Examensarbeit, 2001
120 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
I. Theoretische Grundlagen
1. Fastnachtspiel und Karneval
2. Geschlecht und Körper
3. Performativität und Sprache
II. Analysen
4. Inszenierungslogiken der Geschlechter
4.1 Hochzeitsspiele
4.2 Gerichtsspiele
4.3 Narrenrevuen
4.4 Rügespiele
4.5 Zusammenfassung
5. Geschlechterdiskurse und ihre Aneignung im Fastnachtspiel
5.1 Literarische Traditionen
5.2 Ehe- und Geschlechterdiskurse
5.3 Brauchtum
5.4 Narrenkultur und Fastnachtsdiskurs
6. Sprachliche Performativität der Geschlechter-Konstruktion
6.1 W 7 ”Bauernheirat“: Die performative Konstruktion des Körpers
6.2 K 4 ”Ein paurenspil mit einem posem altem weib“: Integration und Verkehrung
6.3 K 31 ”Ein hubsch vasnachtspil“: Die Gewalt der Sprache
III. Auswertung
IV. Schluss
Die Arbeit untersucht die sprachliche Inszenierung und performative Konstruktion von Geschlecht im Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts, wobei sie analysiert, wie diese Spielform durch karnevaleske Verkehrung und Dialogisierung gesellschaftliche Rollen und Körpernormen verhandelt.
EINLEITUNG
Die Orientierung der Fastnachtspiele des 15. Jahrhunderts auf die Themen Sexualität, Ehe und Liebeswerbung, verbunden mit einer auffällig öbszönen und oft auch gewaltbetonten Metaphorisierung der geschlechtlichen Körper lenkt den Blick auf den Zusammenhang von Geschlechterkonzeptionen und ihren sprachlichen Inszenierungen. Diese Arbeit befaßt sich mit den sprachlichen Inszenierungen der Geschlechter im Fastnachtspiel des 15. Jahrhunderts und ihren Prozessen performativer Konstruktion. Die Texte der Fastnachtspiele, wie sie überliefert sind, stellen Vorlagen für theatrale Inszenierungen dar. Diese Sprechtexte codieren Geschlechterinszenierungen in Form von Figurenreden, das heißt sie können nicht als Lesetexte, als Literatur an sich verstanden werden, sondern immer nur als Texte für Aufführungen im Gebrauchszusammenhang von Fastnacht und Karneval. In diesen theatralen Aufführungen werden die sprachlichen Inszenierungen der Geschlechter aus den Texten der Fastnachtspiele ausagiert, sie werden an Körpern sichtbar im Spiel.
Einleitung: Einführung in die Thematik der geschlechtlichen Körperinszenierung und der performativen Konstruktion durch Sprache im Kontext des Fastnachtspiels.
I. Theoretische Grundlagen: Erläuterung der Forschung zum Fastnachtspiel als Karnevalsphänomen, der Definition von Geschlecht und Körper sowie der Sprechakttheorie für die Analyse.
II. Analysen: Untersuchung der verschiedenen Spieltypen und deren spezifische Logiken der Geschlechterinszenierung unter Einbeziehung diskursiver Kontexte.
III. Auswertung: Synthese der Ergebnisse über die karnevaleske Aneignung von Ordnungsdiskursen und die spielerische Funktion der Komik.
IV. Schluss: Zusammenfassung, wie die performative Verfügung über Sprache als Machtmittel für die Konstruktion und Inszenierung von Geschlecht dient.
Fastnachtspiel, Geschlechterinszenierung, Performativität, Karneval, Körper, Sprachgewalt, Ehe, Sexualität, Groteske, Dialogisierung, Narrheit, Geschlechterkonstruktion, Mittelalter, Rügebräuche
Die Arbeit analysiert, wie in den Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts das soziale Konstrukt "Geschlecht" durch sprachliche Inszenierungen performativ erzeugt und verhandelt wird.
Im Zentrum stehen die Darstellungen von Sexualität, Ehe, Liebeswerbung und die damit verbundenen Normverstöße sowie deren humoristische oder groteske Aufbereitung.
Es soll geklärt werden, welche performativen Prozesse in der Sprache der Fastnachtspiele dazu führen, dass Geschlechterkonzeptionen als "natürlich" oder eben als "konstruiert" wahrgenommen und spielerisch unterwandert werden.
Die Arbeit stützt sich auf die Sprechakttheorie sowie historisch-anthropologische Ansätze des Karnevalesken, wie sie insbesondere von Michail Bachtin formuliert wurden, um die soziale Funktion der Inszenierungen zu deuten.
Der Hauptteil analysiert vier unterschiedliche Spieltypen: Hochzeitsspiele, Gerichtsspiele, Narrenrevuen und Rügespiele, um deren unterschiedliche dramaturgische Strategien bei der Darstellung von Geschlechterhierarchien aufzudecken.
Fastnachtspiel, Performativität, Geschlechterkonstruktion, Karnevaleske, Sprechakttheorie, Grotesker Körper, Ehediskurs.
Der groteske Körper dient als Projektionsfläche für die Verkehrung sozialer Normen, wobei Körperöffnungen und Exzesse die Fragilität kultureller Lesbarkeit von Geschlecht verdeutlichen.
Sprache wird als Machtinstrument definiert; wer die Verfügungsgewalt über die Rede besitzt, kann im Spiel Wirklichkeit schaffen und die soziale Positionierung von Mann und Frau definieren oder umkehren.
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