Forschungsarbeit, 2002
82 Seiten, Note: 6 (CH) = 1 (D)
1. EINLEITUNG
2. DIE SCHWEIZ UND DER UNGARNAUFSTAND IM KONTEXT DER ZEIT
2.1 POLITISCHE FOLGEN DER FASCHISTISCHEN BEDROHUNG
2.2 DIE GRÜNDUNG DER PARTEI DER ARBEIT
2.3 RENAISSANCE DER „GEISTIGEN LANDESVERTEIDIGUNG“
2.4 DER ANTIKOMMUNISMUS IN DEN 50ER JAHREN
2.5 DER UNGARNAUFSTAND UND DIE HETZJAGD AUF KOMMUNISTEN
3. BESONDERHEITEN MEDIALER KRISENKOMMUNIKATION
3.1 VERZERRTE BERICHTERSTATTUNG IN DEN MASSENMEDIEN
3.2 MEDIEN IN KRISENZEITEN
3.3 DER KALTE KRIEG UND DIE MEDIEN
3.4 UNGARN, DIE SCHWEIZER MEDIEN UND DER AUFBAU DES OST-INSTITUTS
4. EMPIRISCHE ANALYSE DER BERICHTERSTATTUNG IM HERBST 1956
4.1 METHODISCHES VORGEHEN
4.1.1 Hypothesenbildung
4.1.1.1 Zentrale Hypothesen für die bürgerlich-sozialdemokratische Presse
4.1.1.2 Unterhypothesen für die bürgerlich-sozialdemokratische Presse
4.1.1.3 Zentrale Hypothesen für die kommunistische Presse
4.1.1.4 Unterhypothesen für die kommunistische Presse
4.1.2 Untersuchungsgegenstand
4.1.3 Untersuchungszeitraum
4.1.4 Auswahl des Untersuchungsmaterials
4.1.5 Analyseeinheit
4.1.6 Kategoriensystem
4.1.7 Reliabilität
4.2 ERGEBNIS HYPOTHESE 1: KAMPAGNENJOURNALISMUS GEGEN DIE PDA
4.2.1 Schwarz-Weiss-Malerei in NZZ und BT
4.2.1.1 Darstellung des Kapitalismus und des Kommunismus
4.2.1.2 Darstellung der Parteien in der NZZ und BT
4.2.1.3 Wenig differenzierte Berichterstattung
4.2.2 Emotionalisierung in NZZ und BT
4.2.2.1 Emotionalisierung in Artikeln der NZZ und BT
4.2.2.2 Emotionalisierung in Bildern der NZZ und BT
4.2.2.3 Emotionale Berichterstattung
4.2.3 Diffamierungen in NZZ und BT
4.2.4 Propagandistisch und diffamierend
4.3 ERGEBNIS HYPOTHESE 2: INTENSITÄT DER ANTIKOMMUNISTISCHEN ANGRIFFE
4.3.1 Diffamierungen in NZZ und BT
4.3.2 Grad der Emotionalisierung in NZZ und BT
4.3.3 Grad der Personalisierung in NZZ und BT
4.3.4 Aufmachung der Artikel in NZZ und BT
4.3.5 NZZ-Kampagne war emotionaler und besser aufgemacht
4.4 ERGEBNIS HYPOTHESE 3: SELEKTIVE ANTIKOMMUNISTISCHE ARTIKULATION
4.4.1 Artikulationsmöglichkeiten in BT und NZZ
4.4.2 Berner Tagwacht vernachlässigte die Bürgerlichen
4.5 ERGEBNIS HYPOTHESE 4: KAMPAGNENJOURNALISMUS GEGEN DAS ESTABLISHMENT
4.5.1 Schwarz-Weiss-Malerei im Vorwärts
4.5.1.1 Darstellung des Kapitalismus und des Kommunismus
4.5.1.2 Darstellung der Parteien im Vorwärts
4.5.1.3 Medien kamen schlecht weg
4.5.1.4 Sozialdemokraten und die sozialdemokratisch-liberale Presse im Visier
4.5.2 Emotionalisierung im Vorwärts
4.5.4 Diffamierungen im Vorwärts
4.5.5 Der Vorwärts setzte sich zur Wehr
4.6 ERGEBNIS HYPOTHESE 5: INTENSITÄT DER KOMMUNISTISCHEN ANGRIFFE
4.6.1 Diffamierungen in Vorwärts und NZZ/BT
4.6.2 Grad der Emotionalisierung in Vorwärts und NZZ/BT
4.6.3 Grad der Personalisierung in Vorwärts und NZZ/BT
4.6.4 Aufmachung der Artikel in Vorwärts und NZZ/BT
4.6.5 Keine grossen Unterschiede
4.7 ERGEBNIS HYPOTHESE 6: SELEKTIVE KOMMUNISTISCHE ARTIKULATION
4.7.1 Artikulationsmöglichkeiten im Vorwärts
4.7.2 Das Sprachrohr der PdA
5. FAZIT
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Berichterstattung in Schweizer Zeitungen über die Schweizer Kommunisten und die Partei der Arbeit (PdA) im Kontext der Niederschlagung des Ungarnaufstandes im Jahr 1956. Das primäre Ziel ist es, mittels quantitativer Inhaltsanalyse zu ermitteln, ob und inwiefern sich die Berichterstattung der bürgerlichen, der sozialdemokratischen und der kommunistischen Presse in Bezug auf antikommunistische Kampagnen, Diffamierungen und die Artikulationsmöglichkeiten unterschied.
