Diplomarbeit, 2003
95 Seiten, Note: 2,7
1. Kapitel: Einleitung
2. Kapitel: Arten von Microfinanceangeboten
2.1 Kredite:
2.1.1 Individuelle Kredite
2.1.2 Gruppenorientierte Kredite:
2.2. Sparen:
2.2.1 Verpflichtendes Sparen:
2.2.2 Freiwilliges Sparen:
2.3 Versicherungen:
3. Kapitel: Die Nachfrageseite von Microfinance und die Analyse des Kreditmarktes für Kleinkredite
3.1 Die Nachfrageseite von Microfinance
3.2 Ursachen für ein kaum vorhandenes Angebot
3.2.1 Unterlassene Finanzmarktreformen
3.2.2 Asymmetrische Information
3.2.2.1 Adverse Selektion
3.2.2.2 Moral Hazard
3.2.3 Transaktionskosten
3.3 Das Modell von Stiglitz und Weiss
3.4 Erweiterungen von Tschach zum Stiglitz/Weiss-Modell
4. Kapitel: Volkswirtschaftliche Auswirkungen von Microfinance
4.1 Auswirkungen für das jeweilige Entwicklungsland
4.2. Auswirkungen für Industrieländer
4.3. Schlussfolgerungen für EL und IL
5. Kapitel: Erkenntnisse am Beispiel Bolivien und Indonesien
5.1 Erfahrungen in Bolivien
5.2 Erfahrungen in Indonesien
6. Kapitel: Markteintritts- und Marktabdeckungsstrategien
6.1 Institutionalisierung
6.1.1 Downgrading
6.1.2 Upgrading
6.2 Marktabdeckungsstrategien:
6.2.1 Sprinklerstrategie:
6.2.2 Wasserfallstrategie:
7. Kapitel: Ausblick und Schlusswort
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Mikrofinanzdienstleistungen als Instrument zur Armutsbekämpfung, wobei der Fokus auf dem Kreditmarkt für Klein- und Kleinstunternehmer in Entwicklungsländern liegt. Das zentrale Ziel ist es, die theoretischen Ursachen der Kreditrationierung durch asymmetrische Informationsverteilung aufzuzeigen und die wirtschaftlichen Auswirkungen von Microfinance auf Entwicklungs- und Industrieländer zu analysieren, wobei praktische Fallbeispiele aus Bolivien und Indonesien zur Verdeutlichung dienen.
3.2.2.1 Adverse Selektion
Adverse Selektion liegt vor, wenn aufgrund von Informationsasymmetrien die guten Kunden vor Vertragsschluss vom Markt verdrängt werden. Das klassische Lemons-Modell von Akerlof lässt sich mit leichter Abänderung auch auf den Kreditmarkt übertragen. Dies soll durch ein Beispiel verdeutlicht werden. Angenommen eine Bank habe zwei verschiedene Arten von Kunden, nämlich gute Kunden A und schlechte Kunden B.
Die Kunden zahlen mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit ihren Kredit zurück, wobei die Wahrscheinlichkeit von A p(A) größer ist als die Wahrscheinlichkeit von B p(B), also p(A) > p(B). Hätte die Bank nun vollständige Informationen bezüglich dieser Wahrscheinlichkeiten, so würde sie jedem Kreditnehmer den zu seinen Risiken passenden Vertrag anbieten.
Es ergeben sich also zwei Arten von Kreditverträgen mit unterschiedlichen Konditionen, oder anders ausgedrückt, es entstehen zwei Märkte, nämlich der Markt für gute und der Markt für schlechte Kunden. Es kommt zu keiner Kreditrationierung und Angebot und Nachfrage sind ausgeglichen.
In der Realität herrscht allerdings keine vollständige Information zwischen den Partnern, es liegt asymmetrische Information vor. Die Bank kann keine guten Aussagen über die Wahrscheinlichkeiten p(A) und p(B) treffen. Im Ausgangszustand gehen wir von einem gleichen Anteil von A und B-Kunden aus. Die Bank wird allen Kunden die gleichen Konditionen anbieten. Zu beachten ist hierbei, dass A nun schlechtere Kondition hat als im Falle der vollständigen Information und B hingegen bessere Konditionen.
