Diplomarbeit, 2013
60 Seiten, Note: 2,0
A. Vorbetrachtung: Unbedingte Redlichkeit und ein „geniales Missverständnis“
B. Franz Overbeck und das „weltklug gewordene Christentum“
1. Einleitendes
2. Grundsätzliches
3. Christentum außerhalb und in der Welt
3.1 Die Historisierung des Christentums oder: Von „idealem“ und „realem“ Christentum
3.2 Die Modernisierung des Christentums oder: Von kultureller Attraktion und Aversion
4. Theologie in und vermittelt durch die Moderne
4.1 Die Vertretung des Christentums durch die moderne Theologie oder: Über Verzweckungsabsichten
4.2 Die Unvereinbarkeit von Theologie und Christentum oder: Über einen grundsätzlichen Widerspruch
5. Der „finis christianismi“ oder: „christliche Pilgerschaft in hoc saeculo“
C. Karl Barth und die ‚weltklug gewordene‘ Theologie
1. Die Weiterführung einer Polemik oder: Lektüre zwischen Vereinnahmung und Interpretation „unerledigter Anfragen“
1.1 Der erste „dialektische Theologe“ oder: Overbeck als Christ wider Willen
1.2 Vereinnahmung oder: „In der Luft stehen“
1.3 Interpretation I oder: Die Eschatologisierung der Overbeck’schen Analyse
1.4 Interpretation II oder: Die Anachronisierung der christlichen Religion
1.5 Weiterführung oder: Theologie zwischen den Extremen
2. Das „sachliche Rätsel“: Franz Overbeck als Anlass und Leitlinie für Karl Barths zweiten Römerbriefkommentar
2.1 Das Grundmuster: Glauben als Ertragen des unendlichen Widerspruchs
2.2 Die Beobachtung: Falsche und unmögliche Theologie
2.3 Die Konsequenz: Die „religiöse“ und die „unmöglichen Möglichkeit“
D. Nachbetrachtung: ‚Waches Warten‘ als Richtung einer möglichen Antwort auf „unerledigte Anfragen“
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische Rezeption des Kirchenhistorikers Franz Overbeck durch Karl Barth in der Anfangsphase seiner dialektischen Theologie. Im Zentrum steht die Analyse, wie Barth die von Overbeck diagnostizierte Unmöglichkeit der christlichen Theologie unter den Bedingungen der Moderne aufgriff, um daraus eine neue, eschatologisch orientierte Theologie zu entwickeln, die den Menschen in der radikalen Spannung vor Gott ernst nimmt.
3. Christentum außerhalb und in der Welt
Es ist für Overbeck nicht entscheidend, eine präzise Definiton dessen zu geben, was er unter ‚Welt‘ versteht; vielmehr beruft er sich tautologisch darauf, dass jedem Urteil über sie schon ein innerer, ganzheitlicher Begriff unterliege und man davon ausgehen könne, dass allgemein bekannt sei, was ‚Welt‘ ist: „Welt ist Welt und was man ‚von jeher‘ darunter verstanden hat“. Overbeck weigert sich schon aus praktischen Gründen, eine präzise Definiton vorzugeben, „weil ich nicht weiss, wie ich als ‚Weltmann‘, mich mit dem [Chri]s[ten]th[u]m auseinandersetzend, es wohl anders thun sollte, ohne bei jedem Gebrauch des Worts ‚Welt‘ jedesmal meinen ganzen Schulsack auszuschütten“.
Vielmehr gilt für ihn, vor allem im Blick auf das Christentum, dass dieses Wissen von und um ‚Welt‘ gänzlich unabhängig von einer religiösen oder christlichen Bestimmung dieses Begriffes ist, dass dieses Wissen dem Christentum erkenntnistheoretisch und historisch-chronologisch vielmehr vorgeordnet sei. Welt-Wissen ist ein Wissen a-priori als eines um Geschichte, Zeit und Menschheit, um „die Einh[ei]t von Himmel und Hölle“, um das profane Ganze der menschlichen Erfahrungen, und als solches ist es selbst profaner Natur. Diese mangelnde Begriffsschärfe birgt bei Overbeck allerdings die Gefahr, dass man in der Folge seiner Gedanken ‚Welt‘ nicht mehr als Raum- und Zeit-Kategorie bzw. als neutrale Bedingung von Kontingenz begreift, sondern ‚Welt‘ sehr leicht als ein quasi-mystisch vorgestelltes, autonom handelndes Subjekt verstehen kann; und in der Tat unterliegt Overbeck gerade in der Verhältnisbestimmung von Welt und Christentum dieser Gefahr nicht selten.
