Diplomarbeit, 2004
51 Seiten, Note: sehr gut
I. Einleitung
II.1 Zwischen Klassik und Romantik
II.2 Überlegungen zur Modernität
II.2.1 Einbruch der Plötzlichkeit in das Bewusstsein der Menschen
III.1 Die Spontaneität in Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
III.2 Das plötzliche Einbrechen einer Naturgewalt in dem Werk Das Erdbeben in Chili
III.3 „Die gebrechliche Einrichtung der Welt“ in der Novelle Die Marquise von O…
IV. Zusammenfassung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das Phänomen der Plötzlichkeit sowie die damit verbundene Erkenntniskrise in ausgewählten Erzählungen von Heinrich von Kleist. Es wird analysiert, wie der Einbruch des Unerwarteten und die daraus resultierende Erschütterung des bisherigen Weltverständnisses die Wahrnehmung und das Handeln der Protagonisten beeinflussen.
III.1 Die Spontaneität in Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
Einen weiteren Zugang zu Kleists Novellen bieten seine poetologischen Abhandlungen, in denen er seine Auffassung von dem Leben, vom Dichten, vom Dichterberuf formuliert. Kleists poetologischer Text Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden behandelt u.a. das Phänomen Plötzlichkeit. Das Thema des Textes erscheint beim ersten Lesen, als wäre es ein Thema für eine Nachmittagsplauderei, aber dahinter sind interessante tiefgreifende Gedanken verborgen.
Dieser Text fußend auf der allgemeinen Erkenntniskrise sieht im Erzählen die einzige Möglichkeit von Erkenntnis. So kann die allmähliche Verfertigung der Gedanken und Kleists Werk als Plädoyer für das Erzählen gelesen werden.
Der Text basiert auf ein wichtiges Paradoxon. Es steckt schon in der Form drin, weil dieser ein schriftlicher Text ist, der die Merkmale des Sprechens reflektiert. Im Aufbau ist es erkenntlich wie die Gedanken beim Reden entstehen. Es ist ein paralleler Prozess zwischen Denken und Sprechen. Eine wichtige Voraussetzung ist aber, dass „uns die Sprache mit Leichtigkeit zur Hand sei.“ (AV 345)
Ein solches Reden ist ein wahrhaftes lautes Denken. (…) Die Sprache ist alsdann keine Fessel, etwa wie ein Hemmschuh an dem Rade des Geistes, sondern wie ein zweites, mit ihm parallel fortlaufendes, Rad an seiner Achse. (AV 344)
I. Einleitung: Einführung in das Phänomen der Plötzlichkeit bei Kleist, beeinflusst durch die Französische Revolution und die Kant-Krise.
II.1 Zwischen Klassik und Romantik: Analyse der literarischen Einordnung Kleists, der sich weder eindeutig der Klassik noch der Romantik zuordnen lässt.
II.2 Überlegungen zur Modernität: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Modernitätsbegriff als Mikro- und Makroepoche.
II.2.1 Einbruch der Plötzlichkeit in das Bewusstsein der Menschen: Untersuchung, wie die Französische Revolution das Zeitbewusstsein und den Begriff der Gegenwart radikal veränderte.
III.1 Die Spontaneität in Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden: Untersuchung der poetologischen Schrift als Plädoyer für das Erzählen als Erkenntnisweg.
III.2 Das plötzliche Einbrechen einer Naturgewalt in dem Werk Das Erdbeben in Chili: Analyse des Erdbebens als Wendepunkt, der die gesellschaftliche Ordnung auflöst.
III.3 „Die gebrechliche Einrichtung der Welt“ in der Novelle Die Marquise von O…: Untersuchung der Vergewaltigung und ihrer Folgen als Einbruch des Unvorhersehbaren.
IV. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur erkenntniskritischen Funktion der Plötzlichkeit in Kleists Erzählwerk.
Heinrich von Kleist, Plötzlichkeit, Spontaneität, Erkenntniskrise, Moderne, Kant-Krise, Französische Revolution, Novelle, Das Erdbeben in Chili, Die Marquise von O…, Zufall, Wahrnehmung, Vernunft, Geistesgeschichte.
Die Arbeit analysiert das Phänomen der "Plötzlichkeit" in ausgewählten Werken von Heinrich von Kleist und untersucht, wie dieses Phänomen das Welt- und Erkenntnisverständnis seiner Zeit und seiner Figuren prägt.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Klassik und Romantik, die Auswirkungen der Erkenntniskrise nach Kant auf Kleists Dichtung sowie die poetologische Bedeutung des Erzählens als Mittel zur Bewältigung des Unvorhersehbaren.
Das Ziel ist zu ergründen, welche Erkenntnismöglichkeiten für Individuen in einer Welt existieren, die durch plötzliche Katastrophen und den Zusammenbruch linearer Kausalität gezeichnet ist.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die poetologische Texte sowie Erzählwerke Kleists unter Einbeziehung geistesgeschichtlicher und philosophischer Hintergründe (besonders Kant und Rousseau) interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Modernität und Plötzlichkeit sowie in detaillierte Interpretationen der Werke "Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden", "Das Erdbeben in Chili" und "Die Marquise von O…".
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Plötzlichkeit, Erkenntniskrise, Moderne, Zufall, Naturgewalt und "gebrechliche Einrichtung der Welt" charakterisiert.
Das Erdbeben dient als radikaler Wendepunkt, der die soziale Ordnung zerstört und die Figuren kurzzeitig in eine utopische "Als-ob-Welt" führt, bevor sie erneut durch menschliche Gewalt in den Tod getrieben werden.
Der Gedankenstrich markiert eine Lücke im Geschehen, die das Unerklärliche und Unaussprechliche der Vergewaltigung verdeutlicht und den Leser zur aktiven Vorstellung des Fehlenden zwingt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

