Bachelorarbeit, 2008
31 Seiten, Note: 2,3
Einleitung
1. Alltagserzählungen und literarisches Erzählen
1.1. Abgrenzung von literarischem und alltäglichem Erzählen durch Timm
1.2. Literarisches und alltägliches Erzählen in Die Entdeckung der Currywurst
2. „Der wunderbare Konjunktiv“
2.1. „Der wunderbare Konjunktiv“ – Uwe Timms Definition
2.2. Lüge und Wahrheit in Die Entdeckung der Currywurst
2.3. Möglichkeiten der Wahrheit in Kopfjäger
2.3.1. Der Erzähler
2.3.2. Die Geschichten
3. Wirkung und Funktion des Erzählens in Johannisnacht und Kopfjäger
3.1. Johannisnacht
3.2. Kopfjäger
4. Selbstreferenz und Thematisierung des Erzählens
4.1. Johannisnacht
4.2. Die Entdeckung der Currywurst
Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das zentrale Motiv des Erzählens in den Romanen Johannisnacht, Die Entdeckung der Currywurst und Kopfjäger von Uwe Timm. Dabei wird analysiert, wie Timm unterschiedliche Erzählformen und Funktionen des Erzählens inszeniert, wie er seine Figuren erzählen lässt und inwieweit das Erzählen als machtvolles Instrument sowie als Mittel der Identitätsstiftung fungiert.
2.3.2. Die Geschichten
Geschichten spielen in Kopfjäger eine wichtige Rolle. Nicht nur steht der Onkel des Erzählers, ein Schriftsteller und somit Geschichtenerzähler, oftmals im Zentrum der Gedanken des Erzählers; auch sind die Geschichten, die er selber erzählt, von zentraler Bedeutung.
Peter Walter zeichnet sich durch ein besonderes Erzähltalent aus, das ihn in allen Berufen, die er ausgeübt hat, geholfen hat. Schon zu Beginn seiner Karriere wird klar, dass es sich auch in Walters Berufsleben um Geschichten dreht. Als Zeitschriftenvertreter bekommt er den Rat von seinem Vorgesetzten: „Man muss den Stein steinig machen. [...] Gemeint ist der Kern einer Geschichte, sagte Berthold“ (KJ, S. 105). Weiter heißt es bei der Versicherung, für die Walter als nächstes, wieder als Verkäufer, tätig ist: „Kommt ja nicht drauf an, daß Geschichten wahr sind, sie müssen nur stimmen [...]“ (KJ, S. 137) In beiden Jobs ist Walter als Verkäufer tätig, er muss Menschen davon überzeugen, für das Produkt, das er verkauft, Geld auszugeben. Nichts anderes tut er später als Anlageberater. Mit seinen Geschichten überzeugt Walter die jeweiligen Kunden: „Man könnte sagen, daß Walter durch Geschichten zu seinem Vermögen gekommen ist. Geschichten nämlich verkaufen sich [...]“ (Horn 1995: 201) Wie Walters Geschichten funktionieren und welche Rolle der „wunderbare Konjunktiv“ dabei spielt, soll im Folgenden geklärt werden.
„Jemand [...], dem es gelang, ihn [...] fast eine Stunde mit einer Geschichte von der Arbeit abzuhalten, der verstehe etwas von den geheimen Wünschen der Leute [...]“ (KJ, S. 255). Walters Beruf ist es, seine Kunden dazu zu bringen, ihm möglichst viel Geld zu überlassen. Er muss Überzeugungsarbeit leisten und dieses tut er in Form von Geschichten, in denen er auf geheime Wünsche und/oder Ängste der jeweiligen Gesprächspartner eingeht.
Einleitung: Einführung in das Werk Uwe Timms und die zentrale Rolle des Motivs des Erzählens als Basis für die Untersuchung.
1. Alltagserzählungen und literarisches Erzählen: Theoretische Abgrenzung zwischen notwendigem Alltagsgeschichten und dem freiwilligen, strukturierten literarischen Schreiben.
2. „Der wunderbare Konjunktiv“: Analyse des von Timm geprägten Konzepts, das Erzählen als Entwurf von Wirklichkeitsmöglichkeiten jenseits starrer Chronologie begreift.
3. Wirkung und Funktion des Erzählens in Johannisnacht und Kopfjäger: Untersuchung der Macht des Erzählens, sei es als Mittel erotischer Verführung oder zur Sicherung von Identität und materiellen Interessen.
4. Selbstreferenz und Thematisierung des Erzählens: Reflexion über die Meta-Ebene der Romane, in denen das Erzählen und der Schreibprozess selbst zum Gegenstand der Handlung werden.
Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung, dass das Erzählen die treibende Macht in Timms Romanen darstellt.
Uwe Timm, Erzählen, Literaturwissenschaft, Johannisnacht, Die Entdeckung der Currywurst, Kopfjäger, wunderbarer Konjunktiv, Alltagserzählung, Identitätsstiftung, Macht des Erzählens, Selbstreferenz, Erzähltheorie, Narratologie, Schreibprozess, Wirklichkeitskonstruktion.
Die Arbeit analysiert das Motiv des Erzählens in drei ausgewählten Romanen von Uwe Timm unter Einbeziehung seiner Poetik-Vorlesung „Erzählen und kein Ende“.
Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen Alltag und Literatur, das Konzept des „wunderbaren Konjunktivs“, die Macht des Erzählens sowie dessen identitätsstiftende Funktion.
Das Ziel ist es, die Bedeutung und Funktion des Erzählens als zentrales Motiv in den Werken Johannisnacht, Die Entdeckung der Currywurst und Kopfjäger herauszuarbeiten.
Die Analyse stützt sich auf Uwe Timms eigene Poetik, ergänzt durch erzähltheoretische Ansätze nach Wolf Schmid, um die Funktionsweise des Erzählens im Text direkt zu untersuchen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Erzählformen, die Analyse des „wunderbaren Konjunktivs“ an konkreten Beispielen, die Machtwirkungen des Erzählens und die Reflexion über selbstreferenzielle Strukturen.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Uwe Timm, Erzähltheorie, wunderbarer Konjunktiv, Alltagserzählungen, Selbstreferenz und Identitätsstiftung.
Alltagsgeschichten sind für Timm „das Ferment des Zusammenlebens“ und notwendig, während das Schreiben literarischer Texte einen freiwilligen, strukturierten und experimentellen Prozess darstellt.
In Kopfjäger dient das Erzählen dem Protagonisten Peter Walter als Mittel, um Kunden zu überzeugen, Vermögen zu generieren und gleichzeitig die Deutungshoheit über seine eigene Lebensgeschichte gegenüber seinem Onkel zu verteidigen.
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