Bachelorarbeit, 2011
30 Seiten, Note: sehr gut
Einleitung
Der Timaios als Naturphilosophie - zum Begriff der φύσις
Die Scheidung von Sein und Werden in ihrem argumentativen Kontext
Differenzierung von Sein und Werden – immer sein als wahrhaft sein
Korrelation von Sein und Erkennen
Die Erkenntnis des ὄντως ὄν - νοήσει μετὰ λόγου
Die δόξα μετ᾽ αἰσθήσεως ἀλόγου
Zur Verhältnisbestimmung von ὄντως ὄν und γιγνόμενον entlang des τέχνη-Modells
Resümee: Physis – Techne – Eidos
Das Hauptziel dieser Arbeit ist eine detaillierte textnahe Untersuchung des Proömiums zu Platons Timaios, um die fundamentale philosophische Scheidung von Sein und Werden zu erarbeiten und deren Bedeutung für das platonische Naturverständnis sowie die Erkenntnistheorie zu beleuchten.
Die Scheidung von Sein und Werden in ihrem argumentativen Kontext
Im Gegensatz zu den später folgenden Ausführungen über Entstehung, Ursprung und Aufbau der sichtbaren Welt, fällt der axiomatische Teil der ersten Rede noch nicht unter die methodische Beschränkung eines εἰκὼς λόγος. Die Differenzierung τοῦ ὄν ἀεί - τοῦ γιγνόμενον ἀεί erhebt, durch ihre rein begriffliche Struktur, nicht nur den Anspruch unwiderlegbar (ἀνέλεγκτος) und unüberwindbar (ἀνίκητος) zu sein (29b 8f.), sondern sie selbst ist es, die solche Erkenntnis gewissermaßen erst ermöglicht. Die Erörterung jedes Gegenstandes muss sich insofern entlang dieser metaphysischen Grundunterscheidung bewegen (28b 5f), als damit die Grenzen und Möglichkeiten der fraglichen Erörterung „a priori“ bestimmt werden. Gleiches gilt nun auch von der Erörterung der Physis des Alls. Aus seiner Zuordnung zum Bereich des Werdens können, durch Analyse der ontologischen Grundverfassung des Werdenden schlechthin, jene, ihrerseits dem Anspruch nach unwiderlegbaren, Axiomata abgeleitet werden, die einem εἰκὼς λόγος als argumentative Grundlage dienen können und das Verfehlen sowohl des rechten Anfangs, als auch der rechten Ansprüche an die Gültigkeit des gewonnenen Wissens abwenden. Das Proömium gibt so durch den Aufweis der fundamentalen Strukturideen des Seins im Ganzen das Gerüst für die sachgerechte Erörterung des Kosmos und damit die Skizze einer „reinen“ Physik, der alle weitere, auf Erfahrungsgegenstände bezogene Rede, verpflichtet bleibt.
Einleitung: Einführung in das Leitmotiv der platonischen Metaphysik und Ankündigung der textnahen Interpretation des Proömiums unter Einbeziehung philosophischer Auslegungstraditionen.
Der Timaios als Naturphilosophie - zum Begriff der φύσις: Untersuchung des methodischen Anspruchs, für jeden Gegenstand einen sachgerechten Anfang zu finden, und Klärung des Begriffs der Physis als lebendige Gewachsenheit.
Die Scheidung von Sein und Werden in ihrem argumentativen Kontext: Analyse der axiomatischen Trennung von Sein und Werden als Voraussetzung für jede weitere philosophische Untersuchung des Kosmos.
Differenzierung von Sein und Werden – immer sein als wahrhaft sein: Diskussion darüber, wie das Sein als "immer seiend" oder "immer werdend" zu verstehen ist und welche Rolle die zeitlose Bestimmung dabei spielt.
Korrelation von Sein und Erkennen: Darstellung der untrennbaren Verbindung zwischen der Seinsart eines Gegenstandes und der Weise, wie wir ihn erkennen.
Die Erkenntnis des ὄντως ὄν - νοήσει μετὰ λόγου: Interpretation der Vernunfterkenntnis, die sich auf das zeitlose, mit sich selbst identische Sein bezieht.
Die δόξα μετ᾽ αἰσθήσεως ἀλόγου: Auseinandersetzung mit der sinnlichen Auffassung, die dem Werdenden und dem Kontingenten zugeordnet ist.
Zur Verhältnisbestimmung von ὄντως ὄν und γιγνόμενον entlang des τέχνη-Modells: Untersuchung der Rolle des Demiurgen und der Analogie zwischen dem Schöpfungsvorgang und handwerklicher Tätigkeit.
Resümee: Physis – Techne – Eidos: Zusammenführende Betrachtung der erarbeiteten Erkenntnisse über das Verhältnis von Natur, Wissen und dem Eidos.
Platon, Timaios, Sein, Werden, Physis, Erkenntnistheorie, Dialektik, Nous, Doxa, Eidos, Techne, Demiurg, Metaphysik, Urbild, Abbild.
Die Arbeit widmet sich einer detaillierten Analyse des Proömiums von Platons Dialog Timaios (27d – 28a), um die grundlegende ontologische Unterscheidung zwischen dem zeitlosen Sein und dem vergänglichen Werden zu klären.
Zentrale Felder sind die platonische Metaphysik, die Erkenntnistheorie, die Naturphilosophie und die Frage nach der Seinsweise des Kosmos als Repräsentation eines ewigen Paradigmas.
Das Ziel ist es, durch eine "close reading"-Methode ein Verständnis für die zentralen Vorstellungen zu gewinnen, die das Proömium als methodischen Rahmen für den gesamten restlichen Dialog etablieren.
Der Autor wendet eine textnahe, phänomenologisch orientierte Interpretation an, wobei er moderne philosophische Überlegungen (insbesondere von Martin Heidegger und Gernot Böhme) zur Orientierung heranzieht, ohne den eigenen Interpretationsansatz zu verfälschen.
Der Hauptteil behandelt die Korrelation von Seinsmodi und Erkenntnisweisen, die Bedeutung der Physis, die Funktion der dialektischen Methode sowie die Analogie des Demiurgen als ordnende Kraft, die den Kosmos nach zeitlosen Mustern formt.
Die Begriffe Sein und Werden, Eidos (Idee), Doxa (Auffassung/Meinung), Nous (Vernunft), Physis (Natur) und die Urbild-Abbild-Relation stehen im Mittelpunkt der begrifflichen Analyse.
Die Vernunfterkenntnis (Noesis) bezieht sich auf das ewige, unveränderliche Sein, während die Meinung (Doxa) an die sinnliche Wahrnehmung des Werdenden und Veränderlichen gebunden ist.
Das Techne-Modell hilft zu verstehen, wie das Ewige in das Werden einwirkt, indem der Demiurg als eine Art Handwerker oder Baumeister betrachtet wird, der sich bei der Erschaffung des sichtbaren Kosmos an zeitlosen Modellen (Paradigmata) orientiert.
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