Diplomarbeit, 2002
108 Seiten, Note: 1,3
1. Begriffsbestimmung und epidemiologische Grundlagen
1.1.Sucht
1.1.1.Der Suchtbegriff aus semantischer Sicht
1.1.2.Der Suchtbegriff in der Fachsprache
1.1.3.Suchtformen
1.1.3.1.Stoffgebundene Suchtformen
1.1.3.2.Stoffungebundene Suchtformen
1.1.4.Suchtkriterien
1.1.4.1.Merkmale einer physischen Abhängigkeit
1.1.4.2.Merkmale einer psychischen Abhängigkeit
1.1.5.Zusammenfassung
1.1.6.Befunde frauenspezifischer Suchtforschung
1.2.Polytoxikomanie
1.2.1.Definition von Polytoxikomanie
1.2.2.Der neue Mischkonsum
1.2.3.Polytoxikomanie und Frauen
1.2.4.Epidemiologische Grundlagen
1.3.Sexueller Missbrauch
1.3.1.Definition des Begriffs Sexueller Missbrauch
1.3.2. Psychische Folgeerscheinungen
1.3.3.Epidemiologische Grundlagen
1.4.Posttraumatische Belastungsstörung
1.4.1.Definition von Trauma
1.4.2.Definition des Begriffs Posttraumatische Belastungsstörung
1.4.3.Traumabezogene Symptomatik
1.4.4.Chronische Dissoziation bei andauerndem Missbrauch
1.4.5.Epidemiologische Grundlagen
2. Theoretische Grundlagen
2.1.Der frauenspezifische Blick auf die Sucht
2.1.1.Sucht als Mittel zur Realitätsflucht
2.1.2.Sucht als Widerstand
2.1.3.Sucht als Überlebensstrategie
2.2. Missbrauchstheorien
2.2.1.Gesamtgesellschaftliche Ursachen
2.2.1.1.Verteilung der Rollen
2.2.1.2.Geschlechtsspezifische Sozialisation
2.2.1.3.Doppeltes Machtgefälle
2.2.1.4.Bild männlicher Sexualität
2.2.2.Familiendynamische Ursachen
2.2.2.1.Starre Grenzen gegenüber der Gesellschaft
2.2.2.2.Verwischung der intrapsychischen Grenzen
2.2.2.3.Verwischung der Generationsgrenzen
2.2.2.4.Verwischung der interpersonellen Grenzen
3. Datenerhebungs- und Auswertungsmethoden
3.1.Erhebung
3.1.1.Das problemzentrierte Interview nach WITZEL
3.1.2.Vorstellung des Interviewleitfadens
3.1.3.Auswahl der Interviewpartnerinnen
3.1.4.Verlauf der Erhebung
3.2.Datenauswertung: Das „Zirkuläre Dekonstruieren“ nach JAEGGI u.a.
4. Einzelauswertung der Interviews
4.1.Interview Rosa
4.1.1.Zur Person
4.1.2.Postskriptum
4.1.3.Einzelauswertung
4.2.Interview Sonne
4.2.1.Zur Person
4.2.2.Postskriptum
4.2.3.Einzelauswertung
4.3.Interview Aina
4.3.1.Zur Person
4.3.2.Postskriptum
4.3.3.Einzelauswertung
5. Darstellung der Ergebnisse
5.1.Familiensituation
5.1.1.Die gespaltene Familie
5.1.2.Zwischen Verantwortung und Schuld
5.1.3.Normalität
5.2.Belastende Lebensereignisse und Bewältigungsstrategien
5.2.1.Flucht als Bewältigungsstrategie
5.2.2.Selbstheilung und Selbstzerstörung in der Sucht
5.2.3.Polytoxikomanie
5.2.4.Dissoziation
5.3.Weiblichkeitsbild
5.3.1.Ablehnung und Anpassung
5.3.2.Reproduktion von abhängigen Beziehungen
6. Diskussion der Ergebnisse
6.1.Befunde über den Zusammenhang von Sucht bzw. Polytoxikomanie und sexuellem Missbrauch
6.2.Risikofaktoren für die Suchtgenese
6.3.Der Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch, Posttraumatischer Belastungsstörung und Sucht als Überlebensstrategie
6.4.Frauenspezifische Suchtarbeit
7. Zusammenfassung
Die Arbeit untersucht einen möglichen Zusammenhang zwischen sexuellem Missbrauch in der Kindheit und der Entwicklung einer Polytoxikomanie bei Frauen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Sucht als Überlebensstrategie und Bewältigungsversuch bei traumatischen Erfahrungen dient.
2.1.1. Sucht als Mittel zur Realitätsflucht
Probleme, Krisen und Krankheiten von Frauen werden nach dieser Theorie als Reaktion auf konkrete gesellschaftliche Verhältnisse gesehen. Weiblich sein heißt einerseits „lieb, freundlich, anschmiegsam, ein bisschen depressiv und ein kleines bisschen ängstlich“ (HAUFFE 1995, S. 10), andererseits modern, also leistungsfähig, eigenständig und selbstsicher sein. Diese Widersprüchlichkeit, die im vermittelten Weiblichkeitsbild verborgen liegt, lässt keinen Raum ein positives Selbst zu entwerfen. Frauen äußern oft unsichere und ablehnende Gefühle gegenüber ihrem Geschlecht und ihrem Körper. Sie empfinden nur wenig Wertschätzung und Vertrauen. Diese Unsicherheit scheint Frauen sozial zu lähmen. Sie wissen nicht, was für sie richtig ist, verhalten sich wie Statistinnen in ihrem Leben. Das Schicksal scheint ihnen zu entgleiten und sie fühlen sich von außen gesteuert (Vgl. DOBLER-MIKOLA 2000).
