Magisterarbeit, 1993
120 Seiten, Note: 3
I. Einleitung
1. Zum methodischen Vorgehen und zur Terminologie
2. Die Sozialpolitik im Kapitalismus
3. Sozialpolitik im Sozialismus - Theorie und Praxis in der DDR
II. Hauptteil
1. Die Sozialpolitik während der "antifaschistisch-demokratischen Umwälzung" (1945-1949) und der "Phase der Schaffung der Grundlagen des Sozialismus" (1949-1960)
2. Die Sozialpolitik in der Phase des "umfassenden Aufbau des Sozialismus" (1961-1970) und die ideologische Wende ab Mitte der sechziger Jahre
3. Ökonomische Probleme gegen Ende der sechziger Jahre
4. Die 14. Tagung des ZK und der VIII. Parteitag der SED
5. Die Entwicklung der Wirtschafts- und Sozialpolitik in der DDR nach dem VIII. Parteitag
III. Schluß
Zusammenfassende und ergänzende Betrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht historisch den Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik in der DDR während der Ära Honecker, mit einem besonderen Fokus auf die Entstehung und ideologische Instrumentalisierung des Leitbegriffs der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ zur Sicherung der staatlichen Existenz.
I.1. Zum methodischen Vorgehen und zur Terminologie
Die sozialistische bzw. marxistisch-leninistische Ideologie, auf deren Grundlage die Existenz des Staates der DDR aufgebaut war, stellt für den nicht-marxistisch-leninistischen Betrachter zunächst ein nicht zu unterschätzendes Hindernis auf dem Weg zu einer realistischen Analyse der DDR-Gesellschaft dar. Laut Wolf-Rainer Leenen steht die marxistisch-leninistische Ideologie nicht nur der externen Analyse, sondern auch einer realistischen Selbsterfassung eines sozialistischen Systems durch dessen eigene Wissenschaftler im Wege.
Aufgrund des heutiger Sicht bekannten Zusammenbruches der DDR als eigener Staatsorganisation ist diese letztere These Leenens zweifelsfrei empirisch belegt. Für die externe und jetzt im Bezug auf die DDR auch historische Analyse ist es zunächst erforderlich, sich durch ein begrenztes Einlassen auf bzw. durch eine Beschäftigung mit dieser speziellen Ideologie annähernde Vorstellung von den besonderen Problemen zu verschaffen, mit denen ein externer und nicht der strengen Systemimmanenz folgenkönnender Betrachter konfrontiert ist. So beansprucht die sozialistische Ideologie beispielsweise, über die einzige Weltanschauung zu verfügen, die "die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung erfasst und ein praktisches Handeln ermöglicht, das sich in Übereinstimmung mit den ökonomischen und sozialen Gesetzmäßigkeiten befindet". Aus diesem exklusiven Erkenntnisanspruch resultiert konsequenterweise nicht nur die angeblich wissenschaftlich fundierte Vorgabe von Ziel und Weg der Gesellschaft durch die die Arbeiterklasse führende Partei, sondern auch die Fähigkeit, den jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungsstand auf dem Weg zu diesem Ziel, der klassenlosen Gesellschaft mit der Bezeichnung "Kommunismus", bestimmen zu können.
I. Einleitung: Dieses Kapitel legt das methodische Fundament, definiert zentrale Begriffe im Kontext der marxistisch-leninistischen Ideologie und umreißt die theoretischen sowie praktischen Herausforderungen einer Analyse sozialistischer Gesellschaftssysteme.
II. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in fünf Kapitel, die chronologisch die Phasen der Sozialpolitik in der DDR von 1945 bis zum Zeitraum nach dem VIII. Parteitag 1971 analysieren, wobei die Entwicklung der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ im Zentrum steht.
III. Schluß: Hier werden die Ergebnisse der Untersuchung kritisch reflektiert, insbesondere im Hinblick auf die Unfähigkeit der SED-Führung, auf notwendige gesellschaftliche und ökonomische Reformimpulse vor 1989 konstruktiv zu reagieren.
DDR, SED, Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik, Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, VIII. Parteitag, Erich Honecker, Walter Ulbricht, marxistisch-leninistische Ideologie, Planwirtschaft, Lebensstandard, Arbeiterklasse, Staatslegitimation, Systemimmanenz, Ökonomisches System des Sozialismus
Die Arbeit analysiert historisch den Zusammenhang und die Wechselwirkung zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik in der DDR und untersucht, wie die SED diese Bereiche ideologisch verknüpfte, um die staatliche Stabilität zu sichern.
Zentrale Themen sind die Entwicklung der SED-Wirtschaftsstrategien, die Rolle der Ideologie bei der Gestaltung der Sozialpolitik, der Vergleich der Ären Ulbricht und Honecker sowie der Versuch, durch materielle Verbesserungen eine höhere politische Legitimität zu erreichen.
Das Ziel ist es, den historischen Kontext und die Funktion des Leitbegriffs der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit dieser Begriff tatsächlich eine ökonomische Realität beschrieb oder primär als ideologisches Herrschaftsinstrument diente.
Die Arbeit nutzt eine systemimmanente Analyse, bei der die DDR-Ideologie unter Berücksichtigung ihrer eigenen Prämissen betrachtet wird, ergänzt durch eine kritische historische Untersuchung unter Heranziehung von Primärquellen wie Parteitagsbeschlüssen und Sekundärliteratur.
Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Entwicklungsphasen der DDR-Politik von der Nachkriegszeit bis in die siebziger Jahre, inklusive der wirtschaftlichen Reformversuche der sechziger Jahre und der weitreichenden sozialpolitischen Versprechen nach 1971.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie DDR, Sozialpolitik, SED, Wirtschaftsreform, Ideologie, Einheitsformel, Lebensstandard und Systemstabilität charakterisiert.
Der VIII. Parteitag markierte einen entscheidenden Wendepunkt, da hier die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ als zentrale Leitlinie verkündet wurde, um durch eine spürbare Erhöhung des materiellen Lebensstandards die Zustimmung der Bevölkerung zur Parteiführung zu stärken.
Die Arbeit bewertet das Konzept kritisch, da die ökonomische Basis der DDR langfristig nicht in der Lage war, die versprochene proportionale Erhöhung des Lebensstandards bei gleichzeitiger Stabilität der Planwirtschaft zu leisten, was das Konzept letztlich als ideologische Konstruktion entlarvt.
Das Scheitern führte zu einer Zunahme ökonomischer Disproportionen, die das SED-Regime unter Druck setzten und einen Kurswechsel erforderlich machten, der schließlich in der Ablösung Ulbrichts und der Etablierung des Honecker-Kurses mündete.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

