Diplomarbeit, 2001
91 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
1.1. Die Thematik
1.2. Forschungsstand
1.3. Methodisches Vorgehen und Aufbau der Arbeit
2. Bevölkerungspolitik und Bevölkerungstheorien
3. Die ideologischen Grundlagen
4. Die Ziele der NS-Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in Osteuropa
4.1. Die geplante Nachkriegsordnung
4.2. Die angestrebte Veränderung der Bevölkerungsstruktur in Polen
4.3. Die nationalsozialistischen Hungerpläne für die UdSSR
4.4. Die kriegswirtschaftliche Funktion Osteuropas
5. Die räumliche Aufteilung des besetzten Osteuropas: „Mustergaue“, Abschiebegebiete, Vernichtungszonen
5.1. Polen
5.1.1. Angeschlossene Gebiete
5.1.2. Das Generalgouvernement
5.2. Die Sowjetunion
6. Selektion
6.1. Das Nationalitätenprinzip
6.2. Siedler
6.2.1. Ansiedlung von Reichsdeutschen
6.2.2. „Regermanisierung“
6.3. Versklavung
6.4. Vertreibungen
6.5. Vernichtungspolitik
6.5.1. Vernichtung der Nicht-Arbeitenden
6.5.2. Vernichtung der Führungs- und Intelligenzschicht
6.5.3. Die Vernichtung der jüdischen Bevölkerung / Sinti und Roma
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in den besetzten osteuropäischen Ländern während des Zweiten Weltkriegs. Dabei wird analysiert, inwieweit die NS-Ideologie sowie rationale politische und ökonomische Ziele die grausamen Maßnahmen – von der Selektion und Versklavung bis hin zum Massenmord – determinierten.
1.1. Die Thematik
Die nationalsozialistische Bevölkerungs- und Vernichtungspolitik während des Zweiten Weltkrieges kann mit einem einzigen Begriff treffend charakterisiert werden. Er lautet: Selektion. Die Bevölkerung Osteuropas wurde in drei Gruppen selektiert, in jene, die zu Deutschen erklärt wurden und später in ökonomischer Hinsicht als Siedler privilegiert werden sollten, in jene, die unter sklavenartigen Bedingungen für deutsche Interessen arbeiten sollten und in jene, die durch mangelnde Versorgung oder in Vernichtungslagern ermordet wurden. Es entstanden gigantische Pläne, die die Besiedlung weiter Teile Osteuropas mit Deutschen oder angeblich Deutschstämmigen vorsahen.
Millionen Menschen wurden in Todesfabriken vergast, deren einziger Zweck es war, möglichst viele Menschen in möglichst kurzer Zeit zu ermorden. Entsprechend hoch war die Zahl der Todesopfer. Mehr als 3 Millionen christliche Polen und etwa ebensoviel jüdische Polen verloren ihr Leben. Nur ein ganz geringer Teil von ihnen kam in den erbitterten Verteidigungskämpfen um; die meisten starben durch die Politik, die die NS-Besatzungsbehörden betrieben. Hervorzuheben ist, daß diese Menschen keineswegs aufgrund einer Notsituation, die durch den Krieg entstand, umkamen, sondern daß es sich um eine bewußte Politik oder besser gesagt um Massenmord handelte.
1. Einleitung: Darstellung des Forschungsgegenstandes und der methodischen Herangehensweise an das komplexe Thema der NS-Vernichtungspolitik.
2. Bevölkerungspolitik und Bevölkerungstheorien: Analyse der theoretischen Grundlagen, die der Bevölkerungspolitik zugrunde liegen, und deren Reduzierung von Menschen auf ökonomische Variablen.
3. Die ideologischen Grundlagen: Untersuchung von Rassismus, Antisemitismus und Sozialdarwinismus als treibende ideologische Kräfte des Nationalsozialismus.
4. Die Ziele der NS-Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in Osteuropa: Erörterung der territorialen Ziele und der wirtschaftlichen Umgestaltung im besetzten Osteuropa.
5. Die räumliche Aufteilung des besetzten Osteuropas: „Mustergaue“, Abschiebegebiete, Vernichtungszonen: Analyse der unterschiedlichen Behandlung der besetzten Gebiete, insbesondere Polen und der Sowjetunion.
6. Selektion: Detaillierte Untersuchung der praktischen Durchführung der Bevölkerungspolitik durch Eindeutschung, Versklavung und direkte Vernichtungsmaßnahmen.
7. Fazit: Zusammenführende Betrachtung des Zusammenspiels von Ideologie und ökonomischen Kalkülen im Rahmen des NS-Massenmords.
Nationalsozialismus, Vernichtungspolitik, Bevölkerungspolitik, Selektion, Osteuropa, Rassenideologie, Holocaust, Zwangsarbeit, Kriegsökonomie, Siedlungspolitik, Generalplan Ost, Hungerpläne, Generalgouvernement, Sozialdarwinismus, Zweiter Weltkrieg.
Die Arbeit analysiert die nationalsozialistische Vernichtungs- und Bevölkerungspolitik in den besetzten osteuropäischen Gebieten und untersucht das Zusammenspiel von ideologischen Zielen und ökonomischen Interessen.
Im Zentrum stehen die Konzepte der „Selektion“, die ideologischen Grundlagen (Rassismus, Antisemitismus), die wirtschaftlichen Pläne für Osteuropa sowie die praktischen Umsetzungsmethoden wie Vertreibung, Zwangsarbeit und systematischer Massenmord.
Ziel ist es zu ergründen, welche Rolle ideologische Motive gegenüber ökonomischen und pragmatischen Überlegungen bei der NS-Vernichtungspolitik spielten und ob ein Widerspruch zwischen Weltanschauung und Kriegswirtschaft existierte.
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden historischen Quellen- und Literaturanalyse, wobei der Forschungsstand zum Holocaust und zur NS-Besatzungspolitik kritisch hinterfragt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ideologischen Grundlagen, der spezifischen Ziele in Polen und der UdSSR, die räumliche Aufteilung der Besatzungsgebiete sowie die detaillierte Analyse der Selektions-, Versklavungs- und Vernichtungsmechanismen.
Schlüsselbegriffe sind hier vor allem „Selektion“, „Vernichtungspolitik“, „Generalplan Ost“ sowie „Kriegsökonomie“.
Polen war als Siedlungsgebiet für Deutsche vorgesehen, was mit dem Ziel einer ethnischen Neuordnung verbunden war, während die Sowjetunion primär als Rohstoffquelle diente, wobei die Bevölkerung dort als „überflüssig“ für die deutschen Zwecke angesehen und gezielt dem Hunger ausgesetzt wurde.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ökonomische Kalküle und NS-Ideologie keine Gegensätze bildeten, sondern sich ergänzten; die Vernichtung war ein rassistisch legitimiertes Mittel zur Durchsetzung wirtschaftspolitischer und imperialistischer Ziele.
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