Magisterarbeit, 2010
98 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
Teil I: Die „Kleine Eiszeit“ – Ursachen und Folgen
1. Die „Kleine Eiszeit“ – Versuch einer Definition
2. Die Ursachen der „Kleinen Eiszeit“
3. Vorherrschende Luftdruckkonstellationen während der „Kleinen Eiszeit“ und heute – ein Vergleich
4. Die Witterung während des Höhepunkts der europäischen Hexenverfolgung
5. Die ökonomischen Folgen der „Kleinen Eiszeit“ für die Landwirtschaft
6. Die Hungerkrise der frühen 1570er Jahre und der allmähliche Mentalitätswandel
Teil II: Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland vor dem Hintergrund der „Kleinen Eiszeit“
7. Zeitgenössische Erklärungsansätze für Witterung und Wetter
8. Die Hexenverfolgungen in Wiesensteig und der Reichsstadt Esslingen
9. Widerspruch aus Stuttgart: Die Ansichten der beiden Theologen Matthäus Alber und Wilhelm Bidembach
10. Hexenprozesse im Herzogtum Württemberg und die Meinungen weiterer führender Theologen
11. Hexenverfolgungen in der Reichsstadt Rottweil
12. Hexenverfolgungen in der hohenbergischen Stadt Rottenburg
13. Die beiden Verfolgungswellen in der Fürstpropstei Ellwangen
14. Die Hexenprozesse in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd
Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland im Kontext der „Kleinen Eiszeit“? – ein Fazit
Die Arbeit untersucht die These, ob ein direkter Zusammenhang zwischen den klimatischen Verschlechterungen der „Kleinen Eiszeit“ und den Konjunkturen der Hexenverfolgung im südwestdeutschen Raum zwischen 1560 und 1630 besteht. Dabei wird analysiert, inwieweit Witterungsanomalien und die daraus resultierenden Versorgungskrisen als Auslöser für soziale Spannungen und die Suche nach Sündenböcken in Form von Hexenprozessen dienten.
Die Witterung während des Höhepunkts der europäischen Hexenverfolgung
Nachdem wir nun die wichtigsten Luftdruckkonstellationen, die die Witterung Mitteleuropas maßgeblich steuern, kennengelernt haben, ist ein Blick auf deren konkreten Verlauf mit all seinen Besonderheiten angebracht, um zu sehen, vor welchem witterungsklimatischen Hintergrund die Hochphase der europäischen Hexenverfolgung stattfand.
Insgesamt gesehen war die „Kleine Eiszeit“ eine global spürbare Abkühlungsphase. Weltweit verringerte sich die Durchschnittstemperatur um 1°C bis 2°C. Die Gletscher rückten vor und in den Gebirgen wanderte die Baumgrenze talwärts. Zwischen 1550 und 1700 lagen die Durchschnittstemperaturen zwischen 1,2°C und 1,4°C tiefer als während des Mittelalterlichen Klimaoptimums.
Die Zunahme strenger Winter ab 1564 markierte die beginnende Klimaverschlechterung. Im Schnitt waren die Winter der „Kleinen Eiszeit“ um 0,4°C kälter als in der Zeit von 1901 bis 1960. Diese Grundtendenz wurde allerdings bis etwa 1650 immer wieder von Phasen überlagert, in denen die Winter genauso mild waren wie in der Vergleichsperiode. Andererseits gab es namentlich zwischen 1565 und 1595 eine Häufung von Wintern, die um 1,3°C frostiger waren.
Einleitung: Einführung in das Thema Klimawandel, Definition von Grundbegriffen der Klimatologie und Hinführung zur Fragestellung der Arbeit.
Teil I: Die „Kleine Eiszeit“ – Ursachen und Folgen: Analyse der Definition der „Kleinen Eiszeit“, ihrer physikalischen Ursachen und ihrer ökonomischen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion.
Teil II: Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland vor dem Hintergrund der „Kleinen Eiszeit“: Untersuchung der zeitgenössischen Wetterdeutung und detaillierte Darstellung von Hexenprozessen in verschiedenen südwestdeutschen Regionen.
Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland im Kontext der „Kleinen Eiszeit“? – ein Fazit: Synthese der Untersuchungsergebnisse und abschließende Beantwortung der Frage nach dem kausalen Zusammenhang zwischen Klimaverschlechterung und Hexenverfolgung.
Kleine Eiszeit, Hexenverfolgung, Südwestdeutschland, Klimageschichte, Witterungsanomalien, Landwirtschaft, Agrarkrise, Mentalitätsgeschichte, Wetterzauber, Sündenbock, Soziale Spannungen, Teufelsglaube, Frühe Neuzeit, Klimatologie, Hungerkrisen.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Klimaverschlechterung in der Frühen Neuzeit, der sogenannten „Kleinen Eiszeit“, und der Intensivierung der Hexenverfolgungen in Südwestdeutschland.
Zentrale Themen sind Klimatologie, Agrar- und Wirtschaftsgeschichte, Mentalitätsgeschichte sowie die rechtliche und religiöse Praxis in Hexenprozessen des 16. und 17. Jahrhunderts.
Das Ziel ist es, die These zu überprüfen, ob Klimaverschlechterungen und die daraus resultierenden Versorgungskrisen direkt für die Wellen der Hexenverfolgung in Südwestdeutschland verantwortlich gemacht werden können.
Es handelt sich um eine kulturgeschichtliche und historisch-klimatologische Analyse, die historische Quellen (Chroniken, Flugschriften, Predigten) mit modernen Erkenntnissen der Klimageschichte verknüpft.
Der Hauptteil behandelt zunächst die klimatischen Ursachen und Folgen der „Kleinen Eiszeit“ und analysiert anschließend anhand zahlreicher Regionalbeispiele die spezifischen Auslöser für Hexenprozesse.
Schlüsselwörter sind unter anderem Kleine Eiszeit, Hexenverfolgung, Südwestdeutschland, Agrarkrisen, Mentalitätswandel und Schadenzauber.
Die Auswahl erfolgte basierend auf der grundlegenden Arbeit von Erik Midelfort sowie der Verfügbarkeit von historischen Quellen in den jeweiligen Territorien.
Die Theologen fungierten als Multiplikatoren; während einige (wie in Stuttgart) die Vorstellung vom Wetterzauber der Hexen ablehnten und auf Gottes Allmacht verwiesen, befeuerten andere durch ihre Predigten die Angst der Bevölkerung.
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