Examensarbeit, 2002
102 Seiten, Note: 2,0
1 Einleitung
2 Ursachen für die aktuelle Diskussion um die Bürgerrolle
2.1 Demokratiegefährdende Probleme
2.1.1 Abfallendes Sozialkapital in den westlichen Demokratien
2.1.2 Zunehmende Distanzierung der Jugend von der Politik
2.2 Erhöhte Anforderungen an den Bürger im Rahmen einer Bürgergesellschaft
2.3 Beurteilung der dargestellten Aspekte für die aktuelle Rolle des Bürgers
3 Die aktuelle Rolle des Bürgers in realistisch-empirischen und normativen Demokratietheorien
3.1 Realistisch-empirische Demokratietheorien
3.1.1 Diagnose der Probleme und der Anforderungen der westlichen Demokratien aus der Sicht der realistisch-empirischen Demokratietheorien
3.1.2 Lösungsvorschläge der realistisch-empirischen Demokratietheorien
3.1.3 Bürgerbilder der realistisch-empirischen Demokratietheorien
3.1.4 Zusammenfassung
3.2 Normative Demokratietheorien
3.2.1 Diagnose der Probleme und der Anforderungen der westlichen Demokratien aus der Sicht der normativen Demokratietheorien
3.2.2 Lösungsvorschläge der normativen Demokratietheorien
3.2.3 Bürgerbilder der normativen Demokratietheorien
3.2.4 Zusammenfassung
3.3 Vergleichende Bewertung der realistisch-empirischen Demokratietheorien und der normativen Demokratietheorien
4 Der Bürger als Zentrum der politischen Bildung und der Demokratie
4.1 Aufgaben und Ziele der politischen Bildung in der Demokratie
4.2 Theoretisch-normative Grundlagen der politischen Bildung
4.3 Die Anforderungen der politischen Bildung an den Bürger
4.4 Aktuelle Bürgerbilder in der politischen Bildung
4.4.1 Die Desinteressierten
4.4.2 Die reflektierten Zuschauer
4.4.3 Die interventionsfähigen Bürger
4.4.4 Die Aktivbürger
4.5 Zusammenfassung und Beurteilung der aktuellen Rolle des Bürgers in der politischen Bildung
5 Schule als zentrale Institution der politischen Bildung
5.1 Zur aktuellen Situation des (jugendlichen) Bürgers in der Schule
5.2 Anforderungen an die Schule als der zentralen Institution der politischen Bildung
5.3 Möglichkeiten der Schule
5.4 Kritische Beurteilung der dargestellten Ansätze
5.5 Vorschläge für Reformansätze hinsichtlich eines “Demokratie-Lernens“ in der Schule
5.6 Zusammenfassung und Beurteilung der aktuellen und einer möglichen künftigen Rolle des Bürgers in der Schule
6 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die aktuelle Rolle des Bürgers in Demokratietheorie, Schule und politischer Bildung. Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob ein "demokratiekompetenter Bürger" notwendig für die Lösung heutiger Herausforderungen der westlichen Demokratien ist und inwieweit seine Ausbildung durch politische Bildung, insbesondere in der Schule, möglich ist.
2.1.1 Abfallendes Sozialkapital in den westlichen Demokratien
Sozialkapital von seiner demokratietheoretischen Ebene aus betrachtet, ist nicht zu verwechseln mit dem, was z.B. die Ökonomen unter Sozialkapital oder human resources verstehen. Der Begriff des Sozialkapitals wurde vor allem von Robert. D. Putnam in die demokratietheoretische Debatte eingeführt. Dabei greift Putnam die Beobachtungen von Alexis de Tocqueville auf, der in seinem Buch „Über die Demokratie in Amerika“ feststellte, dass die Demokratie in Amerika vor allem durch die Vielzahl von sozialen Zusammenschlüssen - wie z.B. Vereinen oder auch Buchclubs - funktionierte und Bestand hatte. Daher ist es für Tocqueville auch kein Zufall, dass „sich das demokratischste Land der Erde als dasjenige [erweist, S.K.], in dem die Menschen die Kunst, gemeinsam das Ziel ihres gemeinschaftlichen Begehrens zu erstreben, in unserer Zeit am vollkommensten entwickelt und diese neue Wissenschaft auf die größte Anzahl von Zwecken angewandt haben“.
