.
Die Geldpolitik wird als entscheidende Größe betrachtet, die insbesondere das kurze Ende der Zinskurve steuert. Im Modell fungiert sie als eine Art Reaktionsfunktion, die auf Inflation und reale Aktivität reagiert und somit zentral in die Erklärung des Zinsniveaus einfließt.
Die Stationaritätstests sind essenziell für die Qualität der empirischen Analyse. Da für die Modellschätzung stationäre Zeitreihen erforderlich sind, mussten die verwendeten Rohdaten (wie VPI und IPI) mittels Differenzenbildung transformiert werden, um statistisch valide Ergebnisse zu erzielen.
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