Magisterarbeit, 2011
105 Seiten
1. Einleitung
2. Analyseteil
2.1 Die Merkmale des auserwählten Helden
2.1.1 Begegnungen mit übernatürlichen Größen
2.1.2 Hohes bzw. niedriges gesellschaftliches Ansehen und soziales ‚Abweichlertum‘
2.1.3 Besonderheiten des Lebensweges
2.1.4 Erfolg beim anderen Geschlecht
2.1.5 Aussehen
2.1.6 Zeichen, Male und Prophezeiungen
2.2 Die metaphysische Entwicklung des auserwählten Helden
2.2.1 Metaphysische Prädisposition
2.2.2 Metaphysische Entwicklung
2.2.3 Metaphysisches Ziel
2.2.4 Die Selbsterlösung des auserwählten Helden
2.3 Der auserwählte Held über allem Menschlichen
2.4 Diesseitiger vs. jenseitiger Raum
2.4.1 Diesseitiger Raum
2.4.1.1 Ungleichheit, Hass, Gewalt, Leid
2.4.1.2 Ewige Wiederkunft des Gleichen
2.4.2 Jenseitige Räume
2.5 Das Überwesen Hermaphrodit – Überwindung der diesseitigen Erotik
2.6 Theodizee – die Metaphysik der Selbsterlösung und die Rechtfertigung des Leidens in der Welt
2.6.1 Jeder kann sich selbst erlösen
2.6.1.1 Wegbegleiter des auserwählten Helden
2.6.1.2 Das verborgene Potenzial eines jeden Menschen
2.6.2 Auserwähltes Individuum vs. Masse und historische Persönlichkeiten
2.6.3 Das auserwählte Individuum als sein persönlicher Messias
2.6.4 Versprechen an den Leser
2.7 Jenseits von Gut und Böse
2.8 Bewertung von diesseitiger Hilfeleistung
2.9 Himmelfahrt vs. Mehr an irdischem Leben
2.10 Meyrink – Relativierung des Heilsversprechens
3. Kultureller Hintergrund – das Übermenschkonzept in der Frühen Moderne
3.1 Ursprünge und Verbreitung
3.2 Nietzsche
3.3 Okkultismus
3.4 Die Bedeutung des Hermaphroditen in der Kultur der Frühen Moderne
3.5 Fazit
4. Literaturverzeichnis
4.1 Quellentexte
4.1.1 Literarische Texte
4.1.2 Andere
4.2 Sekundärliteratur
Die vorliegende Arbeit untersucht das Motiv des „auserwählten Helden“ in fantastischen Romanen der Frühen Moderne (ca. 1890–1930) am Beispiel von Werken von Gustav Meyrink, Paul Busson und Hermann Wiedmer. Ziel ist es, die spezifischen Merkmale, die metaphysische Entwicklung und die Position dieser Figuren innerhalb ihrer (jenseitigen) Weltordnungen textimmanent zu analysieren und in den kulturellen Kontext der Zeit, insbesondere das Übermenschkonzept, einzubetten.
2.1.1 Begegnungen mit übernatürlichen Größen
Nach Wünsch unterscheidet sich der hier untersuchte Romantyp gegenüber der nicht-fantastischen Literatur der Frühen Moderne vor allem dadurch, dass in ihm übernatürliche – fantastische – Phänomene vorkommen. Diese gelten, wie sie herausarbeitet, in der dargestellten Welt jedoch nicht als selbstverständlich, sondern als etwas Außergewöhnliches. Ein wesentliches Merkmal der ‚auserwählten‘ Helden der hier untersuchten Texte besteht darin, dass sie in engeren, intensiveren Kontakt mit außerordentlichen, übernatürlichen Größen treten als alle übrigen Figuren der jeweiligen Diegese, beziehungsweise sogar als einzige Figur solchen übernatürlichen Größen begegnen. Wünsch weist darauf hin, dass die Helden der fantastischen Romane der Frühen Moderne unter anderem dadurch als privilegiert gekennzeichnet sind, dass solche übernatürliche Wesenheiten aktiv und ungerufen auf sie zukommen, was auch für die hier untersuchten Romane in vielen Fällen nachgewiesen werden kann.
