Diplomarbeit, 2001
92 Seiten, Note: 1,3
Einleitung
1. Theoretischer Rahmen und Forschungsstand
1.1 Die Historie der Rußlanddeutschen und das Leben in den Herkunftsländern
1.2 Aufnahmebedingungen und –zahlen
1.3 Rußlanddeutsche in Duisburg
1.4 Ein- und Ausreisegründe
1.5 Erfahrungen in Deutschland
1.6 Drogenkonsum, Kriminalität und Polizeikontakte in Deutschland
2. Aufbau der Untersuchung
2.1 Hypothesenbildung
2.2 Methodisches Vorgehen
3. Ergebnisse
3.1 Ausgangssituation der Befragten
3.1.1 Soziodemographische Datenlage
3.1.2 Bildung und Arbeit
3.1.3 Ausreisegründe der Rußlanddeutschen
3.1.4 Soziale Situation der Teilnehmer
3.2 Umgang mit Gewalt
3.2.1 Gewaltverständnis und Kontakte mit Gewalt
3.2.2 Verhalten bei Körperverletzung und leichten Vergehen
3.3 Vertrauen in die Polizei
3.3.1 Vertrauen in die Polizei in den Herkunftsländern
3.3.2 Vertrauen in die Polizei in Deutschland
3.4 Inanspruchnahme der Polizei
3.5 Überprüfung der Hypothesen
3.5.1 Bei Inanspruchnahme der Polizei im Herkunftsland
3.5.2 Bei Mißtrauen in die Polizei im Herkunftsland
3.5.3 Folgerungen
4. Resümee
4.1 Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse
4.2 Empfehlungen
5. Fazit
Die Diplomarbeit untersucht das Vertrauen rußlanddeutscher Aussiedler in die Duisburger Polizei. Zentrales Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen einem aus dem Herkunftsland "importierten" Mißtrauen gegenüber staatlichen Institutionen und der Skepsis gegenüber der deutschen Polizei empirisch zu belegen und zu analysieren.
Die Historie der Rußlanddeutschen und das Leben in den Herkunftsländern
Die Ansiedlung Deutscher in Rußland reicht zurück bis ins Mittelalter, als Mitglieder der Hanse in den Hafenstädten der Ostsee seßhaft wurden. Außerdem bemühten sich einzelne Zaren schon seit dem 16. Jahrhundert, deutsche Fachleute ins Land zu holen. Doch erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließen sich die Deutschen in stärkerem Maße im russischen Reich nieder. Denn nachdem das Staatsgebiet durch mehrere Kriege gegen die Türken ausgedehnt werden konnte, mußten Bauern und Handwerker her, um das neu gewonnene Land zu bearbeiten. So kam es durch Katharina II. zu einer gezielten Anwerbung. Zu erschließen waren insbesondere die ländlichen Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres und an der Wolga.
Überall dort, wo deutsche Siedlungen aufgebaut wurden, entstanden bald auch eigenständige Selbstverwaltungen. So dauerte es nicht lange, bis die Landkreise die ersten deutschen Schulen gründeten. Diese sollten sowohl die deutsche Sprache und Geschichte als auch die deutschen Traditionen vermitteln. Laut Berichten war das Leben in diesen Ansiedlungen wie in einem eigenen Kosmos. Anders sah es in den Großstädten aus, wo zu Beginn des 20. Jahrhunderts die deutschen Kinder hauptsächlich russisch sprachen. Diesen Entschluß fällten deren Eltern bzw. Familien. Zwar gab es auch deutsche Schulen in den Städten, allerdings wurden diese mehr von den Russen genutzt. Die deutschen Eltern hingegen strebten eine schnellere Integration ihrer Kinder in die russische Gesellschaft an.
1. Theoretischer Rahmen und Forschungsstand: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung, die Migrationsgründe und die sozioökonomische Lage der Rußlanddeutschen sowie den aktuellen Forschungsstand zu Kriminalität und Polizeikontakten.
2. Aufbau der Untersuchung: Hier werden die Hypothesen der Arbeit formuliert, die einen Zusammenhang zwischen dem "importierten" Mißtrauen und dem Vertrauen in die deutsche Polizei annehmen, sowie das methodische Vorgehen mittels Querschnittdesign erläutert.
3. Ergebnisse: In diesem Hauptteil erfolgt die detaillierte Darstellung und Auswertung der erhobenen Daten bezüglich der soziodemographischen Situation, des Gewaltverständnisses und des Vertrauens in die Polizei.
4. Resümee: Die Ergebnisse werden zusammengefasst und bewertet, wobei insbesondere die Bedeutung der Integration im Herkunftsland und die Rolle sozialer Netzwerke für das Vertrauensverhältnis betont werden.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Mißtrauen gegenüber der Polizei durch gezielte Integrationsmaßnahmen und den Abbau von Barrieren gemindert werden muss, um das Vertrauen in den Rechtsstaat zu stärken.
Rußlanddeutsche, Aussiedler, Integration, Polizei, Vertrauen, Mißtrauen, Kriminalität, Migration, Duisburg, soziale Netzwerke, Generationen, Gewalt, Diskriminierung, Prävention, Aufenthaltsdauer.
Die Arbeit untersucht das Vertrauensverhältnis von rußlanddeutschen Aussiedlern zur deutschen Polizei unter besonderer Berücksichtigung ihrer Erfahrungen im Herkunftsland.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Integration der Aussiedler in Deutschland, ihrem Verständnis von Gewalt und Autorität sowie der Inanspruchnahme polizeilicher Hilfe.
Ziel ist es zu klären, ob das traditionelle Mißtrauen gegenüber staatlichen Organen aus den Herkunftsstaaten auf die deutsche Polizei übertragen wird und welche Faktoren dieses Vertrauensverhältnis beeinflussen.
Es wurde ein Querschnittdesign mit einer schriftlichen Befragung (Fragebogen) in der Stadt Duisburg durchgeführt, wobei 219 Personen unterschiedlicher Generationen an der Untersuchung teilnahmen.
Im Hauptteil (Kapitel 3) werden die Ergebnisse der Befragung zu soziodemographischen Daten, zum Gewaltverständnis, zum Vertrauen in die Polizei und zur potentiellen sowie tatsächlichen Inanspruchnahme polizeilicher Leistungen detailliert ausgewertet.
Die wichtigsten Begriffe sind Rußlanddeutsche, Integration, Vertrauen, Polizei, soziale Netzwerke und Kriminalitätsfurcht.
Duisburg bot eine interessante regionale Konkurrenzsituation auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, die Auswirkungen auf die Freizeitgestaltung und die Netzwerkkontakte der Aussiedler hat.
Die Untersuchung wollte spezifische Unterschiede im Vertrauensverhältnis zwischen den Generationen herausarbeiten, da das Mißtrauen gegenüber der Polizei nicht nur ein jugendspezifisches Phänomen ist.
Die Arbeit zeigt, dass eine starke Einbindung in diese Netzwerke oft mit einem geringeren Vertrauen in die Polizei und einer höheren Neigung, Probleme informell "unter sich" zu lösen, korreliert.
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