Diplomarbeit, 2003
135 Seiten, Note: 1,5
I Einführung
1 Ausgangspunkt und Vorgehensweise der Arbeit
2 Verbrechen der Wehrmacht als Teil der NS-Auseinandersetzung
2.1 Historischer Hintergrund
2.2 Die erste Ausstellung
2.3 Die neue Ausstellung
II Theoretischer Teil
0 Einleitung
1 Zum Begriff der „Vergangenheitsbewältigung“
2 Öffentliche NS-Auseinandersetzung
2.1 Argumente für eine weitere NS-Auseinandersetzung
2.2 Positionen und Strategien für einen Schlussstrich
2.3 Exkurs 1: Die Walser-Debatte
2.4 Exkurs 2: Literarische Darstellung der Auseinandersetzung
2.5 Erinnern versus Schlussstrich in der vorliegenden Untersuchung
3 Generationen
3.1 Generation versus Kohorte
3.2 Zum Generationen-Konzept
3.3 Generationen-Konzepte mit Bezug zum NS
3.3.1 Potentielle NS-Täter-Generation
3.3.2 NS-Erlebnisgeneration
3.3.3 Nachfolgende Generationen
3.4 Generationeneinteilung dieser Arbeit (Generationszusammenhänge)
3.4.1 Grenzen und Schwächen der Generationeneinteilung
3.4.2 Die Täter-Generation
3.4.3 Die Skeptische Generation
3.4.4 Die 68er- und 78er-Generation
3.4.5 Die 89er-Generation
3.4.6 Die Jüngste Generation
3.5 Generationseinheiten
3.5.1 Bildung
3.5.2 NS-Bezug im eigenen Umfeld
4 Abgeleitete Forschungshypothesen
III Empirischer Teil
1 Planung und Vorbereitung der Erhebung
1.1 Warum eine Besucherbefragung in München?
1.2 Das Forschungsinteresse
1.3 Das Erhebungsinstrument
2 Durchführung der Erhebung
2.1 Feldzugang
2.2 Ausschöpfung
3 Datenüberblick
3.1 Datenqualität, Antwortbereitschaft, Antwortverweigerung
3.2 Soziodemographische Angaben, poltitische Klassifizierung
3.2.1 Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit
3.2.2 Beschäftigung, Bildung
3.2.3 Einstufungen aus dem ALLBUS
3.3 Über die Ausstellung selbst
3.3.1 Allgemeine Beurteilung der Ausstellung
3.3.2 Gefühlslage durch Ausstellungsbesuch
3.4 Einstellungen in der NS-Diskussion
3.4.1 Die Schuldfrage
3.4.2 Schlussfolgerungen aus dem NS
3.4.3 Schlussstrich versus Erinnern
3.5 Berührungspunkte und persönliche Erfahrungen mit dem NS
3.5.1 Sechs Institutionen/Gruppen
3.5.2 Unwissenheit
3.6 Sonstige Ergebnisse
3.6.1 Der Bezug zur ersten Wehrmachtsausstellung
3.6.2 Art und Weise der Beschäftigung mit dem NS
3.7 Zusammenfassung der deskriptiven Auswertung
4 Zusammenhangsanalyse: Beschreibung der Variablen
4.1 Abhängige Variable: Einstellung zum Umgang mit dem NS
4.1.1 Schlussstrich-Index
4.2 Unabhängige Variablen und Varianzanalyse
4.2.1 Generationszugehörigkeit
4.2.2 Formale Bildung
4.2.3 Berührungspunkte
4.2.4 Sonstige Merkmale
4.2.5 Exkurs: Jüngste, Schüler und die Einstellung zur Ausstellung
4.2.6 Zusammenfassung der Ergebnisse der Varianzanalyse
4.3 Regressionsanalyse
4.3.1 Unabhängige Variablen
4.3.2 Modellvoraussetzungen
4.3.3 Ergebnisse der Regressionsanalyse
4.3.4 Zusammenfassung der Ergebnisse der Regressionsanalyse
IV Schluss
1 Fazit
2 Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht auf empirischer Basis, welche Faktoren die Einstellung von Menschen in Deutschland zum Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Merkmale – wie Generationszugehörigkeit, formale Bildung oder persönliche Berührungspunkte – den Wunsch nach einem Schlussstrich unter die NS-Vergangenheit befördern oder aber vehement zurückweisen lassen.
