Magisterarbeit, 2013
97 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Allgemeiner Teil
2.1 Geschichte der Homosexualität
2.2 Sexualität und Geschlechterkonstruktion in unserer Gesellschaft
2.3 Konstitution des Homosexuellen
2.3.1 Sexuelle Identitätsentwicklung
2.3.2 Coming Out
2.3.3 Lebenswirklichkeiten Homosexueller
2.4 Homosexualität in unserer Gesellschaft
3 Homosexualität und Kirche
3.1 Homosexualität im Alten und Neuen Testament
3.2 (Homo)Sexualität und Kirche heute
3.3 Exkurs: Foucaults „Sexualität und Wahrheit“
4 Paarbeziehungen männlicher Homosexueller
4.1 Homosexuelle Partnerschaften
4.1.1 Liebe und Sexualität
4.1.2 Liebe und Freundschaft
4.1.3 Liebe und Verwirklichung im gesellschaftlichen Rahmen
4.1.4 Liebe und Treue vs. Promiskuität
4.2 Entwicklungsstufen einer Beziehung
4.3 Alltag und gesellschaftliches Leben männlicher Paare
4.4 Männliche Paarbeziehungen vs. Heterosexuelle Normalität
5 Ausgrenzung und Stigmatisierung in der Gesellschaft
5.1 Homosexualität und Identität
5.2 Typiken des Schwulseins
5.3 Folgen der Ausgrenzung
5.3.1 Stigma-Management und sexueller Handlungsstil
5.3.2 HIV und Infektionskrankheiten
5.3.3 Suizidalität
5.4 Gleichgeschlechtliche Partnerschaften nach geltendem Recht
5.5 Der Einfluss gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse auf die homosexuelle Identitätsbildung
6 Ausblick und Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenswirklichkeit männlicher Homosexueller in der modernen deutschen Gesellschaft und analysiert, wie trotz oberflächlicher Normalisierung Stigmatisierung und Ausgrenzung weiterhin bestehen bleiben.
2.1 Geschichte der Homosexualität
Homosexualität hat es zu allen Zeiten gegeben. „Obwohl homosexuelles Verhalten in jeder Kultur stets präsent ist, kann es in unterschiedlichen Gesellschaften und Epochen belohnt oder bestraft, gefordert oder verboten werden, vorübergehende Erfahrung oder lebenslange Berufung sein“ (Rubin 2003: 49). Bereits in der griechischen Antike wird darüber berichtet und auch in den nachfolgenden Epochen war dieses Thema präsent – mal mehr, mal weniger. Auch der Umgang änderte sich: „In manchen Gesellschaften wurde die gleichgeschlechtliche Anziehung allgemein akzeptiert oder sogar in Ehren gehalten. Zu anderen Zeiten und an anderen Orten wurde sie als unmoralisch abgelehnt“ (Aldrich 2007: 8). Schon zwischen den antiken Griechen und den Römern ist ein Bedeutungswandel zu beobachten. In beiden Kulturen aber war es gleich, dass der (erwachsene) Mann sich nicht penetrieren ließ, da dies als schwach und weibisch galt (vgl. Hupperts 2007: 29-55). Dennoch hatte Homosexualität in beiden Kulturen den Stellenwert von Normalität, weil es gesellschaftlich sichtbar und vorhanden war.
