Examensarbeit, 2004
82 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Das Vater-Sohn-Motiv
2.1 Soziologische Hintergründe zum Vater-Sohn-Konflikt
2.2 Der Vater-Sohn-Konflikt in der Literatur
3 Das Verhältnis von Psychoanalyse und deutscher Literatur im Wandel der Zeit
3.1 Die Pionierphase von 1900 bis 1945
3.2 Vom Neuanfang 1945 bis in die Gegenwart
4 Sigmund Freud und der Ödipus-Komplex
4.1 Über die Traumatheorie zur Traumdeutung
4.2 Der Ödipus-Komplex
4.2.1 Exkurs: Penisneid, Kastrationsangst und der negative Komplex – Weitere Aspekte der Freudschen Theorie
5 Der Einfluss der Biographien
5.1 Friedrich Schiller
5.1.1 Friedrich Schiller und sein Vater
5.1.2 Friedrich Schillers Verhältnis zum Rest der Familie
5.2 Johann Wolfgang von Goethe
5.2.1 Johann Caspar Goethe
5.2.2 Goethes Verhältnis zu Mutter und Schwester
6 Das Motiv des kranken Königssohns
6.1 Schillers „Don Carlos“
6.1.1 Die ödipale Dreieckskonstellation
6.1.2 Die Darstellung des Vater-Sohn-Konflikts in „Don Carlos“
6.1.2.1 Die Aufspaltung der Vaterrepräsentanz
6.1.2.2 Die Aufspaltung der Sohnesrepräsentanz
6.2 Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“
6.2.1 Das Bild vom kranken Königssohn
6.2.2 Wiederholte Spiegelungen: Wilhelm Meister und Hamlet
6.2.2.1 Shakespeares „Hamlet“
6.2.3 Die Krankheit des Königssohns
6.2.4 Wilhelm und der Ödipus-Komplex
6.3 Exkurs: Die Bürgerlichkeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts – Mögliche Hintergründe zur gemeinsamen Motivwahl
6.3.1 Die aufklärerischen Ziele
6.3.2 Auswirkungen von Sturm und Drang auf die frühklassische Literatur
6.4 "Don Carlos“ und „Wilhelm Meisters Lehrjahre" im Vergleich
7 Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Motiv des kranken Königssohns, indem sie Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ und Schillers „Don Carlos“ vergleichend analysiert. Ziel ist es, sowohl Differenzen als auch Gemeinsamkeiten in der Bearbeitung dieses Motivs aufzuzeigen und dabei den Einfluss psychoanalytischer Theorien, insbesondere des Ödipus-Komplexes nach Sigmund Freud, sowie biographischer Hintergründe der Autoren herauszuarbeiten.
Die ödipale Dreieckskonstellation
Das Stück beginnt im königlichen Garten in Aranjuez, wo Domingo, der Beichtvater des Königs, vergeblich versucht den Grund für Don Carlos Schwermütigkeit herauszufinden. Carlos weiß, dass Domingo ihn im Auftrag des Vaters überwacht, weshalb der Priester zu den letzten Personen gehört, denen gegenüber er sich öffnen würde. Vor allem, wenn es sich dabei um eine so heikle Angelegenheit wie die Liebe zu seiner Mutter handelt. Carlos selbst erkennt die Ausweglosigkeit seiner Situation:
Der Sohn liebt seine Mutter. Weltgebräuche, / Die Ordnung der Natur und Roms Gesetze / Verdammen diese Leidenschaft. Mein Anspruch / Stößt fürchterlich auf meines Vaters Rechte. / Ich fühl’s, und dennoch lieb ich. Dieser Weg / Führt nur zu Wahnsinn oder Blutgerüste.151
Mit dieser Aussage schildert Carlos genau jene Dreieckskonstellation, die für den Ödipus-Komplex so entscheidend ist: Der Sohn liebt die Mutter, doch der Vater steht der Erfüllung dieser Liebe im Wege. Interessant an dieser Stelle ist, dass der Ödipus-Komplex nur in modifizierter Form vorliegt. Vielleicht wagte es Schiller nicht, das biologische Inzestmotiv aufzunehmen, aber welcher Grund auch ausschlaggebend gewesen sein mag, die Königin Elisabeth ist lediglich Don Carlos Stief- und nicht seine leibliche Mutter.
1 Einleitung: Einführung in das Motiv des kranken Königssohns, Zielsetzung der Arbeit und Vorstellung des methodischen Vorgehens anhand psychoanalytischer Ansätze.
2 Das Vater-Sohn-Motiv: Skizzierung der soziologischen Hintergründe und der literarischen Bedeutung des Generationskonflikts zwischen Vater und Sohn.
3 Das Verhältnis von Psychoanalyse und deutscher Literatur im Wandel der Zeit: Historischer Überblick über die komplexe Rezeptionsgeschichte psychoanalytischer Theorien in der deutschen Literaturwissenschaft.
4 Sigmund Freud und der Ödipus-Komplex: Darstellung der Entstehung der Psychoanalyse und fundierte Erläuterung der Theorie des Ödipus-Komplexes.
5 Der Einfluss der Biographien: Analyse der persönlichen Lebensumstände von Schiller und Goethe im Hinblick auf deren Vaterverhältnis.
6 Das Motiv des kranken Königssohns: Zentrale Interpretation und direkter Vergleich der Werke „Don Carlos“ und „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ unter Einbeziehung der psychoanalytischen Aspekte.
7 Schlusswort: Resümee der Ergebnisse und Reflexion über die Anwendbarkeit psychoanalytischer Interpretationen auf literarische Werke.
Vater-Sohn-Motiv, Ödipus-Komplex, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe, Don Carlos, Wilhelm Meisters Lehrjahre, Generationskonflikt, Triebstruktur, Literaturwissenschaft, Identitätsfindung, Kastrationsangst, Narzissmus, Identifikation.
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des kranken Königssohns, insbesondere wie es in den Werken von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang von Goethe dargestellt wird.
Die zentralen Themen sind der Vater-Sohn-Konflikt, die Anwendung psychoanalytischer Theorien (insbesondere des Ödipus-Komplexes) auf literarische Texte sowie der Einfluss der Autorenbiographien auf ihr Werk.
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der literarischen Bearbeitung des Vater-Sohn-Motivs aufzuzeigen und zu prüfen, ob psychoanalytische Ansätze zur Interpretation der gewählten Werke beitragen können.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die stark auf psychoanalytischen Theorien, vor allem denen Sigmund Freuds, basiert.
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen des Vater-Sohn-Konflikts, die Entstehung der Psychoanalyse, die Biographien von Schiller und Goethe sowie die detaillierte Interpretation der beiden Primärtexte.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vater-Sohn-Motiv, Ödipus-Komplex, Psychoanalyse, Identitätsfindung und Literaturwissenschaft charakterisiert.
In Schillers „Don Carlos“ findet eine bewusste Aufspaltung der Vaterfigur statt, um facettenreiche Aspekte des Konflikts darzustellen, während bei Goethe das Vaterbild indirekt durch die Identifikationsprozesse des Sohnes mit historischen Figuren gezeichnet wird.
Das Bild fungiert im Roman als entscheidendes Motiv, das die innere Verfassung des Protagonisten Wilhelm Meister spiegelt und als Symbol für seine Entwicklungs- und Heilungsgeschichte dient.
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