Konstitutiv für die weitere Gedankenführung ist zunächst eine Gegenüberstellung zweier Beobachtungen Overbecks; zum einen, „dass das Christenthum in der Welt nicht mehr das ist was es einst in ihr gewesen ist“. Darauf aufbauend bestimmt Overbeck zum anderen das Wesentliche des Christentums, d.h. das „echte, reine und ursprüngli[che]“ Christentum: Materiell ist es in seinem Bezug zur Welt dieser ein Gegenüber, hat es sie „ausser und unter sich“, grenzt es sich von ihr ab und weiß es durch seine eschatologische Perspektive um seine ihr gegenüber erhabene Stellung. In formaler Hinsicht ist das Wesentliche des Christentums nach Overbeck seine A-historizität.
A. Vorbetrachtung: Unbedingte Redlichkeit und ein „geniales Missverständnis“: Die Einleitung beleuchtet die literarisch-theologische Parallelisierung von Overbeck und Barth und etabliert die These, dass Overbeck der mäeutische Wegbereiter für Barths frühe Theologie ist.
B. Franz Overbeck und das „weltklug gewordene Christentum“: In diesem Kapitel wird Overbecks Analyse des Christentums als einer historischen Erscheinung dargelegt, die in ihrer Verweltlichung und Anbiederung an die moderne Kultur ihre ursprüngliche Identität verloren hat.
C. Karl Barth und die ‚weltklug gewordene‘ Theologie: Hier wird die Rezeption Overbecks durch Barth untersucht, wobei die Vereinnahmung des "skeptischen" Overbeck als Impuls für Barths eigene dialektische Wende und den Römerbriefkommentar herausgearbeitet wird.
D. Nachbetrachtung: ‚Waches Warten‘ als Richtung einer möglichen Antwort auf „unerledigte Anfragen“: Das Fazit fasst die Relevanz der Overbeckschen Anfragen für eine heutige Theologie zusammen, die sich jenseits von Soziologisierung und Selbstgenügsamkeit als ein Warten auf das Sich-Zeigen Gottes begreifen muss.
Franz Overbeck, Karl Barth, Dialektische Theologie, Historismus, Urgeschichte, Weltlichkeit, Eschatologie, Unmögliche Möglichkeit, Christentum, Kulturprotestantismus, Moderne, Theologiekritik, Offenbarung, Glaube, Moderne Theologie
Die Arbeit analysiert die theologische Auseinandersetzung des jungen Karl Barth mit dem Kirchenhistoriker Franz Overbeck und zeigt auf, wie Overbecks radikale Kirchen- und Theologiekritik Barth zur Neufindung einer dialektischen Theologie inspirierte.
Die zentralen Felder sind das Verhältnis von Christentum und Moderne, die Problematik der "Verweltlichung" der Theologie, der Begriff der "Urgeschichte" sowie die eschatologische Grundierung des christlichen Glaubens.
Das Ziel ist es, den Einfluss von Overbecks "unerledigten Anfragen" auf Barths frühen Römerbriefkommentar zu untersuchen und aufzuzeigen, wie Barth die Unmöglichkeit der Theologie als notwendige Voraussetzung für deren eigentliche Erneuerung verstand.
Die Arbeit folgt einer historisch-systematischen Methodik, indem sie Overbecks nachgelassene Schriften (vor allem das "Kirchenlexicon") und Barths Rezensionen sowie seine frühen dogmatischen Werke in eine korrelative Beziehung setzt.
Im Hauptteil wird zunächst Overbecks Diagnose der "weltklug gewordenen" Kirche behandelt, gefolgt von Barths radikaler Neuinterpretation dieser Diagnose, die zu einer Theologie führt, die Gott konsequent als das "ganz Andere" denkt.
Die wichtigsten Begriffe sind "Unmögliche Möglichkeit", "Finis christianismi", "Urgeschichte", "Dialektische Theologie" und die Aporie zwischen christlicher Offenbarung und historischer Wissenschaft.
Overbeck sieht das ursprüngliche Christentum als ein welt- und geschichtsloses Ereignis (Urgeschichte), während das historische Christentum als eine weltlich-institutionelle Größe auftritt, die ihre A-historizität im Prozess der Verweltlichung verloren hat.
Weil der Mensch als endliches Wesen aus sich heraus nicht fähig ist, über Gott zu sprechen. Theologie wird nur dann möglich, wenn sie diese Unmöglichkeit als Grenze akzeptiert und sich in der Offenbarung Gottes als "Warten" begreift.
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