3.2 Medien in Krisenzeiten
Bei Kriegs- oder Katastrophenereignissen nimmt die Beachtung der Medien massiv zu. Gleichzeitig weist ihre Berichterstattung typische Besonderheiten auf. So berichten die Medien in Krisenzeiten intensiv über die gleichen Themen. Imhof spricht in diesem Zusammenhang von einer „Kommunikationskonvergenz“ (Imhof 2001: 10). Entscheidend sind dabei die Leitmedien, die einen grossen Einfluss auf andere Medien und ihre Themensetzung ausüben. Erkennbar ist zudem eine Komplexitätsreduktion; die Themenvielfalt und die Zahl der Konfliktgruppen in der medialen Öffentlichkeit wird reduziert. Das heisst, die Nachrichtenfaktoren erhalten ein grösseres Gewicht und die Medien personalisieren stärker. Sie richten den Fokus auf einzelne Figuren und Akteure. Dabei orientiert sich die Berichterstattung vermehrt an Dualismen. Beispielsweise richtete sich nach dem 11. September das mediale Augenmerk auf das (personalisierte) Duell Bush gegen Bin Laden, oder noch weiter vereinfacht, Freund gegen Feind bzw. Gut gegen Böse (Imhof 2001: 10).
Bei kriegerischen Auseinandersetzungen stossen die JournalistInnen vermehrt auf Propaganda und Manipulation. Eigene Korrespondenten und Kriegsberichterstatter sind darüber hinaus konfrontiert mit persönlicher psychischer und physischer Gefährdung. Eine einigermassen neutrale Berichterstattung ist daher ungleich schwieriger (Lang 1995: 152). Wilhelm Kempf hat die Berichterstattung deutscher Medien im zweiten Golfkrieg analysiert. Er kommt zum Schluss, dass der Krieg hauptsächlich aus dem Blickwinkel der USA konzipiert und beurteilt wurde. Zudem vollzogen die Medien hinsichtlich der Person Saddam Husseins einen erstaunlichen Perspektivenwechsel. Während die Medien im ersten Golfkrieg Saddam Hussein als Person vergleichbar wenig nannten, war die Medienaufmerksamkeit im zweiten Golfkrieg eindeutig auf den irakischen Diktator gelenkt. Zugleich wurde er aber auch wesentlich häufiger abwertend dargestellt. Die deutschen Medien konstruierten ein Feindbild, in dem Hussein mit Hitler verglichen wurde.
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Ausgangslage, die mediale Hetze gegen Kommunisten im Herbst 1956 und definiert das Ziel der Untersuchung der Berichterstattung Schweizer Zeitungen.
2. Die Schweiz und der Ungarnaufstand im Kontext der Zeit: Dieses Kapitel liefert den historischen Hintergrund zur antikommunistischen Politik, zur Gründung der Partei der Arbeit und zum Ungarnaufstand.
3. Besonderheiten medialer Krisenkommunikation: Das Kapitel behandelt medientheoretische Aspekte, wie Medien in Krisenzeiten funktionieren, Komplexitätsreduktion betreiben und Propaganda einsetzen.
4. Empirische Analyse der Berichterstattung im Herbst 1956: Der Hauptteil der Arbeit, in dem die Hypothesen mittels quantitativer Inhaltsanalyse der Zeitungen NZZ, BT und Vorwärts überprüft werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Rolle der Presse im Antikommunismus sowie die Intensität der medialen Kampagnen.
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Die Arbeit befasst sich mit der Berichterstattung in Schweizer Zeitungen über Schweizer Kommunisten und die Partei der Arbeit unmittelbar nach dem Ungarnaufstand im Herbst 1956.
Zentrale Themen sind der Antikommunismus in der Schweiz, die Rolle der Medien in Krisenzeiten und die spezifische Darstellung kommunistischer Akteure in bürgerlichen, sozialdemokratischen und kommunistischen Zeitungen.
Ziel ist es zu analysieren, ob und wie die Zeitungen eine Propaganda- oder Diffamierungskampagne führten und inwiefern sich die Berichterstattung zwischen den politischen Lagern unterschied.
Die Arbeit stützt sich auf eine quantitative Inhaltsanalyse von drei ausgewählten Schweizer Zeitungen, wobei verschiedene Kategorien zur Messung von Diffamierung, Emotionalisierung und Personalisierung verwendet wurden.
Der Hauptteil umfasst die detaillierte Auswertung und Überprüfung von Hypothesen bezüglich der Schwarz-Weiss-Malerei, der Intensität antikommunistischer Angriffe und der Artikulationsmöglichkeiten der verschiedenen politischen Parteien.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Antikommunismus, Ungarnaufstand, PdA, Medienanalyse, Inhaltsanalyse, Propaganda und Diffamierung.
Der Fall Farner dient als exemplarisches Beispiel für die drastische, durch die NZZ befeuerte Denunziation und die daraus resultierenden physischen Bedrohungen durch einen aufgebrachten Mob.
Obwohl beide Blätter eine antikommunistische Haltung einnahmen, zeigte sich, dass die NZZ emotionalisierende Elemente stärker einsetzte und ihre diffamierenden Artikel prominenter aufmachte als die Berner Tagwacht.
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