Wissenschaftliche Studie, 2000
15 Seiten
Friedrich Schillers Geisterseher und die Grenzen der Aufklärung
Die Untersuchung analysiert Friedrich Schillers Roman "Der Geisterseher" vor dem Hintergrund einer krisenhaften Subjektivität. Zentral ist dabei die Frage, wie der vernunftgläubige Protagonist durch eine subtile Intrige und den Entzug transzendenter Sinnstiftung in eine existentielle Identitätskrise gerät, die seine moralischen Grenzen auflöst.
Friedrich Schillers Geisterseher und die Grenzen der Aufklärung
Der Geisterseher, Schillers einziger und fragmentarisch gebliebener Roman, wurde von 1787 an als Fortsetzungsschrift in der Zeitschrift Thalia veröffentlicht, bevor er 1789 als Buch erschien. Zunächst war von Schiller nur ein Aufsatz als Beitrag zur öffentlichen Diskussion um die Geheimbünde der Aufklärungszeit, wie der Illuminaten, Rosenkreuzer und Jesuiten, geplant. Dies hatte zur Folge, daß die anschließende romanhafte Verarbeitung Ansprüche der literarischen Ästhetik mit realistischen Bezügen zur zeitgenössischen Gesellschaft vereint. Wie für die literarische Verarbeitung des Geheimbundmaterials typisch, ist auch der Geisterseher in seiner Struktur geprägt durch die Abfolge von Verrätselung und Entschlüsselung, Geheimnis und Aufklärung.
Zentrales Thema des Geistersehers ist die Identitätskrise eines vernunftgläubigen Menschen, die durch eine subtil gesponnene Intrige initiiert wird. Prinz von ***, Mitglied eines protestantischen Fürstenhauses, gerät in Venedig in die politische Verschwörung eines Geheimbundes, die zum Ziel hat, ihn zum Katholizismus konvertieren sowie ein Verbrechen begehen zu lassen, wodurch dem Prinzen die Thronbesteigung und den Intriganten eine erhöhte Machtposition ermöglicht werden soll. Dabei bewirken die Mitglieder des Geheimbundes eine Reihe rätselhafter, scheinbar übernatürlicher Ereignisse, die den von Rationalität geprägten Prinzen in eine Persönlichkeitskrise stürzen. Sein Charakter verändert sich und es vollzieht sich schließlich der Wandel vom „sozial verantwortlichen Glied der Gesellschaft zum unverantwortlichen Usurpator“.
Friedrich Schillers Geisterseher und die Grenzen der Aufklärung: Die Arbeit untersucht, wie Schiller durch die Figur des Prinzen die Gefahren einer rein auf Vernunft basierenden Existenz aufzeigt, die bei Kontakt mit dem Unerklärlichen an moralische und psychologische Grenzen stößt.
Friedrich Schiller, Der Geisterseher, Identitätskrise, Aufklärung, Geheimbund, Subjektivität, Romanfragment, Manipulation, Moral, Intrige, Nihilismus, Venedig, Schauerliteratur, Persönlichkeitswandel, Vernunft.
Die Arbeit analysiert Friedrich Schillers Fragment-Roman "Der Geisterseher" und die darin dargestellte Entwicklung der Hauptfigur unter dem Einfluss einer konspirativen Verschwörung.
Im Zentrum stehen die Krise der Subjektivität, die Wirkmacht von Intrigen, das Scheitern rationaler Welterklärungsmodelle und die Auflösung moralischer Grundwerte.
Es wird untersucht, wie die Figur des Prinzen durch den Geheimbund gezielt manipuliert wird, um seine Identität zu zersetzen und ihn in einen Zustand der moralischen Orientierungslosigkeit zu führen.
Der Autor führt eine literaturwissenschaftliche Analyse durch, die den Roman im geistesgeschichtlichen Kontext der Aufklärung und der Schauerliteratur verortet und psychologische Aspekte der Motivgestaltung beleuchtet.
Der Hauptteil widmet sich der Charakteranalyse des Prinzen, seiner religiösen Erziehung, dem Einfluss des Geheimbundes und der Bedeutung des Perspektivwechsels für die Darstellung des Persönlichkeitswandels.
Wichtige Begriffe sind Identitätskrise, Vernunft, Geheimbund, moralische Indifferenz, Intrige und die "Grenzen der Aufklärung".
Im Gegensatz zum klassischen Bildungsroman, in dem die Figur zur Reife gelangt, verliert der Prinz im "Geisterseher" seine moralischen Integrität und seine psychische Stabilität.
Venedig dient als Ort der Dekadenz und Manipulation, der den Prinzen aus seinem bisherigen, disziplinierten Leben herauslöst und anfällig für die Verführungskünste des Geheimbundes macht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

