Magisterarbeit, 1997
71 Seiten, Note: 1,3
I. Kapitel: Einführung in die Problemstellung, Methodik, Zielsetzung und Forschungslage
1. Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
2. Theoretischer Referenzrahmen und methodische Vorüberlegungen
3. Forschungsbericht zu den Formen und Funktionen synoptischer Kapitelüberschriften
II. Kapitel: Typologien von Formen und Funktionen der Kapitelüberschriften im Roman
1. Literaturgeschichtliche und erzähltheoretische Einordnung der Kapitelüberschrift
1.1 Zu Ursprung und Entwicklung der Kapitelüberschrift
1.2 Relation zwischen synoptischer Kapitelüberschrift und Text: Bedeutung und Relevanzabschätzung für den Roman
2. Klassifikation verschiedener Erscheinungsformen der synoptischen Kapitelüberschrift
2.1 Dominant fiktionsbezogene Überschriften
2.2 Dominant rezeptionsbezogene Überschriften
2.3 Dominant metafiktionsbezogene Überschriften
3. Typologie rezeptionslenkender Funktionen der synoptischen Kapitelüberschrift
3.1 Informationsvergabe und Spannungsaufbau
3.2 Sympathie- und Antipathielenkung
3.3 Beeinflussung der Intensität der Rezeption
3.4 Aufforderung zur aktiven Mitarbeit am Produktionsprozeß
4. Relationen zwischen Formen und Funktionen von Kapitelüberschriften
III. Kapitel: Die Bedeutung der synoptischen Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings
1. Einführung in die Textkonstitution und Rezeptionsästhetik der Romane Henry Fieldings
2. Joseph Andrews: Fiktion oder Authentizität? Kontrastive Wirklichkeitsvermittlung als Strukturprinzip der Überschriften
3. Jonathan Wild: Hyperbolische Sympathielenkung zur Potenzierung von Ironie
4. Tom Jones: Demonstrative Fiktionalität und explizite Aufforderungen zur individuellen Sinnkonfiguration
5. Amelia: Relevanzminderung der Synopse und Affektaktivierung des Rezipienten
IV. Kapitel: Zusammenfassung und Schlußbetrachtung der Ergebnisse
1. Diachrone Veränderungen im Gebrauch der Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings
2. Relevanz der Untersuchung und Ergebnisse für die Fielding-Forschung und die Romananalyse
Die vorliegende Arbeit untersucht systematisch das Phänomen der synoptischen Kapitelüberschrift und deren rezeptionslenkende Funktionen in den Romanen Henry Fieldings, um aufzuzeigen, dass diese Überschriften nicht bloß gliedernde Elemente sind, sondern konstitutive Bestandteile des narrativen Gesamtwerks mit spezifischem Wirkungspotential.
3. Jonathan Wild: Hyperbolische Sympathielenkung zur Potenzierung von Ironie
In which our hero carries GREATNESS to an immoderate height (II, 8).
Die typographische Hervorhebung von "GREATNESS" in dieser Überschrift wird in allen Überschriften in JW beibehalten. Das vorangestellte Zitat veranschaulicht deshalb keine optische Besonderheit, sondern steht stellvertretend für die zentrale rezeptionslenkende Strategie der Überschriften dieses Romans: die emphatische Sympathiewerbung für den Titelhelden. Nicht nur mit der Betonung von heroischer Größe, sondern auch mit einer Fülle evaluativer Kommentare der Erzählinstanz wird hier kontinuierlich um Bewunderung für Jonathan geworben. Es stellt sich jedoch schon nach der Lektüre des ersten Kapitels heraus, daß das Verständnis von "greatness" nicht der erwarteten Bedeutung entspricht: "(...) for greatness consists in bringing all kinds of mischief on mankind, and goodness in removing it from them" (JW, 40). Die Umwandlung dieser Begriffsdefinition wird zum zentralen Motiv der Überschriften und des gesamten Romans.
I. Kapitel: Einführung in die Problemstellung, Methodik, Zielsetzung und Forschungslage: Definiert den theoretischen Referenzrahmen und die methodische Basis der deduktiven Analyse von Kapitelüberschriften.
II. Kapitel: Typologien von Formen und Funktionen der Kapitelüberschriften im Roman: Erarbeitet eine Typologie zur Klassifikation von Überschriftenformen und deren rezeptionslenkendem Potential.
III. Kapitel: Die Bedeutung der synoptischen Kapitelüberschriften in den Romanen Henry Fieldings: Wendet die entwickelten Kategorien auf Fieldings vier Romane an und zeigt diachrone Veränderungen auf.
IV. Kapitel: Zusammenfassung und Schlußbetrachtung der Ergebnisse: Resümiert die Erkenntnisse zur funktionalen Bedeutung der Kapitelüberschriften und deren Relevanz für die Fielding-Forschung.
Kapitelüberschrift, Henry Fielding, Rezeptionslenkung, Synopse, Romananalyse, Erzähltheorie, Metafiktion, Narratologie, Leserlenkung, Textkonstitution, Ironie, Sympathielenkung, 18. Jahrhundert, Fiktionalität, Rezeptionsästhetik.
Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirkung sogenannter synoptischer Kapitelüberschriften (inhaltsresümierende Überschriften) in den Romanen von Henry Fielding.
Die zentralen Felder sind die erzähltheoretische Einordnung von Überschriften, deren formale Klassifikation sowie ihr spezifisches Potential zur Lenkung des Lesers.
Das Hauptziel ist nachzuweisen, dass diese Überschriften keine rein äußeren Gliederungsmittel sind, sondern integraler Bestandteil des Romans, der den Leseprozess aktiv beeinflusst.
Die Autorin wählt einen deduktiven Analyseansatz, um aus allgemeinen Rastern von Formen und Funktionen Analysekategorien für Fieldings Romane zu erstellen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Typologisierung und eine anschließende exemplarische Anwendung auf die vier Romane Joseph Andrews, Jonathan Wild, Tom Jones und Amelia.
Wichtige Begriffe sind Rezeptionslenkung, Synopse, Metafiktion, fiktionsbezogene vs. metafiktionsbezogene Überschriften und die literarhistorische Einordnung Fieldings.
In "Amelia" zeigt sich eine starke quantitative Reduktion synoptischer Elemente; Überschriften werden hier primär zur Steigerung emotionaler Affekte statt zur Informationsvergabe genutzt.
Die Überschriften nutzen eine hyperbolische Sympathiewerbung für den Titelhelden, die durch den Folgetext konsequent ironisch gebrochen wird, um eine kritische Distanz zum Leser aufzubauen.
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