Diplomarbeit, 2003
127 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Ziel der Diplom-Arbeit
1.2 Aktueller Forschungsstand zum Thema Rassismus
1.2.1 „Rasse“ und Rassismus als soziale Konstruktion
1.2.2 Neuer Rassismus
1.3 Die gesellschaftliche Bedeutung des Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland
1.4 Abgrenzung des Rassismus zu verwandten Konzepten
1.4.1 „Ausländerfeindlichkeit“ und „Fremdenfeindlichkeit“
1.4.2 Ethnozentrismus
2. Rassismus als hegemonialer Diskurs
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Diskurs
2.1.2 Rassismus
2.1.2.1 Merkmale des Rassismus
2.1.2.1.1 Klassifikation
2.1.2.1.2 Hierarchisierung
2.1.2.2.3 Konstruktionsmacht
2.2 Die Ideologie des Rassismus
2.2.1 Das Ideologie-Konzept von Gramsci
2.2.1.1 Allgemeine Merkmale von Ideologien
2.2.1.2 Entstehung und Verbreitung von Ideologien
2.2.2 Merkmale rassistischer Ideologien
2.2.2.1 Spezifik
2.2.2.2 Vielfältigkeit und Widersprüchlichkeit
2.2.2.3 Dialektik
2.2.2.4 Praktische Angemessenheit
2.3 Rassismus als verallgemeinerte Ideologie
3. Die Theorie der sozialen Repräsentationen als Analyseinstrument für Rassismus
3.1 Eignung der Theorie der sozialen Repräsentationen zur Analyse von Rassismus
3.2 Die Theorie der sozialen Repräsentationen
3.2.1 Ausgangspunkt der Theorie
3.2.2 Soziale Repräsentationen
3.2.2.1 Definition
3.2.2.2 Zweck
3.2.2.3 Funktionen
3.3 Repräsentationen des Anderen
3.3.1 Definition
3.3.2 Bindung an intergruppale Machtverhältnisse
3.3.2.1 Beispiel: Europäischer Diskurs über den Orient und den Islam
3.3.3 Repräsentationen des „rassialisierten“ Anderen
4. Rassismus als soziale Repräsentation
4.1 Elemente der sozialen Repräsentation des Rassismus
4.1.1 Ethnische Kategorisierung
4.1.2 Ethnische Hierarchisierung
4.1.3 Wissen um strukturelle Dominanz
4.2 Schema der sozialen Repräsentation des Rassismus
4.3 Soziale Repräsentation des Rassismus im deutschen Einwanderungs- und Migrationsdiskurs
4.3.1 Politischer Diskurs
4.3.2 Mediendiskurs
4.3.3 Alltagsdiskurs
4.4 Zusammenfassung
5. Schlussfolgerungen
5.1 Implikationen für die theoretische Auseinandersetzung mit dem Rassismus
5.2 Folgerungen für die antirassistische pädagogische Praxis
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht die Verankerung rassistischer Denkmuster in der deutschen Gesellschaft und analysiert, wie diese als "soziales Wissen" in hegemonialen Diskursen (Politik, Medien, Alltag) in Form von sozialen Repräsentationen zirkulieren und reproduziert werden.
2.1.2.1.1 Klassifikation
Nach Miles setzt vor der Konstruktion von „Rassen“ der Prozess der „Bedeutungskonstitution“ ein: „Dieser Begriff bezeichnet einen Darstellungsprozess, in dessen Verlauf bestimmten Objekten, Merkmalen und Prozessen eine Bedeutung zugeschrieben wird, die ihnen ein besonderes Gewicht verleiht und sie zugleich zu Trägern einer Reihe zusätzlicher, untergeordneter Merkmale macht“ (Miles 2000: 18).
Es erfolgt eine willkürliche, allerdings nicht beliebige Verknüpfung zwischen der Herkunft des Mitglieds einer Gruppe und einer Eigenschaft. Zum Beispiel spielt im westlichen Kulturkreis die Hautfarbe in Kombination mit anderen phänotypischen Merkmalen (wie Form der Lippen, Figur und Frisur) bei der Rassenkonstruktion eine entscheidende Rolle. Nahezu jede Hautfarbe, die von der weißen Hautfarbe abweicht, ist in den letzten Jahrhunderten Gegenstand des Rassismus geworden. Andere Körpermerkmale wie die Nasenform oder die Haarfarbe hingegen sind weniger bzw. überhaupt nicht als Bedeutungsträger verwendet worden.
