Diplomarbeit, 2004
53 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 Was ist eine heilpädagogische Diagnose? – Abgrenzung und Begriffsbestimmung
3 Ziele der heilpädagogischen Diagnostik
4 Der Prozess der heilpädagogischen Diagnostik
4.1 Die Vorinformation
4.1.1 Die Anamnese
4.1.2 Die Exploration
4.2 Die Befunderhebung
4.2.1 Die Beobachtung
4.2.2 Tests
4.3 Das Gutachten und Übergang zur Therapie
5 Diagnostik in der anthroposophischen Heilpädagogik
5.1 Geisteswissenschaftliche Grundlagen
5.2 Die Befunderhebung
5.2.1 Die Beobachtung
5.2.2 Das Einordnen der Beobachtungen
5.3 Die Diagnose
5.4 Die Therapie
5.5 Ein Beispiel: Die Kinderkonferenz
6 Der diagnostische Prozess an einem Beispiel aus der Einzelförderung
6.1 Die Vorinformation
6.1.1 Der Anlass der Diagnoseerstellung
6.1.2 Ruths häusliches Umfeld
6.1.3 Ruths Anamnese
6.2 Die Befunderhebung bei Ruth
6.2.1 Eine Beschreibung
6.2.2 Die Diagnosestunden
6.3 Ruths Diagnose mit Ausblick auf die Therapie
7 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Themenkomplex der heilpädagogischen Diagnostik. Ziel ist es, die Unterschiede zwischen einer „herkömmlichen“ heilpädagogischen Diagnose und einer anthroposophisch orientierten Herangehensweise zu analysieren und ein praktisches Beispiel für einen diagnostischen Prozess zu erarbeiten.
Die Beobachtung
Beobachtung ist nach Köhne „die aufmerksame Wahrnehmung und Registrierung von Ereignissen, Personen oder Sachen vor dem Hintergrund jeweils bestimmter Situationen“. Man könnte es auch als ein Grundprinzip der Beobachtung ansehen, ein Kind in unterschiedlichen Situationen zu beobachten, um so möglichst viele Informationen über das Verhalten und das es umgebende Interaktionsfeld zu sammeln. Gerade längerfristige Beobachtung erlaubt es, auch Aussagen über Fortschritte des Kindes machen zu können.
Eine häufig vorzufindende Form der Beobachtung ist die teilnehmende Beobachtung. Hier ist in einer Person vereinigt derjenige, der pädagogische Prozesse anlegt, steuert und variiert und sie gleichzeitig beobachtet. Hier wird der Beobachter selbst aktiver Teil des Geschehens. Der Beobachter wird nicht als Fremder angesehen, da er keine Testfragen stellt, sondern das Verhalten des Kindes beispielsweise in Lernsituationen beobachtet.
Eine andere Form der Beobachtung ist die so genannte periphere Beobachtung, bei der sich der Beobachter am Rande des Geschehens befindet, eventuell sogar verdeckt beobachtet.
Es gibt verschiedene Beobachtungschemata:
• „die unsystematische Beobachtung, bei der es darum geht, einen ersten Eindruck über einen Schüler einzuholen.
• Die systematische Beobachtung, bei welcher es um das Erfassen und Auswerten der Verhaltensdaten und die geplante Festlegung der Bereiche und Personen geht, die beobachtet werden sollen
• Die standardisierte Beobachtung, bei welcher die Beobachtungssituation im Voraus festgelegt wird. Dabei soll darauf geachtet werden, dass die Beobachtungen in Situationen durchgeführt werden, die dem Zu-Beobachtenden vertraut sind und sinnigerweise im Spiel oder im offenen Unterricht vollzogen werden.“
• Die freie Beobachtung, bei der es dem Beobachter überlassen bleibt, auf welche Verhaltensweisen er sein Augenmerk richtet. Es gibt keine Einschränkungen hinsichtlich der zu erfassenden Merkmalsbereiche.
1 Einleitung: Die Autorin erläutert ihr Interesse an der heilpädagogischen Diagnostik, welches im Rahmen eines Einzelförderprojekts entstand, und skizziert den Aufbau ihrer Arbeit.
2 Was ist eine heilpädagogische Diagnose? – Abgrenzung und Begriffsbestimmung: Es erfolgt eine Abgrenzung des Begriffs gegenüber medizinischen und psychologischen Diagnosen mit dem Fokus auf die heilpädagogische Erfassung des Kindes.
3 Ziele der heilpädagogischen Diagnostik: Das Kapitel beschreibt den Wandel von klassischen Diagnoseverfahren hin zur prozessorientierten Förderdiagnostik und stellt verschiedene Richtungen wie deskriptive, funktionale oder Kausal-Diagnostik vor.
4 Der Prozess der heilpädagogischen Diagnostik: Dieser Teil legt die Voraussetzungen, Beteiligten und einzelnen Schritte der Diagnostik von der Vorinformation bis hin zum Gutachten dar.
5 Diagnostik in der anthroposophischen Heilpädagogik: Hier werden die geisteswissenschaftlichen Grundlagen (Wesensglieder, Dreigliederung) erläutert und das spezifische Vorgehen bei der Beobachtung und Diagnoseerstellung innerhalb dieses Rahmens beschrieben.
6 Der diagnostische Prozess an einem Beispiel aus der Einzelförderung: Die Autorin wendet die zuvor erarbeiteten theoretischen Grundlagen exemplarisch auf den Fall eines Mädchens namens Ruth an.
7 Schlussbetrachtung: Ein Resümee über die Flexibilität in der Anwendung von Diagnosen und die Notwendigkeit von Übung bei der Erstellung von Gutachten.
Heilpädagogik, Diagnostik, Förderdiagnostik, Anthroposophie, Befunderhebung, Beobachtung, Testverfahren, Gutachten, Einzelförderung, Wesensglieder, Menschenkunde, Kindesentwicklung, Diagnoseprozess, Therapieplanung, Psychomotorik
Die Arbeit befasst sich mit den Methoden und Zielen der heilpädagogischen Diagnostik, insbesondere mit der Differenzierung zwischen herkömmlichen Ansätzen und anthroposophisch orientierter Heilpädagogik.
Zentrale Themen sind die diagnostische Beobachtung, Testverfahren, die Erstellung von Gutachten sowie die Anwendung menschenkundlicher Grundlagen zur ganzheitlichen Erfassung eines Kindes.
Das primäre Ziel ist es, den heilpädagogischen Diagnoseprozess verständlich zu machen und zu zeigen, wie ein solches Vorgehen praxisnah und prozessorientiert an einem konkreten Fallbeispiel durchgeführt werden kann.
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Diagnostikansätze sowie auf eine fallstudienbasierte Anwendung der gewonnenen Erkenntnisse aus der Einzelförderpraxis.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung klassischer Diagnoseverfahren, eine Darstellung anthroposophischer Grundlagen und die praktische Umsetzung dieser Methoden in einem ausführlichen Fallbeispiel.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Förderdiagnostik, Anthroposophie, Einzelförderung, Beobachtungsmethodik und menschenkundliche Grundlagen geprägt.
Der Lebenssinn bei Ruth wird als beeinträchtigt beschrieben, da sie in einer frühen Entwicklungsphase einen Unfall mit Schädelbruch erlitt, was zu ihrer Furchtlosigkeit und der Sehschärfenproblematik in Verbindung steht.
Sie ist kein starres methodisches Instrument, sondern ein lebendiger Prozess, der nicht nur auf die Erkenntnis des Kindes abzielt, sondern auch die Selbsterkenntnis der beteiligten Pädagogen miteinbezieht.
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