Bachelorarbeit, 2013
38 Seiten
1. Einleitung
2. Begriff des mittelhochdeutschen Tagelieds
3. Ursprung der Wächterfigur
4. Auswahl der Tagelieder
5. Wolfram von Eschenbachs Von der zinnen
5.1. Der Dichter und sein Werk
5.2. Von der zinnen – Inhalt und Aufbau
5.3. Die klassische Wächterfigur in Von der zinnen
6. Burggraf von Lienz´ Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ulrich von Lichtensteins Ein schoeniu maget
6.1. Burggraf von Lienz - Der Dichter und sein Werk
6.2. Ulrich von Lichtenstein - Der Dichter und sein Werk
6.3. Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ein schoeniu maget – Inhalt und Aufbau
6.4. Ulrichs Kritik an der Wächterfigur im Vrouwen dienest
6.5. Die Wächterfigur und die Zofe in Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ein schoeniu maget
7. Steinmars Swer tougenliche minne hât
7.1. Der Dichter und sein Werk
7.2. Swer tougenliche minne hât – Inhalt und Aufbau
7.3. Die Wächterkritik und der staete friunt in Swer tougenliche minne hât
8. Der Wächter – ein fester Bestandteil des Tagelieds?
9. Die Fiktionalität der Wächterfigur im Tagelied
10. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle und die funktionale Gestaltung der Wächterfigur im deutschen Tagelied des 13. Jahrhunderts. Ziel ist es, den Ursprung dieser Figur zu beleuchten, ihre Entwicklung in den Werken bedeutender Dichter nachzuvollziehen und kritisch zu hinterfragen, inwieweit die Wächterfigur ein unverzichtbarer Bestandteil der Gattung ist oder im Laufe der Zeit durch alternative Konzepte wie die Zofe oder den Vertrauten abgelöst wurde.
5.3. Die klassische Wächterfigur in 'Von der zinnen'
"Das Lied gehört dem Wächter." So drückt es P. Wapnewski in seiner Analyse aus. Die ersten beiden der insgesamt drei Strophen des Tagelieds Von der zinnen sind Wächterstrophen. Der Wächter beginnt mit der Verkündung seiner Absicht, alsbald von den Zinnen zu steigen und das Tagelied zu singen:
Von der zinnen wil ich gên, in tagewîse sanc verbern(1,1-3).
Mit tagewîse ist hierbei einerseits der morgendliche Weckruf für das heimliche Liebespaar gemeint, andererseits aber auch die Gattung Tagelied. Der Terminus wird in keinem anderen Lied Wolframs verwendet.
Die typischen Merkmale, die auch in den anderen Tageliedern Wolframs vorhanden sind, sind auch hier gegeben. Das heimliche Paar darf nach der gemeinsam verbrachten Nacht in der Kemenate der Dame nicht entdeckt werden und der Ritter schützt seine Geliebte, indem er sie verlässt und übernimmt für beide die Verantwortung.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Wächterfigur im Tagelied des 13. Jahrhunderts und die Vorstellung der untersuchten Autoren.
2. Begriff des mittelhochdeutschen Tagelieds: Definition und Gattungsmerkmale des Tagelieds, eingebettet in den Kontext des Minnesangs.
3. Ursprung der Wächterfigur: Diskussion über die Herkunft der Wächterfigur und deren Etablierung in der deutschen Literatur.
4. Auswahl der Tagelieder: Begründung der Auswahl der analysierten Dichter (Wolfram von Eschenbach, Burggraf von Lienz, Ulrich von Lichtenstein, Steinmar).
5. Wolfram von Eschenbachs Von der zinnen: Detaillierte Analyse des Werkes von Wolfram von Eschenbach, insbesondere der dominierenden Rolle des Wächters.
6. Burggraf von Lienz´ Ez gienc ein juncfrou minneclîch und Ulrich von Lichtensteins Ein schoeniu maget: Untersuchung der Neuerungen durch die Einbindung der Zofe als neue Figur.
7. Steinmars Swer tougenliche minne hât: Analyse von Steinmars kritischer Reflexion des Wächter-Typs und dessen Ersatz durch den staeten friunt.
8. Der Wächter – ein fester Bestandteil des Tagelieds?: Untersuchung zur Notwendigkeit der Wächterfigur für die Gattungsbestimmung.
9. Die Fiktionalität der Wächterfigur im Tagelied: Reflexion über den fiktionalen Charakter des Tagelieds und den Wandel hin zu realistischeren Darstellungen.
10. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse zur Funktion und Transformation der Wächterfigur.
Tagelied, Wächterfigur, Minnesang, Wolfram von Eschenbach, Mittelalter, Literaturgattung, Fiktionalität, Ulrich von Lichtenstein, Burggraf von Lienz, Steinmar, Gattungsgeschichte, Minne, Liebeslyrik, Zofe, ständische Kritik
Die Arbeit analysiert die Funktion, Entwicklung und kritische Hinterfragung der Wächterfigur in ausgewählten Tageliedern des 13. Jahrhunderts.
Im Zentrum stehen die Gattungskonstitution des Tagelieds, die Rolle des Wächters als Beschützer des Liebespaares sowie die Variationen dieser Figur durch verschiedene Minnesänger.
Es wird erforscht, wie Dichter die klassische Wächterfigur durch neue Figuren wie die Zofe oder den Vertrauten ersetzten und damit auf gesellschaftliche Veränderungen sowie interne Gattungskritik reagierten.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Textanalyse, kombiniert mit komparatistischen Vergleichen zwischen verschiedenen Tageliedern und Rückgriffen auf einschlägige Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelanalysen zu Werken von Wolfram von Eschenbach, Burggraf von Lienz, Ulrich von Lichtenstein und Steinmar, wobei der Fokus jeweils auf der individuellen Ausgestaltung der Wächterrolle liegt.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tagelied, Wächterfigur, Minnesang, Fiktionalität und Gattungsvariation charakterisiert.
Die Zofe ersetzt den Wächter als standesgemäße und vertrauenswürdigere Geheimniswahrerin, was dem Wunsch nach einer höheren Plausibilität und Diskretion im fiktiven Rahmen entspricht.
Steinmar kritisiert die Treuebindung des Wächters zum Geliebten und den damit verbundenen Verrat gegenüber dem Ehemann der Dame, was er als gesellschaftlich problematisch betrachtet.
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