Der Begriff Sozialkapital, wie er heute von Putnam verwendet wird, wurde zum ersten Mal von Lyda Judson Hanifan im Jahr 1916 in einer Arbeit über ländliche Schulgemeinschaftszentren verwendet, in der er erkannte, wie wichtig das gesellschaftliche Engagement für den Erhalt und die Entwicklung der Demokratie ist.
Aber was ist nun unter Sozialkapital zu verstehen? Ausgehend von Putnam geht man davon aus, dass es einen „sich gleichsam spiralförmig nach oben bewegenden Verstärkungszusammenhang zwischen bürgerlichem Engagement und Vertrauen“ der Bürger untereinander gibt. Dieses Vertrauen der Bürger untereinander (und zu ihrer Regierung) setzt vor allem Gemeinschaftsgeist, Mitgefühl und geselligen Austausch sowohl zwischen Einzelnen wie Familien voraus.
Putnams These zufolge ist „der Grad an Korruption dort geringer, der politische Kenntnisstand der Bürger dort höher und die Unzufriedenheit mit der Demokratie dort geringer, wo es ein ausgeprägtes gesellschaftliches Gruppenleben gibt“.
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Krisendiskussion der westlichen Demokratien und führt das Thema der "Rückkehr des Bürgers" in die Demokratietheorie und politische Bildung ein.
2 Ursachen für die aktuelle Diskussion um die Bürgerrolle: Dieses Kapitel analysiert das abnehmende Sozialkapital und die zunehmende Distanzierung der Jugend von der Politik als zentrale Ursachen der aktuellen Debatte.
3 Die aktuelle Rolle des Bürgers in realistisch-empirischen und normativen Demokratietheorien: Hier werden gegensätzliche demokratietheoretische Ansätze einander gegenübergestellt und deren unterschiedliche Bürgerbilder bewertet.
4 Der Bürger als Zentrum der politischen Bildung und der Demokratie: Dieses Kapitel verortet den Bürger im Fokus der politischen Bildung und diskutiert aktuelle Bürgerleitbilder.
5 Schule als zentrale Institution der politischen Bildung: Der Fokus liegt auf der Schule als Ort des "Demokratie-Lernens", wobei verschiedene Ansätze kritisch auf ihre Praktikabilität hin geprüft werden.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Möglichkeiten einer Ausbildung demokratiekompetenter Bürger unter den gegebenen Bedingungen.
Sozialkapital, Demokratie, Bürgerrolle, politische Bildung, Demokratie-Lernen, Bürgergesellschaft, Partizipation, Politikunterricht, Bürgerleitbilder, Kompetenz, Institution, Schule, Demokratiekompetenz, Werte, Engagement.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung des Bürgers für das Funktionieren moderner Demokratien und der Frage, wie die politische Bildung in der Schule den Bürger zur Übernahme seiner demokratischen Rolle befähigen kann.
Die zentralen Themen sind demokratietheoretische Debatten, der Wandel des gesellschaftlichen Engagements (Sozialkapital), die Rolle der politischen Bildung und die Möglichkeiten schulischen Lernens.
Die Arbeit untersucht, inwieweit ein "demokratiekompetenter Bürger" für die Stabilität westlicher Demokratien notwendig ist und ob dessen Ausbildung durch die Schule effektiv realisierbar ist.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die politikwissenschaftliche Demokratietheorien und politikdidaktische Ansätze anhand der aktuellen Fachliteratur vergleicht und bewertet.
Der Hauptteil analysiert Ursachen für die Krise der Bürgerrolle, vergleicht realistisch-empirische mit normativen Demokratietheorien, untersucht die politische Bildung und erörtert Reformmöglichkeiten für den Politikunterricht.
Die zentralen Begriffe sind Sozialkapital, Demokratie-Lernen, Bürgerkompetenzen, Partizipation, politische Bildung und die Schule als zentrale Institution.
Die Unterscheidung ist entscheidend, da erstere dem Bürger kaum Kompetenzen zutrauen und die Partizipation minimieren wollen, während letztere den kompetenten Bürger als zentrales Element der Demokratie begreifen und fordern.
Das Konzept (nach Robert Putnam) dient als diagnostisches Werkzeug, um das sinkende Vertrauen und Engagement in westlichen Demokratien aufzuzeigen und daraus den erhöhten Bedarf an bürgerschaftlicher Kompetenz abzuleiten.
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