Diplomarbeit, 2000
141 Seiten, Note: 1
TEIL I EINLEITUNG
1 Die Forschungsidee oder: Warum ausgerechnet Fußball?
2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2.1 Philosophische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen...
2.2 ...und die daraus abzuleitenden Konsequenzen für Zielsetzung und Methodik
2.3 Zum Aufbau der Arbeit
TEIL II THEORIE
1 „Gott ist Rund“ – Faszination Fussball
1.1 Was ist dran am Fußballsport?
2 Fußball und Massenmedien – eine Symbiose
2.1 Aspekte des Medienkonsums
2.2 Die Mannschaftssportart Fußball - Magnet für ein Massenpublikum
2.2.1 Die Live-Produktion eines Dramas...
2.2.2 ...und die Nachbereitung durch die Presse
3 Zum Wandel der Medienstruktur und die Bedeutung des (Fußball-) Sports
3.1 Sportübertragungen im Fernsehen
3.2 Sport in den Printmedien
3.3 Online-Zeitungen im Internet – eine neue Konkurrenz für die Sportpresse?
3.3.1 Der Internetauftritt des Deutschen Fußball-Bundes als Beispiel...
3.3.2 ...für eine potentielle Existenzbedrohung der Pressebranche durch das Internet?
3.3.3 Eigenschaften, Vor- und Nachteile virtueller und „herkömmlicher“ Presseprodukte
3.4 Die Mediensituation heute und morgen – Fazit und Ausblick
4 Sportmedien und Mediensport – zum Stand der Forschung
4.1 Veröffentlichungen zum Thema im Überblick
4.2 Anmerkungen zum Stand der Forschung
4.2.1 Presseähnliche Inhalte im Internet sind bisher nicht Gegenstand sportwissenschaftlicher Forschung
4.2.2 Das quantitative Forschungsparadigma dominiert
5 Grundlagen für eine systemtheoretische Rahmenkonzeption
5.1 Vorüberlegungen: Zur Eignung quantifizierender Verfahren in der Sportwissenschaft
5.2 Positivismus und Konstruktivismus - erkenntnistheoretische Pole
5.3 Grundbegriffe der Systemtheorie
5.4 Massenmediale Konstruktion von Realität
5.4.1 Zur Theorie der Massenkommunikation
5.4.2 Die Beobachtung der Beobachter
5.4.3 Die Erzeugung gesellschaftlicher Hintergrundrealität, Nachrichtenwerttheorie und Agenda-Setting
5.5 Die Realität des Sports in den Medien
5.5.1 Verfälschte Wirklichkeit?
5.5.2 Mediensport ist gleich Hochleistungssport ist gleich Fussball
5.5.3 Zwischen Information und Unterhaltung: (Fußball-) Sport in der (Online-) Printberichterstattung
6 Zwischenfazit
TEIL III EMPIRIE
1 Thesen oder: Den „Ulmer Fußballgeschichten“ auf der Spur
1.1 Prämissen
1.1.1 Literarische Erzählformen und die Geschichten des Fußballs
1.1.2 Elemente, Akteure und Bezugsgruppen des Profifußballs
1.2 Thesen
2 Methodologische Implikationen und Datengrundlage
2.1 Qualitative Inhaltsanalyse mit Unterstützung von AQUAD 5®
2.2 Datengrundlage
2.3 Kategorien
3 Ergebnisse
3.1 Ulmer Fußballgeschichten
3.1.1 Märchenhaft, legendär, dramatisch - Erzählstrukturen
3.1.1.1 Das Märchen vom „Wunder von Ulm“
3.1.1.2 Legendär
3.1.1.3 Fußball dramatisch
3.1.2 Siegertypen: Die Helden von Ulm
3.1.2.1 Von Torhütern, Torjägern und anderen Helden
3.1.2.2 Kollektive Einzigartigkeit
3.1.3 Der Held als Identifikationsobjekt
3.1.3.1 Menschen wie du und ich: Private Aspekte der Stars
3.1.3.2 „Körperspuren“
3.2 Die Konstruktion der Sozialfigur “Trainer“
3.2.1 Zur Trainerrolle
3.2.2 Die Konstruktion des Trainer-Images
3.3 „Sie finden nicht zu ihrem Spiel“ – Begründungen von Erfolg und Mißerfolg
3.3.1 Beanspruchungsannahmen
3.3.2 Pech und Glück
3.3.3 Fähigkeitsannahmen
