Magisterarbeit, 2003
209 Seiten, Note: n.n.
Die Entwicklung der NATO in den 90er Jahren im Spannungsfeld von Identität und Interesse ..1
1. Einleitung................................................................................................................3
2. Die NATO als „Wertegemeinschaft“ ........................................................................... 12
2.1 Der Nordatlantikvertrag und der „Wert“ der NATO .................................................. 16
2.2 Strategische Neuausrichtung nach Ende des Kalten Krieges...................................... 22
2.2.1 Das „Neue Strategische Konzept“ von 1991...................................................... 34
2.2.2 Das überarbeitete „Strategische Konzept“ von 1999 .......................................... 41
2.2.3 Die Strategie der Kooperation und des Dialogs.................................................. 46
2.2.4 Die NATO und Europa.................................................................................... 53
2.3 Die NATO und „out-of-area“-Einsätze .................................................................... 57
2.3.1 Krisenmanagement in Bosnien-Herzegowina..................................................... 59
2.3.2 Kriseneinsatz im Kosovo ................................................................................ 66
2.3.3 Die Dilemmata der Legitimation und Verhältnismäßigkeit ................................... 76
2.4 Die „neue“ Identität der NATO ............................................................................. 85
3. Die NATO als Interessengemeinschaft ....................................................................... 91
3.1 Interessenkonsens ............................................................................................. 96
3.2 Interessendivergenz ......................................................................................... 101
3.2.1 Die Vereinigten Staaten und die Führungsrolle in der NATO .............................. 111
3.2.2 Frankreich und die unteilbare Staatssouveränität ............................................ 123
3.2.3 Deutschland und der „Sonderweg“ ................................................................ 137
3.3 Die Bedeutung der NATO im nationalen Interesse ................................................. 146
4. Das Spannungsfeld von Identität und Interesse ........................................................ 154
4.1 Werte als Handlungsmotiv der NATO? ................................................................. 162
4.2 Gemeinschaft ungleicher Interessen oder Was hält die NATO zusammen? ................ 166
5. Schlußbemerkungen oder Die Zukunft der NATO ....................................................... 174
6. Literaturangaben .................................................................................................. 191
Die Arbeit analysiert die Transformation der NATO in den 1990er Jahren, indem sie untersucht, inwieweit das Bündnis von einer reinen Verteidigungsgemeinschaft zu einem Instrument des Krisenmanagements und einer friedensschaffenden Sicherheitspartnerschaft wurde, stets gefangen im Spannungsfeld zwischen einem ideellen Anspruch als „Wertegemeinschaft“ und der machtpolitischen Realität als „Interessengemeinschaft“.
1. Einleitung
Jamie P. Shea brachte die gewandelte Kernfunktion der Nordatlantikpakt-Organisation (NATO) auf eine kurze Formel: „For almost half a century the task of the Western Allies was to prevent a war. Today it is to shape peace.“ Shea kennzeichnete mit diesen prägnanten Worten und schon der semantischen Gegenüberstellung von Krieg und Frieden den veränderten Charakter und mehr noch die Motivation der NATO in einer veränderten Zeit. Sie möchte nicht mehr nur Krieg verhindern, sondern Frieden schaffen, sogar dort aktiv sein, wo Krieg herrscht. Nur welche Mittel sind der Herstellung von Frieden dienlich? Wo sind die Grenzen des friedensschaffenden Handelns? Recht, Interesse, Risiko? Shea würde die Frage bejahen, ob die NATO bisher zurecht Krieg für den Frieden geführt hat.
Der NATO Sprecher stand wie kein anderer Mitarbeiter der Allianz während der Luftschläge gegen das serbische Regime und seine Streitkräfte in der Krisenprovinz Kosovo im Frühjahr 1999 im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Fast drei Monate werden tägliche Pressekonferenzen abgehalten, die Welt hört und sieht mit. Shea informiert, analysiert, spricht Warnungen aus, rechtfertigt, entschuldigt und kämpft - für die Luftoperation der NATO, die die Weltöffentlichkeit in Befürworter und Gegner gespalten hat.
1. Einleitung: Einführung in die Transformation der NATO von einer Verteidigungsgemeinschaft hin zu einem Akteur des Krisenmanagements anhand des Kosovo-Beispiels.
2. Die NATO als „Wertegemeinschaft“: Untersuchung der historischen und ideellen Grundlagen der NATO sowie deren Anpassung an die sicherheitspolitischen Herausforderungen der 90er Jahre.
3. Die NATO als Interessengemeinschaft: Analyse der NATO als intergouvernementale Organisation, in der nationale Interessen und Machtpotentiale der Mitgliedsstaaten, insbesondere der USA, Frankreichs und Deutschlands, aufeinandertreffen.
4. Das Spannungsfeld von Identität und Interesse: Synthese der Identitäts- und Interessendebatte und Diskussion, ob die NATO trotz unterschiedlicher nationaler Ambitionen ein kohärentes Bündnis bleibt.
5. Schlußbemerkungen oder Die Zukunft der NATO: Resümee über die Anpassungsfähigkeit der Allianz und ihre Rolle als notwendiges Instrument in einer unsicheren internationalen Sicherheitsarchitektur.
NATO, 90er Jahre, Wertegemeinschaft, Interessengemeinschaft, Krisenmanagement, Sicherheitspolitik, Transformation, Balkan, Kosovo, USA, Frankreich, Deutschland, Sicherheitsarchitektur, transatlantische Beziehungen, Kollektive Verteidigung
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der NATO in den 1990er Jahren und analysiert, wie sich das Bündnis nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in einem Spannungsfeld zwischen Werten und nationalen Interessen neu positioniert hat.
Die zentralen Themen sind der Wandel von der kollektiven Verteidigung hin zum Krisenmanagement, die Rolle des Völkerrechts bei Out-of-Area-Einsätzen sowie die Machtdynamiken zwischen den wichtigsten Mitgliedsstaaten.
Es soll eruiert werden, ob und in welchem Maße die NATO von einer kriegvermeidenden Verteidigungsgemeinschaft zu einer friedenschaffenden „Sicherheitspartnerschaft“ heranwachsen konnte.
Die Autorin nutzt eine analytische Untersuchung politischer und strategischer NATO-Dokumente sowie eine Betrachtung der Politik der drei zentralen Akteure USA, Frankreich und Deutschland.
Der Hauptteil behandelt die Strategie der NATO in den 90er Jahren, die Kriseneinsätze im Balkan (Bosnien und Kosovo) sowie die Divergenzen der nationalen Interessen dieser drei Mächte innerhalb der Allianz.
Die wichtigsten Begriffe sind NATO-Transformation, Interessengemeinschaft, Krisenmanagement, transatlantische Beziehungen und die Bedeutung von nationaler Souveränität.
Der Kosovokrieg fungierte als entscheidender „Defining Moment“ und Testfall, der die NATO vor das Dilemma zwischen völkerrechtlicher Legitimation und politischem Handlungswillen stellte.
Deutschland und Frankreich bauten ein „Bündnis im Bündnis“ auf, das sowohl die europäische Eigenständigkeit stärken sollte als auch als Motor für die Reformen innerhalb der NATO fungierte.
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