Magisterarbeit, 2003
134 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
1. Frauen
1.1. Weibliche Emanzipation in der Weimarer Republik ─ Traum oder Wirklichkeit?
1.2. Die Frauen am Bauhaus
1.3. Marianne Brandt ─ eine Frau in der Metallwerkstatt
2. Fotomontage und Collage
2.1. Zur Terminologie
2.2. Die Bedeutung von Fotomontage und Collage am Bauhaus
2.3. Die Fotomontagen und Foto-Text-Collagen von Marianne Brandt
3. Acht Fotomontagen und Foto-Text-Collagen von Marianne Brandt
3.1. Bulle-Esel-Affe
3.2. Kann der Mensch sein Schicksal
3.3. Liebe im Urwald
3.4. Helfen Sie mit ! (Die Frauenbewegte)
3.5. Mit allen zehn Fingern
3.6. Boxkampf (Kontraste; Gegensätze)
3.7. me
3.8. Bildnis einer Unbekannten um 1480-1962
4. Schlussbemerkungen
5. Kurzbiografie
6. Anhang
Die vorliegende Arbeit untersucht das bisher wenig beachtete bildnerische Werk von Marianne Brandt, insbesondere ihre Fotomontagen und Foto-Text-Collagen. Das zentrale Ziel ist es, diese Arbeiten kunstwissenschaftlich zu analysieren und aufzuzeigen, wie Brandt ihre Rolle als erfolgreiche Frau in einer männlich dominierten Bauhaus-Umgebung reflektierte, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit diese Werke als kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Geschlechterrollen und der eigenen Identität dienen.
3.1. Bulle-Esel-Affe
Die Foto-Text-Collage ist von Marianne Brandt weder signiert noch datiert worden. Sie ist frühestens 1926 entstanden. Auf diese Datierung wird an anderer Stelle noch näher eingegangen. Das Format der Foto-Text-Collage beträgt 25 x 21 cm. Sie befindet sich im Bauhaus Archiv Berlin (Abbn. 18, 19).
Das Besondere der Foto-Text-Collage ist, dass sie beidseitig gestaltet wurde und der Inhalt sehr persönlicher Natur ist. Brandt benutzte eigene Fotografien und Zeitungsfotos, französische und deutsche Textfragmente aus Zeitungen und vielleicht auch Büchern, koloriertes Papier und farbige Tinte. Die Texte besitzen unterschiedliche Schriftgrößen und -typen. Einige davon hat Brandt schräg, die meisten jedoch waagerecht oder senkrecht auf das Blatt geklebt. Ebenso divergieren die Fotofragmente in ihrem Format. Im Laufe der Zeit haben sich von der einen Seite einige der Abbildungen und Textfragmente vom Untergrund gelöst oder sie wurden gezielt entfernt, sodass mittlerweile die eine Bildhälfte fast leer ist, was die Interpretation der ohnehin recht widersprüchlichen Bild- und Textaussagen erschwert. Man kann nicht von einer Vorder- und Rückseite sprechen, womit ja in der Tat eine gewisse Bewertung vorgenommen wird.
1. Frauen: Beleuchtung der gesellschaftlichen Situation von Frauen in der Weimarer Republik und ihrer spezifischen Rolle an der Institution Bauhaus.
2. Fotomontage und Collage: Begriffsbestimmung und Einordnung der verschiedenen künstlerischen Montagetechniken sowie deren Bedeutung am Bauhaus.
3. Acht Fotomontagen und Foto-Text-Collagen von Marianne Brandt: Kunstwissenschaftliche Analyse und Interpretation von acht ausgewählten Werken im Hinblick auf Brandts persönliche und gesellschaftliche Themen.
4. Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Einordnung der Bedeutung dieser bildnerischen Arbeiten für das Gesamtschaffen der Künstlerin und ein Appell für deren stärkere Wahrnehmung.
5. Kurzbiografie: Chronologischer Abriss des Lebenslaufes von Marianne Brandt.
6. Anhang: Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.
Marianne Brandt, Bauhaus, Fotomontage, Collage, Weimarer Republik, Frauenemanzipation, Metallwerkstatt, Laszlo Moholy-Nagy, Geschlechterrollen, Kunstgeschichte, Moderne, Bildanalyse, Selbstporträt, Identität, Geschlechterdiskurs
Die Arbeit widmet sich dem bildnerischen Schaffen von Marianne Brandt, insbesondere ihren Fotomontagen und Foto-Text-Collagen, die in der kunsthistorischen Forschung bisher stark gegenüber ihren Designarbeiten für die Metallwerkstatt vernachlässigt wurden.
Im Zentrum stehen die Identitätskonstruktion einer Frau im Männermilieu, die kritische Auseinandersetzung mit weiblichen Rollenbildern in der Weimarer Republik sowie die künstlerische Verarbeitung von persönlicher Biografie und Zeitgeschichte.
Es soll verdeutlicht werden, wie Marianne Brandt mittels Montagetechniken ihre Position als Frau am Bauhaus reflektierte und wie diese Werke zur Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte und ihres Selbstverständnisses beitrugen.
Die Autorin nutzt eine kunstwissenschaftliche Bildanalyse, die durch den Kontext von Zeitgeschichte, Biografik und kunsttheoretischen Diskursen (wie beispielsweise der Triebtheorie Freuds) gestützt wird.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über die Kunstformen Montage und Collage am Bauhaus sowie eine detaillierte, bildgebundene Analyse von acht signifikanten Werken Brandts.
Die wichtigsten Schlagworte sind neben Marianne Brandt vor allem Bauhaus, Fotomontage, Emanzipation, Geschlechterrollen und Metallgestaltung.
Dieses Werk entstand vermutlich während eines Frankreichaufenthaltes der Künstlerin und verarbeitet in sehr persönlicher, intimer Weise eine existierende Ehekrise und das Gefühl der Zurückweisung durch den Ehemann.
Die Fotomontage "Boxkampf" dient als plakative Persiflage auf die Geschlechterverhältnisse der 1920er Jahre, in der Brandt die aggressive Maskulinität des Sports der feenhaft entrückten, isolierten Weiblichkeit gegenüberstellt.
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