Aufgrund der für A höheren Kosten wird die Nachfrage von A-Kunden zurückgehen. Dies führt dazu, dass sich der Anteil von schlechten zu guten Kunden verschiebt und die Bank nun einen neu gewichteten Zinssatz anbieten muss, der noch höher ist als der vorherige, also für A-Kunden noch schlechter ist, sodass erneut A-Kunden vom Markt ausscheiden. Dieser Prozess setzt sich solange fort, bis keine guten Kunden mehr im Markt vorhanden sind.
1. Kapitel: Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik Microfinance ein, definiert den Begriff und stellt die Aufspaltung in institutionelle und wohlfahrtsorientierte Ansätze dar.
2. Kapitel: Arten von Microfinanceangeboten: Dieses Kapitel beschreibt verschiedene Kreditformen (individuell/gruppenorientiert), Sparmöglichkeiten und Versicherungsangebote im Mikrofinanzsektor.
3. Kapitel: Die Nachfrageseite von Microfinance und die Analyse des Kreditmarktes für Kleinkredite: Hier werden theoretische Gründe für die Kreditunterversorgung, wie asymmetrische Informationen und Transaktionskosten, sowie das Stiglitz-Weiss-Modell ausführlich diskutiert.
4. Kapitel: Volkswirtschaftliche Auswirkungen von Microfinance: Die Arbeit analysiert die Auswirkungen von Mikrofinanzierungen auf das Wirtschaftswachstum und den Außenhandel von Entwicklungs- und Industrieländern anhand eines keynesianischen Modells.
5. Kapitel: Erkenntnisse am Beispiel Bolivien und Indonesien: Dieses Kapitel verdeutlicht die Erfahrungen des institutionellen Ansatzes durch die Fallstudien von BancoSol (Bolivien) und der Bank Rakyat Indonesia (Indonesien).
6. Kapitel: Markteintritts- und Marktabdeckungsstrategien: Der betriebswirtschaftliche Teil beschreibt verschiedene Strategien (Downgrading, Upgrading, Sprinkler- und Wasserfallstrategie) für den Markteintritt von MFI.
7. Kapitel: Ausblick und Schlusswort: Das Schlusswort fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Mikrofinanz als profitablen Bestandteil des Bankensektors zu etablieren.
Microfinance, Mikrokredit, Kreditrationierung, Entwicklungsfinanzierung, Asymmetrische Information, Adverse Selektion, Moral Hazard, institutioneller Ansatz, Bolivien, Indonesien, MFI, Markteintrittsstrategien, Sparförderung, Bank Rakyat Indonesia, BancoSol
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema Microfinance und den Erfahrungen in Entwicklungsländern, wobei die Rolle der Mikrofinanzinstitutionen (MFI) bei der Bereitstellung von Krediten und Sparmöglichkeiten analysiert wird.
Zentrale Themen sind die theoretische Begründung der Kreditrationierung, der institutionelle Ansatz zur nachhaltigen Armutsbekämpfung, sowie strategische Überlegungen zum Markteintritt von Mikrofinanzinstituten.
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, warum ein effizienter Microfinancemarkt zur Armutsreduzierung beitragen kann und welche theoretischen Hindernisse sowie strategischen Erfolgsfaktoren (z.B. Institutionalisierung) dabei eine Rolle spielen.
Die Arbeit nutzt theoretische ökonomische Modelle, wie das Stiglitz-Weiss-Modell der Kreditrationierung und ein keynesianisches 2-Länder-Modell zur Analyse der volkswirtschaftlichen Auswirkungen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der Kreditmarktprobleme, eine makroökonomische Betrachtung der Auswirkungen auf EL und IL sowie eine praktische Fallstudien-Analyse zu Bolivien und Indonesien.
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Microfinance, Kreditrationierung, adverse Selektion, institutioneller Ansatz und Markteintrittsstrategien wie Downgrading oder Upgrading.
Indonesien zeigt, dass ein langjähriger Lernprozess, die Abschaffung staatlich subventionierter Zinssätze und ein Fokus auf Profitabilität und Sparangebote (KUPEDES) zu einem robusten, selbstfinanzierenden System führen können.
Wie das Beispiel der Krise in Indonesien zeigt, ermöglicht ein hohes Anlegervertrauen einer MFI, selbst in wirtschaftlich extrem schwierigen Zeiten (wie während der Rupiah-Abwertung) stabil zu bleiben und als "Fels in der Brandung" zu fungieren.
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