3.4 Fußball der Superlative
3.5 ...Und die Moral von der Geschicht... - Werte, Normen und Klischees
TEIL IV FAZIT
1 Kritische Reflexion der Methode und Vorgehensweise
1.1 Zur Methode der qualitativen Inhaltsanalyse mit AQUAD 5®
1.1.1 Computerunterstützung...
1.1.2 ...der qualitativen Inhaltsanalyse
1.2 Zur Wahl des Untersuchungszeitraums
2 Thesenprüfung und Zusammenfassung der Ergebnisse
2.1 Konstruktion einer Realität des Hochleistungsfußballs...
2.2 ...vor dem Hintergrund eines konservativen Wertekosmos...
2.3 ...erzählt mit Hilfe von Erzählformen der fiktionalen Literatur
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die mediale Konstruktion von Realität am Beispiel der Berichterstattung der "Südwest Presse Online" über den Fußball-Bundesliga-Aufsteiger SSV Ulm 1846 e.V. während der Saison 1999/2000 zu rekonstruieren und zu interpretieren.
Die Beobachtung der Beobachter
Das System der Massenmedien ist, so LUHMANN, „eines der Funktionssysteme der modernen Gesellschaft, das, wie alle anderen auch, seine gesteigerte Leistungsfähigkeit der Ausdifferenzierung, der operativen Schließung und der autopoietischen Autonomie des betreffenden Systems verdankt.“ (LUHMANN 1996, 20).
Unter den Begriff „Massenmedien“ sind alle Einrichtungen der Gesellschaft zusammengefaßt, „die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen“ (LUHMANN 1996, 10). Sie sind autopoietisch operierende soziale Systeme, die der technischen Erzeugung und Verbreitung von Kommunikationen dienen. Kommunikationen, die Elemente des Systems, werden mit der binären Codierung Information und Nichtinformation versehen. Doch der Code reicht nicht aus - damit das System das für sich Informative erkennen kann, muß die Information mit Hilfe von Programmen in Selektionsbereiche wie Sport oder Politik aufgegliedert werden (ebd.).
Das System der Massenmedien verwandelt permanent Information in Nichtinformation und veraltet sich damit selber.
„Insofern bewirken Massenmedien gesellschaftsweite soziale Redundanz, also den unmittelbar anschließenden Bedarf für neue Information.“ (LUHMANN 1996, 43).
Permanent muß der Eindruck erweckt werden, als sei das gerade Vergangene noch Gegenwart, als sei es noch interessant und informativ (vgl. ebd.). Grundlegend für massenmediale Kommunikation ist die soziologische Definition LUHMANNS, „daß keine Interaktion unter Anwesenden zwischen Sender und Empfänger stattfinden kann“ und daß daher dank eines anonymen Publikums „die Sendebereitschaft und das Einschaltinteresse nicht zentral koordiniert werden können“ (LUHMANN 1996, 11). Weil der Zuschauer als Individuum unbekannt ist, muß massenhaft Verschiedenes gesendet werden, so daß sich ein „Angebot“ ergibt, dem der einzelne das entnimmt, „was ihm paßt“ (ebd., 12).
Die Forschungsidee oder: Warum ausgerechnet Fußball?: Einleitende Darstellung der Bedeutung von Fußball als Massenphänomen und Begründung der Forschungslücke im Bereich der Online-Sportberichterstattung.
Zielsetzung und Aufbau der Arbeit: Definition des Ziels, die mediale Realitätskonstruktion durch die Südwest Presse Online am Beispiel des SSV Ulm zu analysieren.
„Gott ist Rund“ – Faszination Fussball: Untersuchung der gesellschaftlichen Bedeutung des Fußballs als "Theater des kleinen Mannes" und dessen Faszinationskraft.
