Bachelorarbeit, 2012
33 Seiten, Note: 1,1
I. Einleitung
II. Das Fremde
1. Ordnung des Eigenen durch Abgrenzung von Fremdem
2. Pathos und Response
3. Ich als Anderer
4. Zeitliche Diastase
5. Unerreichbarkeit in der Wiederholung
III. Die Zeit
1. Fremde Zukunft
2. Vergangene Antwort
3. Gleichzeitigkeit in der Ungleichzeitigkeit
IV. Der Leib
1. Zeitliches Selbst
2. Die Welt und der Andere
3. Vielheit in der Einheit
V. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Selbst und Fremdem im Rahmen der Phänomenologie von Bernhard Waldenfels, mit einem speziellen Fokus auf die zeitliche Dimension und die Rolle des Leibes. Die zentrale Forschungsfrage widmet sich der Frage, wie das Selbst durch das Zusammentreffen mit dem Fremden konstituiert wird und in welcher Weise dieses „zeitliche Selbst“ in seiner Fremdheit zu begreifen ist.
1. Ordnung des Eigenen durch Abgrenzung von Fremdem
Eigenes, welches aus der Grenzziehung zwischen einem Innen und einem Außen entsteht, hat für Waldenfels immer schon die Form einer Ordnung, auf dessen Grundlage erst das Fremde als eine nicht zu erreichende Möglichkeit hervortritt. Diese eigene Ordnung ist folglich der Ausgangspunkt einer ständigen Grenzziehung, die letztendlich das Eigene vom Fremden abgrenzt. „Denn ohne die Ordnung, in der man fühlt, spricht, denkt, lebt und die uns umgibt wie eine Atmosphäre, wäre niemand, wer er ist, wäre nichts, was es ist.“ Gerade diese vorausgesetzte Ordnung, die es uns unmöglich macht einen neutralen Standpunkt einzunehmen, ist der Ort, an dem das Fremde uns trifft. Sie ist der Grund überhaupt, warum uns Fremdes treffen kann und zugleich der Ort, der mittels des Fremden gebildet wird. Hierbei zeigt sich sehr deutlich, dass die eigene Ordnung immer auch eine individuelle ist und daher das Fremde, da es dem Außerhalb des Eigenen entspricht, nur in Bezug zu einer jeweiligen eigenen Ordnung gedacht werden kann. In diesem Sinne beschreibt Gerhard Unterthurner in seinem Text „Logiken des Innen und Außen nach Waldenfels“ das Fremde als einen Überschuss, der nicht in einer weiteren Ordnung gefasst werden kann, sondern anwesend ist in der eigenen Ordnung, durch welchen diese über sich selbst hinausgetrieben wird. Auf der einen Seite haben wir dementsprechend das Verhältnis von Innen und Außen, dem Eigenes und Fremdes entsprechen, auf der anderen Seite unterliegt diese Grenzziehung einer ständigen Verschiebung.
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der Zeitlichkeit und die theoretische Grundlage der Phänomenologie des Fremden nach Waldenfels.
II. Das Fremde: Untersuchung der konstitutiven Rolle des Fremden für das Selbst durch Begriffe wie Pathos, Response und die zeitliche Diastase.
III. Die Zeit: Analyse der zeitlichen Struktur des Selbst im Hinblick auf die Zukunft, die Vergangenheit und die Gleichzeitigkeit.
IV. Der Leib: Betrachtung der Rolle des Leibes als Vermittlungsinstanz zwischen dem Selbst, der Welt und dem Anderen.
V. Schluss: Synthese der Ergebnisse zur Unzugänglichkeit des Selbst und der Bedeutung von Geburt und Tod als Grenzphänomene.
Bernhard Waldenfels, Phänomenologie, Das Fremde, Zeitlichkeit, Selbstkonstitution, Zeitliche Diastase, Leiblichkeit, Pathos und Response, Wiederholung, Grenzerfahrung, In-der-Welt-sein, Differenz, Identität, Andersheit, Wahrnehmung.
Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung mit der Fremderfahrung bei Bernhard Waldenfels und untersucht, wie sich das Selbst in seinem zeitlichen Vollzug durch die Begegnung mit dem Fremden konstituiert.
Die Arbeit konzentriert sich auf die Phänomenologie des Fremden, die zeitliche Struktur des menschlichen Erlebens (Zeitlichkeit) sowie die Rolle des Leibes als Schnittstelle zwischen Eigenem und Fremdem.
Das Ziel ist es, den Begriff des Selbst bei Waldenfels herauszuarbeiten und zu analysieren, inwiefern unser Dasein auf eine ständige Vermittlung mit dem Fremden angewiesen ist.
Es wird eine phänomenologische Analyse angewandt, die sich auf die Schriften von Bernhard Waldenfels stützt und dabei auch Bezüge zu anderen Philosophen wie Merleau-Ponty, Levinas und Sartre herstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Fremden, die Analyse der Zeitlichkeit und die Betrachtung der Rolle des Leibes, wobei insbesondere die Dialektik der Wiederholung und die zeitliche Spaltung (Diastase) im Fokus stehen.
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Phänomenologie, Fremdheit, zeitliche Diastase, Leiblichkeit, Pathos und Response sowie das Selbst als Prozess der ständigen Veränderung.
Das Fremde ist bei Waldenfels das, was außerhalb der eigenen Möglichkeiten und Reichweite steht, sich entzieht und gerade durch dieses Entziehen die eigene Ordnung herausfordert und konstituiert.
Die zeitliche Diastase beschreibt den unüberwindbaren Spalt zwischen dem Pathos des Fremden und der antwortenden Response des Selbst, wodurch das Selbst zeitlich und räumlich in einen Prozess der ständigen Differenzbildung versetzt wird.
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