Die neue Ausstellung
Zwei Jahre nach dem Rückzug der ersten Wehrmachtsausstellung und ein Jahr nach der Veröffentlichung des Berichts der Historikerkommission, öffnete die vollkommen neu konzipierte Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht am 28. November 2001 in Berlin erstmals ihre Pforten. Im Unterschied zur alten arbeitet die neue Ausstellung mit weniger Fotos, dafür mit mehr Text, zusätzlich mit audio-visuellen Hilfsmitteln und ist insgesamt um ein Vielfaches umfangreicher als die alte Ausstellung. Am Beispiel verschiedener Kriegsschauplätze werden – ausgehend vom damals geltenden Kriegsvölkerrecht, welches zu Beginn des Rundgangs erläutert wird – sechs unterschiedliche Dimensionen des Vernichtungskrieges aufgezeigt: Der Völkermord an den sowjetischen Juden, das Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen, der Ernährungskrieg, die Deportationen und die Zwangsarbeit, der Partisanenkrieg, sowie die Repressalien und die Geiselerschießungen.
Einer Forderung der zur ersten Ausstellung eingesetzten Historikerkommission, die Wehrmachtsverbrechen weniger „pauschal und unzulässig verallgemeinernd“ darzustellen, wurde mit dem Ausstellungsbereich „Handlungsspielräume“ Rechnung getragen. Er dokumentiert anhand acht verschiedener Einzelschicksale, wie unterschiedlich mit verbrecherischen Befehlen umgegangen werden konnte, inwieweit es dem einzelnen Befehlsempfänger möglich war, sein Handeln in einer spezifischen Situation nach eigenen Maßstäben auszurichten. Dabei geht es allerdings nicht darum, „ein moralisches ‚Merke!’ an den Schluß zu setzen. Wie man sich verhalten sollte – ist ohnehin klar. Die Frage, unter welchen Umständen und Voraussetzungen welches menschliche Verhalten jedem zuzumuten und welches jedenfalls als verwerflich und schuldhaft angesehen werden kann und/oder muß, ist die, um die es geht“.
I Einführung: Einleitung in das Forschungsprojekt sowie historische Einordnung der Wehrmachtsausstellungen und des NS-Diskurses.
II Theoretischer Teil: Klärung der Begriffe „Vergangenheitsbewältigung“ und „NS-Auseinandersetzung“ sowie theoretische Fundierung durch das Generationenkonzept nach Karl Mannheim.
III Empirischer Teil: Detaillierte Darstellung der Planung, Durchführung und Auswertung der Besucherbefragung inklusive deskriptiver Datenübersicht und multivariater Zusammenhangsanalyse.
IV Schluss: Fazit der Forschungsarbeit und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der NS-Erinnerungsarbeit in Deutschland.
Nationalsozialismus, Wehrmachtsausstellung, Vergangenheitsbewältigung, Schlussstrich, NS-Auseinandersetzung, Generationenkonzept, Karl Mannheim, Besucherbefragung, Erinnerungskultur, Wehrmachtsverbrechen, NS-Diskurs, Kollektives Gedächtnis, Empirische Sozialforschung, Schuldfrage, Geschichtsbewusstsein
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Besucher der Wehrmachtsausstellung über den angemessenen Umgang mit der NS-Vergangenheit denken und ob ein Wunsch nach einem Schlussstrich unter diese Geschichte existiert.
Die zentralen Themen sind die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, das Generationenkonzept nach Karl Mannheim sowie die empirische Analyse von Besuchereinstellungen in einer spezifischen historischen Ausstellung.
Das Ziel ist es, Merkmale zu identifizieren, die den Wunsch nach einem „Schlussstrich“ beeinflussen oder die Bereitschaft zur fortgesetzten Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte fördern.
Die Arbeit nutzt ein standardisiertes Erhebungsinstrument für eine Vollerhebung der Ausstellungsbesucher und wertet diese Daten mittels deskriptiver Statistik sowie durch Varianz- und Regressionsanalyse aus.
Der Hauptteil gliedert sich in einen ausführlichen theoretischen Teil zur Generationsforschung und NS-Auseinandersetzung sowie einen empirischen Teil, der die Daten der Befragung detailliert darstellt und statistisch auswertet.
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, NS-Auseinandersetzung, Generationenkonzept, Schlussstrich-Index und empirische Sozialforschung.
Da verschiedene Altersgruppen den Nationalsozialismus unterschiedlich erlebt oder durch gesellschaftliche Debatten unterschiedlich verarbeitet haben, dient die Generationeneinteilung als zentrales Erklärungsmodell für Einstellungsunterschiede.
Die Studie zeigt, dass der Rundgang durch die Ausstellung selbst und die Auseinandersetzung mit den dort präsentierten Fakten eine positive Bereitschaft zur weiteren Beschäftigung mit dem Thema fördert, wobei die Ausstellung als „gut gemacht“ wahrgenommen wird.
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