Dieser Zuschreibungsprozess weist darauf hin, dass nur auf einen Teil der „Wirklichkeit“ zur Konstruktion von „Rassen“ zurückgegriffen wird, während andere Bestandteile ausgeblendet bzw. marginalisiert werden. Es findet demnach ein Selektionsprozess statt: „Aus einer möglichen Menge von Objekten, Merkmalen und Prozessen werden nur bestimmte ausgewählt, die eine besondere, zusätzliche Bedeutung bekommen. Das betreffende Objekt, Merkmal oder der Prozeß werden damit zum Zeichen für die Existenz eines anderen, hypothetischen oder wirklichen Phänomens“ (Miles 2000: 18).
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die These, dass Rassismus in Deutschland ein weithin geteiltes, soziales Wissen darstellt, das über hegemoniale Diskurse reproduziert wird.
2. Rassismus als hegemonialer Diskurs: Dieses Kapitel definiert Rassismus als ideologisch geprägten Diskurs und erläutert die Mechanismen, durch die Machtgruppen rassistische Kategorisierungen etablieren.
3. Die Theorie der sozialen Repräsentationen als Analyseinstrument für Rassismus: Hier wird der theoretische Rahmen eingeführt, um Rassismus als soziales Wissen zu analysieren, das Identitäten stiftet und Handlungsrahmen strukturiert.
4. Rassismus als soziale Repräsentation: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Grundlagen mit der empirischen Analyse des deutschen Diskurses in Politik, Medien und Alltag.
5. Schlussfolgerungen: Der abschließende Teil reflektiert die Implikationen für die Theoriebildung und leitet pädagogische Interventionsmöglichkeiten zur antirassistischen Praxis ab.
Rassismus, soziale Repräsentationen, hegemonialer Diskurs, Ideologie, Kategorisierung, Hierarchisierung, Konstruktionsmacht, Migrationsdiskurs, Fremdenfeindlichkeit, Identität, Diskursanalyse, Bio-Macht, kultureller Rassismus, soziale Konstruktion, Machtverhältnisse.
Die Arbeit untersucht, wie Rassismus in der deutschen Gesellschaft als eine kollektive, sozial geteilte Vorstellung (soziale Repräsentation) funktioniert und warum diese trotz gesellschaftlicher Tabuisierung in den Diskursen von Politik, Medien und Alltag tief verwurzelt bleibt.
Die Schwerpunkte liegen auf der Dekonstruktion des Begriffs "Rassismus" als Ideologie, der Analyse der "Theorie der sozialen Repräsentationen" und der Untersuchung, wie diese Theorie genutzt werden kann, um rassistische Ausgrenzung in modernen westlichen Industrienationen zu erklären.
Das Ziel ist es, die strukturelle Verankerung rassistischer Denkmuster in der Bundesrepublik Deutschland nachzuweisen und aufzuzeigen, wie diese Diskurse dazu beitragen, soziale Ungleichheiten zu legitimieren.
Die Arbeit stützt sich auf eine diskursanalytische Vorgehensweise, kombiniert mit Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie, um die "soziale Repräsentation" des Rassismus theoretisch zu bestimmen und anhand von Diskursfragmenten zu belegen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Rassismus-Begriffs, die Einführung der "Theorie der sozialen Repräsentationen" sowie eine detaillierte Auswertung politischer, medialer und alltäglicher Diskurse, die zeigen, wie rassistische Kategorisierung und Hierarchisierung stattfinden.
Wichtige Begriffe sind insbesondere die "soziale Repräsentation", der "hegemoniale Diskurs", die "Kategorisierung und Hierarchisierung", die "Konstruktionsmacht" und die "Verankerung in sozialen Wissenssystemen".
Die Arbeit zeigt auf, dass der moderne "kulturelle Rassismus" oder "Neo-Rassismus" den biologischen Rassebegriff ersetzt hat, indem "Kultur" nun als eine Art unveränderliche "Natureigenschaft" behandelt wird, um die Ausgrenzung von Einwanderern zu begründen.
Der Autor schlägt vor, dass antirassistische Pädagogik nicht nur individuelle Vorurteile angehen, sondern das Bewusstsein für Machtasymmetrien und die eigene Verstrickung in rassistische Diskurse fördern muss, wobei Trainingskonzepte wie die "eyetoeye"-Lernübung als Beispiel dienen.
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