Ein Bedeutungswandel vollzog sich dann im frühmittelalterlichen Europa zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert, indem sexuelle Normwidrigkeiten von päpstlicher oder kaiserlicher Seite vollzogen wurden (vgl. Hergemöller 2007: 57). In den Vordergrund trat die sexuelle Fortpflanzung und Homosexualität wurde als ernste Verletzung der christlichen Sexualethik interpretiert (vgl. Puff 2007: 80). Christliche Sexualität wurde auch für den Machtanspruch instrumentalisiert, wie Focault in seiner dreibändigen Abhandlung „Sexualität und Wahrheit“ darlegt. „Zu einer Zeit, in der obrigkeitliche Autorität auf christlichen Glaubenssätzen beruhte, reichte die Bibel [...] als Grundlage, um Strafen zu verhängen“ (Puff 2007: 81). Die Bestrafung Homosexueller im Mittelalter reichte von Geldstrafen bis zur Hinrichtung. In dieser Epoche (1400-1700) ging die Verdammung sowohl theologisch als auch jursitisch gegen Homosexuelle einher mit der Bejahung von Homoerotik in den Kunstwerken (vgl. Puff 2007: 79).
1 Einleitung: Stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Normalität homosexueller Lebensweisen in der modernen Gesellschaft und erläutert die terminologische Abgrenzung.
2 Allgemeiner Teil: Bietet einen historischen Abriss, definiert die Konstitution des Homosexuellen und behandelt die Bedeutung der sexuellen Identitätsentwicklung sowie des Coming-Outs.
3 Homosexualität und Kirche: Untersucht das gespannte Verhältnis zwischen religiösen Dogmen und der Realität homosexueller Identität unter Bezugnahme auf biblische Texte und Foucaults Werk.
4 Paarbeziehungen männlicher Homosexueller: Analysiert spezifische Herausforderungen, Treuevorstellungen und Beziehungsdynamiken bei schwulen Männern im Vergleich zum heterosexuellen Normalbild.
5 Ausgrenzung und Stigmatisierung in der Gesellschaft: Beleuchtet die negativen Auswirkungen gesellschaftlicher Ausgrenzung, die Rolle der Subkultur, Stigma-Management sowie HIV und Suizidalität.
6 Ausblick und Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet den gegenwärtigen Status von Homosexuellen als teilweise anerkannte Mitglieder unserer Gesellschaft.
Homosexualität, Identität, Coming-Out, Subkultur, Stigmatisierung, Diskriminierung, Paarbeziehung, Männlichkeit, Sexualität, Kirche, HIV, Risikoverhalten, Soziale Schicht, Lebenswirklichkeit, Emanzipation.
Die Arbeit analysiert die Lebenswirklichkeit männlicher Homosexueller in Deutschland und setzt sich kritisch mit deren gesellschaftlicher Stellung, Diskriminierungserfahrungen und Identitätsbildung auseinander.
Die Arbeit deckt historische Kontexte, das Verhältnis zur Kirche, die Dynamiken in Partnerschaften sowie die soziologischen Aspekte von Ausgrenzung und Stigmatisierung ab.
Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild darüber zu zeichnen, wie normal Homosexualität in der heutigen Gesellschaft tatsächlich ist und wo weiterhin strukturelle Unterschiede zur heterosexuellen Lebensweise bestehen.
Es handelt sich um eine soziologische Literaturarbeit, die verschiedene Studien und theoretische Konzepte zusammenführt, um die Lebensumstände männlicher Homosexueller zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Auseinandersetzung mit der Konstitution des Homosexuellen, die Analyse des kirchlichen Verhältnisses, die Struktur schwuler Partnerschaften und die tiefgehende Betrachtung von Stigmatisierungsprozessen.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Stigma-Management, die Subkultur als Schutzraum, die Entwicklung der schwulen Identität sowie das Spannungsfeld zwischen Anpassung und individueller Lebensgestaltung.
Die Arbeit zeigt, dass Männer aus der Unterschicht häufiger massiveren Ausgrenzungserfahrungen ausgesetzt sind und über weniger Ressourcen verfügen, um ein selbstbewusstes schwules Selbstbild zu entwickeln als Männer aus der Mittelschicht.
Das Coming-Out ist nicht nur ein einmaliges Ereignis, sondern ein lebenslanger, oft krisenhafter Prozess, der für die Integration einer homosexuellen Identität in die eigene Biografie und das soziale Umfeld essenziell ist.
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