Magisterarbeit, 2013
95 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Der historisch-politische Kontext der Rating-Agenturen: “A Century of Market Leadership”
2.1 Von der Entstehung bis zu ersten staatlichen Funktionen
2.1.1 Der Beginn und die Etablierung an den Finanzmärkten
2.1.2 Staatliche Unterstützung
2.2 Ausweitung der Einflussnahme in den USA seit den späten 1960er Jahren
2.2.1 Gegenseitige Abhängigkeiten
2.2.2 Ein neuer Status im Finanzsystem
2.2.3 Liberalisierung und (De-)Regulierung der (Finanz-)Wirtschaft
3 Rating-Agenturen heute
3.1 Der Rating-Prozess: Arbeitsweise und Bewertungskriterien
3.1.1 Ratings privater Emittenten und Produkte
3.1.2 Sovereign Ratings - Die Bewertung von Staaten
3.2 Die globale Verflechtung der Finanzmarktakteure
3.2.1 Eigentümerstruktur und Handlungsmotivation der Agenturen
3.2.2 Rating-Agenturen in der europäischen Finanzmarktregulierung
4 Finanzmarkstabilität – Ein Definitionsversuch
5 Die US-Immobilienkrise
5.1 Entstehung und Verlauf
5.2 Die Rolle der Agenturen
5.3 Direkte Konsequenzen
6 Die Europäische Staatsschuldenkrise und der Einfluss der Rating-Agenturen
6.1 Die Finanzkrise führt zur Staatsschuldenkrise in Europa
6.1.1 Ausgewählte Rettungsmaßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte
6.1.2 Die außerordentlichen Belastungen führen zur Überschuldung
6.2 Der Einfluss der Agenturen auf die europäische Finanzmarktstabilität
6.2.1 Die Bedeutung der Meinungen von S&P, Moody’s und Fitch
6.2.2 Rating-Agenturen und Finanzmarktstabilität
6.2.3 Eingeschränkter Einfluss
7 Zusammenfassung, Aktuelles und Ausblick
7.1 Zusammenfassung
7.2 Aktuelles und Ausblick
8 Anhang
Die Arbeit untersucht den Einfluss von privaten Rating-Agenturen auf die Finanzmarktstabilität im Kontext der europäischen Staatsschuldenkrise. Dabei wird analysiert, inwieweit das Verhalten dieser Agenturen – geprägt durch Interessenkonflikte und eine enge regulatorische Einbindung – zur Entstehung und Verschärfung der Krise beigetragen hat.
3.2.1 Eigentümerstruktur und Handlungsmotivation der Agenturen
Ich möchte an einem einfachen Beispiel die mit der Eigentümerstruktur verbundenen Interessenkonflikte veranschaulichen:
Stellen wir uns das globale Finanzsystem einmal als private Grundschule vor. In dieser imaginären Schule besitzen einige wenige der Schüler das Lehrerkollegium. Die von ihnen angestellten Lehrer werden von ihnen bezahlt. Mehr noch, die Lehrer dürfen und können die Schule nicht verlassen, weil sie nie etwas anderes gelernt haben und dies die einzige Grundschule der Welt ist. Im Grunde gehören sie selbst den Schülern, sind deren Eigentum. Somit besitzen und bezahlen die Schüler ihre eigenen Lehrer. Die Schüler haben alle zusammen das gemeinsame Interesse an guten Noten und darüber hinaus an einer Empfehlung für das Gymnasium. Die Lehrer wissen das. Eigentlich (und nach außen hin tun die Lehrer genau das) sind sie dem Allgemeinwohl verpflichtet, indem sie nur solche Schüler auf das Gymnasium schicken, die entsprechende Leistungen erbringen. Jedoch haben die Schüler zusätzlich die Wahl zwischen verschiedenen Lehrern, die sie gemeinsam besitzen. Natürlich sind die abschließenden Empfehlungen der Lehrer nur Meinungen und selbst wenn viele der von ihnen gut benoteten Schüler kurz darauf sitzenbleiben und ganze Klassen in ihrer Leistungsfähigkeit herunterziehen, liegt das natürlich nicht an den Grundschullehrern. Sie haben schließlich nur unverbindliche Meinungen über die Leistungsfähigkeit der Schüler in Form von Noten geäußert, die allerdings durch die beschriebenen Umstände eine faktische Verbindlichkeit erhalten. Liegt es in diesem Beispiel nicht nahe, dass Interessenkonflikte bestehen?