Gesellschaftliche Faktoren können in einer Krisensituation als Initialzündung einer Suchtentwicklung fungieren. Werte, Normen, Traditionen, Interaktionen in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Freizeit, institutionelle Regelungen, sozioökonomische Verhältnisse als gesellschaftliche Rahmenbedingungen einer solchen Initialzündung bilden den klimatischen Hintergrund einer Suchtentwicklung und ein bestimmtes Normklima einer Gesellschaft. In der Spanne zwischen Konsum, Missbrauch und Abhängigkeit liegen die Wirkungsmöglichkeiten gesellschaftlicher Faktoren. Veränderungen von Situationen, die als kritische Lebensereignisse das psychische Gleichgewicht des Individuums gefährden, können je nach spezifischem Erleben Suchtmittelmissbrauch auslösen. Besonders die Unsicherheits- und Umbruchphase der Adoleszenz junger Frauen stellt einen konsumauslösenden Moment dar. Untersuchungen mit jungen Mädchen belegen, wie gebrochen ihre Selbstkonzepte aufgrund eines brüchigen Weiblichkeitsbildes aussehen können. Sie identifizieren sich mit einem Weiblichkeitsbild, das sie zugleich auch ablehnen (Vgl. KERSCHL 2002).
1. Begriffsbestimmung und epidemiologische Grundlagen: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen von Sucht, Polytoxikomanie, sexuellem Missbrauch und posttraumatischer Belastungsstörung erarbeitet sowie deren jeweilige epidemiologische Daten beleuchtet.
2. Theoretische Grundlagen: Hier wird der frauenspezifische Blick auf die Sucht analysiert und theoretische Modelle zum Missbrauch, sowohl gesamtgesellschaftlich als auch familiendynamisch, diskutiert.
3. Datenerhebungs- und Auswertungsmethoden: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen mittels problemzentrierter Interviews nach Witzel und die Auswertung durch das zirkuläre Dekonstruieren nach Jaeggi et al.
4. Einzelauswertung der Interviews: Hier werden die biografischen Hintergründe und persönlichen Erfahrungen der drei interviewten Frauen detailliert ausgewertet.
5. Darstellung der Ergebnisse: Dieses Kapitel vergleicht die Einzelauswertungen und analysiert Parallelen sowie Unterschiede in Bezug auf Familiensituation, Bewältigungsstrategien und Weiblichkeitsbilder.
6. Diskussion der Ergebnisse: Die Befunde werden in einen pädagogischen und theoretischen Kontext gesetzt, um den Zusammenhang zwischen Suchtgenese, Trauma und der Überlebensstrategie der Betroffenen zu erörtern.
7. Zusammenfassung: Der letzte Teil fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt den Zusammenhang zwischen Polytoxikomanie und posttraumatischer Belastungsstörung nach sexuellem Missbrauch.
Polytoxikomanie, Sucht, Frauen, Sexueller Missbrauch, Posttraumatische Belastungsstörung, Trauma, Überlebensstrategie, Familiendynamik, Qualitatives Interview, Geschlechtsspezifische Sozialisation, Soziale Arbeit, Suchtgenese, Dissoziation, Essstörungen, Weiblichkeitsbild
Die Diplomarbeit untersucht die Zusammenhänge zwischen sexuellem Missbrauch in der Kindheit, den daraus resultierenden Traumafolgestörungen und der Entstehung von Polytoxikomanie (Mehrfachabhängigkeit) bei Frauen.
Die zentralen Themen umfassen die Suchtforschung bei Frauen, die psychischen Folgen sexuellen Missbrauchs, familiäre Sozialisationsprozesse sowie die Funktion von Suchtmitteln als Bewältigungs- und Überlebensstrategie.
Ziel ist es, die subjektiven Sichtweisen betroffener Frauen zu erforschen und zu verstehen, wie Suchtmittel als Antwort auf unerträgliche traumatische Lebensbedingungen und ein brüchiges Weiblichkeitsbild eingesetzt werden.
Die Autorin verwendet eine qualitative Forschungsmethode, konkret das problemzentrierte Interview nach Witzel, und wertet die Daten mittels des "Zirkulären Dekonstruierens" nach Jaeggi et al. aus.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine methodische Beschreibung, die detaillierte Einzelauswertung von Interviews mit drei Frauen sowie die anschließende Ergebniskomparation und Diskussion im Kontext pädagogischer Suchtarbeit.
Schlüsselbegriffe sind Sucht, Polytoxikomanie, sexueller Missbrauch, Trauma, Überlebensstrategie, Weiblichkeitsbild und frauenspezifische Suchtarbeit.
Die Arbeit zeigt auf, dass frühe Überforderungen, Parentifizierung, Gewalt und emotionale Vernachlässigung im Elternhaus maßgeblich dazu beitragen, dass Mädchen ein brüchiges Selbstbild entwickeln, welches die spätere Suchtentwicklung begünstigt.
Aina erlebt ihre Tochter als "Liebe ihres Lebens", die ihr den notwendigen Lebenswillen gibt und als Kraftquelle dient, um den Kreislauf aus Drogen, Prostitution und Selbstzerstörung trotz anfänglicher Überforderung zu durchbrechen.
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