Fußball und Massenmedien – eine Symbiose: Analyse der engen Verflechtung von Sport und Medien, insbesondere unter dem Aspekt des Medienkonsums und der Live-Produktion von sportlichen Ereignissen.
Zum Wandel der Medienstruktur und die Bedeutung des (Fußball-) Sports: Beleuchtung der historischen Entwicklung der Sportberichterstattung und des Einflusses des Internets als neue Konkurrenz für klassische Medien.
Sportmedien und Mediensport – zum Stand der Forschung: Kritische Bestandsaufnahme bisheriger sportwissenschaftlicher Arbeiten, die primär quantitative Ansätze verfolgen.
Grundlagen für eine systemtheoretische Rahmenkonzeption: Theoretische Herleitung der Untersuchung mittels Niklas Luhmanns Systemtheorie und Konstruktivismus.
Zwischenfazit: Zusammenführung der theoretischen Überlegungen als Vorbereitung für den empirischen Teil.
Thesen oder: Den „Ulmer Fußballgeschichten“ auf der Spur: Formulierung der Arbeitsthesen basierend auf literarischen Erzählformen und dem Profifußball-System.
Methodologische Implikationen und Datengrundlage: Erläuterung des methodischen Vorgehens mittels qualitativer Inhaltsanalyse und Vorstellung des verwendeten Textmaterials.
Ergebnisse: Detaillierte Präsentation der empirischen Auswertung der Ulmer Fußballgeschichten, der Trainerrolle und der Wertevermittlung in der Südwest Presse.
Kritische Reflexion der Methode und Vorgehensweise: Reflektion über die Stärken und Limitationen des qualitativen Forschungsdesigns sowie des gewählten Untersuchungszeitraums.
Thesenprüfung und Zusammenfassung der Ergebnisse: Abschließende Überprüfung der formulierten Thesen im Licht der empirischen Befunde.
Fußball, SSV Ulm 1846, Südwest Presse, Online-Journalismus, Systemtheorie, Medienkonstruktion, Qualitative Inhaltsanalyse, Sportberichterstattung, Trainerrolle, Identifikation, Mythos, Erzählstrukturen, Leistungsprinzip, Wertewandel, AQUAD 5
Die Arbeit untersucht, wie ein elektronisches Printmedium ("Südwest Presse Online") die Realität rund um den Fußballverein SSV Ulm 1846 während der Bundesliga-Saison 1999/2000 konstruiert und den Lesern vermittelt.
Die Themenfelder umfassen die Symbiose von Fußball und Medien, den Wandel der Medienstruktur durch das Internet, die systemtheoretische Realitätskonstruktion und die narrative Aufbereitung von Sportgeschichten.
Das Ziel ist es zu analysieren, welche Art von "Bild" über den SSV Ulm konstruiert wird und durch welche Erzählformen und Darstellungsweisen dieses Bild dem Leser nahegebracht wird.
Es wird eine qualitative Inhaltsanalyse durchgeführt, die theoretisch auf der Systemtheorie nach Niklas Luhmann basiert und computergestützt mittels der Software AQUAD 5 ausgewertet wurde.
Der Hauptteil analysiert die erzählerischen Strukturen ("Ulmer Fußballgeschichten"), die Inszenierung des Trainers als Sozialfigur, die Begründungsmuster für Erfolg und Misserfolg sowie die vermittelten gesellschaftlichen Werte.
Wichtige Begriffe sind Fußball-Bundesliga, systemtheoretische Rahmenkonzeption, mediale Konstruktion, qualitative Inhaltsanalyse, Trainer-Image und narrative Erzählformen.
Der SSV Ulm dient als konkretes Beispiel für einen Erstliga-Aufsteiger und späteren Absteiger, dessen Berichterstattung eine Fallstudie über die mediale Behandlung eines Profifußballvereins in einer lokalen Online-Zeitung ermöglicht.
Die Autorin stellt fest, dass das Image des Trainers in der Berichterstattung stark vom sportlichen Erfolg abhängt; positive Charakterzüge werden bei Misserfolg zunehmend negativ umgedeutet.
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