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und der Relevanz der Rolle von Rating-Agenturen bei der Entstehung der Staatsschuldenkrise.
2 Der historisch-politische Kontext der Rating-Agenturen: “A Century of Market Leadership”: Detaillierte Darstellung der historischen Entwicklung und der staatlich geförderten Machtposition der Agenturen in den USA.
3 Rating-Agenturen heute: Analyse der Arbeitsprozesse, der Bewertungskriterien und der globalen Verflechtungen der Agenturen mit Finanzmarktakteuren.
4 Finanzmarkstabilität – Ein Definitionsversuch: Auseinandersetzung mit verschiedenen Begriffsverständnissen von Finanzmarktstabilität und deren Problematik.
5 Die US-Immobilienkrise: Untersuchung des Versagens der Agenturen während der Subprime-Krise und der direkten Konsequenzen für den globalen Finanzsektor.
6 Die Europäische Staatsschuldenkrise und der Einfluss der Rating-Agenturen: Empirische Untersuchung des Einflusses der Agenturen auf die Finanzierungskosten europäischer Staaten sowie der Problematik der Sonderbehandlung bestimmter Länder.
7 Zusammenfassung, Aktuelles und Ausblick: Synthese der Ergebnisse sowie Diskussion neuer regulatorischer Ansätze aus dem Jahr 2013.
8 Anhang: Grafische Darstellungen der Rating-Historien der sogenannten PIGS-Staaten.
Rating-Agenturen, Finanzmarktstabilität, Staatsschuldenkrise, US-Immobilienkrise, Subprime-Krise, NRSRO, Interessenskonflikte, Bonitätsbewertung, Staatsanleihen, PIIGS-Staaten, Finanzmarktregulierung, Kapitalmärkte, Risikoaufschläge, Basel II.
Die Arbeit analysiert den Einfluss der drei großen Rating-Agenturen auf die Stabilität der Finanzmärkte, insbesondere im Zusammenhang mit der europäischen Staatsschuldenkrise.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Machtkonzentration der Agenturen, ihren Interessenkonflikten durch die Eigentümerstruktur, ihrer Rolle in der Immobilienkrise und ihrem Einfluss auf die Zinskosten für Staatsanleihen.
Ziel ist es, darzustellen, wie Rating-Agenturen innerhalb der Finanzmärkte agieren, ob ihr Verhalten die aktuelle Krise beeinflusst hat und welche Interessen sie dabei verfolgen.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse des historisch-politischen Kontexts, die Auswertung von Statistiken sowie die Einbeziehung empirischer Studien, etwa zur Quantifizierung des Einflusses von Meinungen der Agenturen auf Zinsspreads.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Entwicklung der Agenturen in den USA, deren Methoden der Bonitätsbewertung, das Versagen bei der US-Immobilienkrise und die anschließende Untersuchung der Situation in Europa.
Zentrale Begriffe sind Rating-Agenturen, Finanzmarktstabilität, PIGS-Staaten, Interessenkonflikte, Subprime-Krise und Finanzmarktregulierung.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Agenturen durch ihre unzutreffenden Bewertungen hochriskante strukturierte Finanzprodukte als sicher eingestuft und somit die Immobilienblase als Katalysator massiv unterstützt haben.
Es wird aufgezeigt, dass Rating-Agenturen faktisch quasi-staatliche Regulierungsfunktionen übernommen haben, die den Handlungsspielraum von Regierungen durch erhöhte Zinslasten bei Herabstufungen stark einschränken können.
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