Meyrinks übernatürliches Wesen Golem geht alle 33 Jahre im Prager Judenghetto um. In den Straßen wird es von zahlreichen Ghettobewohnern wahrgenommen, doch wie Wünsch aufzeigt, tritt es nur an den Protagonisten Athanasius Pernath aktiv heran, indem es ihn in seiner Wohnung aufsucht. Weitere übernatürliche Wesenheiten, die Pernath aufsuchen, sind: eine Materialisation der in der Tarotkarte ‚Pagat‘ dargestellten Figur, welche Pernaths eigenes Gesicht trägt; ein Phantom mit unsichtbaren Antlitz, begleitet von fremdartigen Wesen in zeremoniellen Gewändern und ein gekrönter Doppelgänger in weißem Ornat.
1. Einleitung: Definiert den Zeitrahmen der Frühen Moderne, klärt den Begriff der fantastischen Literatur und stellt das Korpus der vier ausgewählten Romane vor.
2. Analyseteil: Untersucht systematisch die Merkmale, metaphysische Entwicklung, Raumkonzepte und religiös-ethischen Fragen der „auserwählten“ Protagonisten.
3. Kultureller Hintergrund – das Übermenschkonzept in der Frühen Moderne: Bettet die literarischen Ergebnisse in den historischen Kontext von Genie-Kult, Nietzsche-Rezeption und okkultistischen Lehren ein.
4. Literaturverzeichnis: Listet die verwendeten primären Quellentexte und die umfangreiche Sekundärliteratur auf.
Auserwählter Held, Fantastische Literatur, Frühe Moderne, Metaphysik, Hermaphroditismus, Selbsterlösung, Übermensch, Diesseits, Jenseits, Gustav Meyrink, Paul Busson, Hermann Wiedmer, Reinkarnation, Theodizee, Okkultismus
Die Arbeit analysiert die Darstellung und Charakterisierung des „auserwählten Helden“ in fantastischen Romanen der Frühen Moderne, insbesondere bei Gustav Meyrink, Paul Busson und Hermann Wiedmer.
Zu den zentralen Themen gehören die Merkmale der Helden, ihre metaphysische Entwicklung, der Dualismus von diesseitigem und jenseitigem Raum sowie die Rolle von Hermaphroditismus und Selbsterlösung.
Das Ziel ist es, die spezifische Rollenkonzeption der Helden als „Auserwählte“ innerhalb ihrer jeweiligen fantastischen Welten textimmanent zu entschlüsseln und theoretisch zu fundieren.
Es handelt sich primär um eine literaturwissenschaftliche, textimmanente Analyse der ausgewählten Primärliteratur, die durch kulturgeschichtliche und fachwissenschaftliche Kontexte ergänzt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfangreichen Analyseteil (Kapitel 2), der die literarischen Strukturen aufschlüsselt, und einen kulturgeschichtlichen Teil (Kapitel 3), der diese mit Übermensch-Konzepten der Zeit verknüpft.
Wichtige Begriffe sind Auserwähltheit, Metaphysik, Hermaphroditismus, Frühe Moderne, Selbsterlösung und der Gegensatz von Diesseits und Jenseits.
Walter von Tillo ist eine biologische Ausnahme, da er ein Zwitter (Hermaphrodit) ist, der sowohl männliche als auch weibliche Anteile in sich vereint und im Verlauf seiner Entwicklung die zweite Lebenshälfte als Frau verbringt.
Der Golem fungiert als übernatürliche Wesenheit, die den Protagonisten Athanasius Pernath aufsuchen und initiieren kann. Zudem wird er von der Forschung oft als „Symbol der Massenseele“ und als unbewusster Personenanteil des Helden gedeutet.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

